Lernfeld 13: Betriebliche Problemlösungsprozesse innovativ durchführen
Lernfeld für Industriekaufleute im 3. Ausbildungsjahr, nach dem Rahmenlehrplan der KMK vom 15.12.2023 (AO 2024).
Mit KI erstellt.
- Kapitel
- 9
- Lektionen
- 6
- Aufgaben
- 44
- Aufgaben-Generatoren
- 0
- Beruf
- Industriekaufleute
- Ausbildungsjahr
- 3
- Lernfeldstunden
- 40
Kapitel 1: Problemlösung & Entscheidungstechniken
Komplexe Probleme werden systematisch bearbeitet.
Problemlösungsprozess
- Problem analysieren und Ziele festlegen.
- Alternativen entwickeln.
- Alternativen bewerten.
- Entscheidung treffen.
- Umsetzen und kontrollieren.
Entscheidungstechniken
- Nutzwertanalyse: Kriterien gewichten, Alternativen bewerten, Nutzwerte vergleichen.
- Entscheidungsmatrix und Pro-Contra-Liste für übersichtliche Bewertung.
Kapitel 2: Qualitäts- & Verbesserungsmanagement
Ziel ist die stetige Verbesserung von Prozessen und Qualität.
KVP & PDCA
Der kontinuierliche Verbesserungsprozess (KVP / Kaizen) setzt auf viele kleine Verbesserungen. Werkzeug ist der PDCA-Zyklus (Plan, Do, Check, Act).
Qualitätswerkzeuge
- Ursache-Wirkungs-Diagramm (Ishikawa/Fischgräte): Ursachen strukturieren.
- Pareto-Analyse: die wenigen wichtigen Ursachen (80/20) erkennen.
- Qualitätsregelkarte: Prozesse überwachen.
Die Norm ISO 9001 beschreibt Anforderungen an ein Qualitätsmanagementsystem.
Kapitel 3: Projekt- & Innovationsmanagement
Innovationen sichern die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
Projektmanagement
Komplexe Vorhaben werden als Projekt geplant, gesteuert und ausgewertet (siehe Lernfeld 2). Das magische Dreieck aus Zeit, Kosten und Qualität bleibt der Maßstab.
Change- & Innovationsmanagement
Veränderungen müssen begleitet werden (Betroffene einbinden, Widerstände abbauen). Der Innovationsprozess reicht von der Idee über die Entwicklung bis zur Markteinführung. Wichtige Anstöße für Innovationen geben Entwicklungen im Umfeld des Unternehmens, vor allem die Digitalisierung und die wachsenden Anforderungen an Nachhaltigkeit. Gestaltet ein Unternehmen seine Abläufe neu (Prozessinnovation), will es damit meist Zeit sparen, Kosten senken oder die Qualität verbessern.
Kapitel 4: Nutzwertanalyse Schritt für Schritt
Mit der Nutzwertanalyse werden Alternativen anhand gewichteter Kriterien systematisch und nachvollziehbar verglichen. Gewichte und Punkte beruhen auf Einschätzungen; dieser Nachteil wird kleiner, wenn mehrere Personen unabhängig bewerten und der Maßstab je Kriterium vorher festgelegt wird.
Schritte
- Kriterien festlegen und gewichten (Summe der Gewichte = 100).
- Jede Alternative je Kriterium bewerten (z. B. 1–10 Punkte).
- Teilnutzen = Gewicht × Punkte; Nutzwerte summieren.
| Kriterium (Gewicht) | Alt. A | Alt. B |
|---|---|---|
| Preis (40) | 8 → 320 | 6 → 240 |
| Qualität (35) | 6 → 210 | 9 → 315 |
| Service (25) | 7 → 175 | 8 → 200 |
| Nutzwert | 705 | 755 |
Alternative B hat den höheren Nutzwert und wird gewählt, obwohl A beim Preis vorn liegt, dem Kriterium mit dem höchsten Gewicht. Den Ausschlag gibt die Summe aller Teilnutzen.
Gibt man die Gewichte als Anteil an (0,40 statt 40), wird jeder Nutzwert 100-mal kleiner (7,05 statt 705); die Rangfolge bleibt gleich.
Kapitel 5: Agiles Projektmanagement (Scrum & Kanban)
Neben dem klassischen Projektmanagement gewinnen agile Methoden an Bedeutung.
Klassisch vs. agil
Klassisch (Wasserfall) plant alles im Voraus. Agil arbeitet in kurzen Zyklen, reagiert flexibel auf Änderungen und liefert früh Teilergebnisse.
Scrum
Gearbeitet wird in Sprints mit fester Länge von höchstens einem Monat. Das Scrum Team hat drei Verantwortlichkeiten: Product Owner, Scrum Master und Developers. Ereignisse: der Sprint selbst, Sprint Planning, Daily Scrum (15 Minuten), Sprint Review und Sprint Retrospective. Artefakte: Product Backlog, Sprint Backlog und Increment.
Kanban
Kanban visualisiert Aufgaben auf einem Board (To do – Doing – Done) und begrenzt die parallele Arbeit (WIP-Limits), um den Arbeitsfluss zu verbessern.
Kapitel 6: Fachaufgabe: Beispielantrag & Fallbeispiele
Wie der Prüfungsbereich abläuft, wie Dokumentation, Präsentation und Fachgespräch gewichtet werden und welche Fristen gelten, beschreibt der Leitfaden „Fachaufgabe im Einsatzgebiet“. Dieses Kapitel zeigt an Beispielen, wie du eine passende Aufgabe findest, wie ein tragfähiger Antrag aussieht und wie du dich auf das Fachgespräch vorbereitest. Formular, Umfang und Fristen des Antrags legt deine IHK fest; die Beispiele ersetzen ihre Vorgaben nicht.
Eine passende Fachaufgabe finden
Eine gute Fachaufgabe ist eine echte Aufgabe aus deinem Einsatzgebiet, die du selbst planst, durchführst und auswertest. Prüfe deine Idee mit diesen Fragen:
- Eigene Entscheidung: Wählst du zwischen Möglichkeiten und begründest die Wahl mit Kriterien, oder führst du nur aus, was jemand anderes festgelegt hat?
- Prozessbezug: Berührt die Aufgabe einen Geschäftsprozess mit Schnittstellen zu anderen Abteilungen?
- Messbares Ergebnis: Kannst du am Ende sagen, ob und wie gut das Ziel erreicht ist, etwa mit Kosten, Zeiten oder Mengen?
- Passende Größe: Lässt sich die Aufgabe in der verfügbaren Zeit abschließen, ohne dass du nur einen kleinen Teil eines großen Projekts bearbeitest?
- Betrieblicher Bezug: Löst sie ein Problem deines Betriebs, statt ein Thema allgemein zu beschreiben?
Zu klein sind reine Routinearbeiten nach Anweisung, etwa Wareneingänge buchen oder Bestände zählen. Zu groß ist zum Beispiel die Einführung eines neuen ERP-Systems im ganzen Unternehmen, an der du nur mitwirkst. Sprich die Idee früh mit deiner Ausbilderin oder deinem Ausbilder ab.
Beispielantrag: Einsatzgebiet Beschaffung
Die Auszubildende Lea arbeitet im Einkauf der Hallbrunn Metallbau GmbH, die Treppen und Geländer aus Stahl und Edelstahl fertigt. So könnte ihr Antrag aussehen:
| Feld | Inhalt |
|---|---|
| Titel | Auswahl eines zweiten Lieferanten für Edelstahlrohre zur Sicherung der Materialversorgung |
| Ausgangssituation | Edelstahlrohre, rund 18 t im Jahr, kommen bisher von einem einzigen Lieferanten. Im letzten Jahr lieferte er zweimal zu spät, die Fertigung der Geländer stand jeweils zwei Tage still. |
| Aufgabenstellung | Anforderungen an das Material mit Fertigung und Qualitätssicherung klären, Bezugsquellen ermitteln, Angebote einholen, quantitativ und qualitativ vergleichen und eine Entscheidungsvorlage für die Einkaufsleitung erstellen |
| Zielsetzung | Ein zweiter Lieferant ist ausgewählt, der mindestens 40 % des Jahresbedarfs liefern kann; sein Bezugspreis liegt höchstens 3 % über dem des bisherigen Lieferanten. |
| Prozesse und Schnittstellen | Bedarfsermittlung mit der Fertigungsplanung, Prüfung der Werkstoffzeugnisse durch die Qualitätssicherung, Anlieferung und Einlagerung im Lager, Zahlungsbedingungen mit der Buchhaltung |
| Geplantes Vorgehen | Anforderungen festlegen, Bezugsquellen ermitteln, Anfragen stellen, Bezugspreise vergleichen, Nutzwertanalyse durchführen, Entscheidungsvorlage präsentieren |
Der Antrag trägt, weil er ein echtes Problem nennt, eine Entscheidung zwischen Lieferanten verlangt, mehrere Abteilungen einbindet und ein Ziel hat, dessen Erreichen sich am Ende prüfen lässt. Er beschreibt, was Lea tun wird, und nicht schon das Ergebnis.
Fallbeispiele je Einsatzgebiet
Die Tabelle zeigt für jedes der sieben Einsatzgebiete der Verordnung eine mögliche Fachaufgabe, die Entscheidung, die du darin begründest, und Fachthemen, nach denen der Prüfungsausschuss im Gespräch fragen kann.
| Einsatzgebiet | Mögliche Fachaufgabe | Deine Entscheidung | Fachthemen fürs Gespräch |
|---|---|---|---|
| Vertrieb | Angebot für einen Neukunden mit Rahmenvertrag ausarbeiten | Preis und Konditionen | Angebotskalkulation, Bonität, Kaufvertrag, Zahlungsverzug |
| Marketing | Auftritt auf einer regionalen Fachmesse planen und auswerten | Messe, Budget, Kommunikationsmittel | Kommunikationspolitik, Werbeerfolgskontrolle |
| Beschaffung | zweiten Lieferanten für ein Material auswählen | Lieferant | Angebotsvergleich, Nutzwertanalyse, Lieferverzug, Sourcing-Strategien |
| Logistik | Lagerplätze nach einer ABC-Analyse neu vergeben | Lagerordnung | ABC-Analyse, Kommissionierung, Lagerkennzahlen |
| Personalwirtschaft | Einarbeitungsplan für neue Auszubildende entwickeln | Inhalte, Ablauf, Verantwortliche | Personalentwicklung, Berufsbildungsgesetz, Mitbestimmung |
| Leistungserstellung | Rüstzeiten einer Maschine erfassen und eine Verkürzung vorschlagen | Maßnahme zur Verkürzung | Auftragszeit, Kapazität, kontinuierliche Verbesserung |
| Kaufmännische Steuerung und Kontrolle | Abweichungen einer Kostenstelle im Soll-Ist-Vergleich analysieren | Ursachen und Gegenmaßnahmen | Kostenrechnung, Budget, Controlling |
Bereite dich auf das Fachgespräch vor, indem du für jeden Schritt deiner Aufgabe vier Fragen beantwortest: Was habe ich getan? Warum so? Welche Alternative gab es? Was hat es bewirkt? Übe außerdem Fachfragen über die Aufgabe hinaus. Lea sollte etwa erklären können, welche Rechte der Einkauf bei einem Lieferverzug hat, warum ein zweiter Lieferant Geld kostet und wann er sich trotzdem lohnt. Lass dich von Kolleginnen oder Mitschülern frei befragen und antworte laut; so merkst du, wo dir Begriffe oder Begründungen fehlen.
Kapitel 7: Probleme strukturiert lösen: vom Symptom zur Ursache
Wer bei einem Problem sofort die erstbeste Lösung umsetzt, behandelt oft nur das Symptom. Der Problemlösungszyklus gibt eine Reihenfolge vor: erst verstehen, dann entscheiden, dann prüfen.
Die Schritte des Zyklus
- Problem erkennen und beschreiben: Was weicht wovon ab, seit wann, wo und in welchem Umfang? Zahlen statt Eindrücke.
- Ist-Zustand und Ursachen analysieren: Daten sammeln und die Ursachen mit Werkzeugen eingrenzen.
- Ziel festlegen: messbar, mit Termin und erreichbar.
- Lösungen suchen: mehrere Varianten, etwa mit Kreativitätstechniken.
- Bewerten und entscheiden: nach festgelegten Kriterien, zum Beispiel mit einer Nutzwertanalyse.
- Umsetzen: Maßnahmenplan mit Verantwortlichen und Terminen.
- Kontrollieren: Ist das Ziel erreicht? Wenn nicht, beginnt der Zyklus mit einer neuen Analyse.
Bei der Elbwiesen Kunststofftechnik GmbH sinkt die Liefertreue, also der Anteil pünktlicher Lieferungen, von 96 % auf 88 %. Das Team wertet die verspäteten Aufträge im ERP-System aus und stellt fest, dass die meisten auf Maschinenstillstände warten mussten. Ziel: Liefertreue bis zum Ende des nächsten Quartals wieder mindestens 95 %. Nach der Ursachenanalyse entscheidet es sich für einen Mindestbestand an Ersatzteilen und misst die Liefertreue danach wöchentlich.
Ursachen finden: vier Werkzeuge
5-Why-Methode: Man fragt so lange „Warum?“, bis eine Ursache erreicht ist, die sich abstellen lässt; meist genügen etwa fünf Fragen. Im Beispiel: Warum kam die Lieferung zu spät? Die Maschine stand. Warum? Das Werkzeug fehlte. Warum? Es war in der Wartung. Warum dauerte die so lange? Ein Ersatzteil fehlte. Warum? Niemand hält einen Bestand dafür vor. Daraus folgt der Mindestbestand.
Ishikawa-Diagramm: Ein Team sammelt alle denkbaren Ursachen, geordnet nach Einflussgrößen wie Mensch, Maschine, Material, Methode, Messung und Mitwelt. Es eignet sich, wenn viele Ursachen in Frage kommen und keine übersehen werden soll.
Pareto-Analyse: Fehlerarten werden nach Häufigkeit sortiert und ihre Anteile aufsummiert. Oft verursachen wenige Arten den größten Teil der Fehler; dort setzt man zuerst an. Die Daten liefert häufig eine Fehlersammelliste, eine Strichliste je Fehlerart.
Qualitätsregelkarte: Messwerte eines laufenden Prozesses werden eingetragen, zwischen einer Mittellinie und einer oberen und unteren Eingriffsgrenze. Liegt ein Wert außerhalb oder zeigt sich ein auffälliger Verlauf, etwa viele Werte in Folge auf einer Seite der Mittellinie, greift man ein und sucht die Ursache. Bei einem fähigen Prozess liegen die Eingriffsgrenzen innerhalb der Grenzwerte aus der Zeichnung, sodass man reagiert, bevor fehlerhafte Teile entstehen.
Kurz gesagt: Die Regelkarte überwacht, die Pareto-Analyse gewichtet, das Ishikawa-Diagramm sammelt, und 5-Why verfolgt eine Ursachenkette in die Tiefe.
Kapitel 8: Trends aufgreifen und Innovationen planvoll entwickeln
Eine Lösung, die heute passt, kann in drei Jahren veraltet sein. Wer betriebliche Probleme löst, prüft deshalb, welche Entwicklungen im Umfeld die Lösung berühren, und nutzt sie als Anstoß für Neues.
Trends in Lösungen einbeziehen
- Digitalisierung: Daten werden automatisch erfasst und ausgewertet, Maschinen und Systeme vernetzt, Abläufe automatisiert, Prognosen mit KI unterstützt. Fragen an eine Lösung: Hat sie Schnittstellen zu den vorhandenen Systemen? Liefert sie verwertbare Daten? Lässt sie sich erweitern? Ist sie gegen Angriffe geschützt?
- Nachhaltigkeit: Kunden, Banken und Gesetzgeber erwarten weniger Energie- und Materialeinsatz, Kreislaufwirtschaft und Transparenz in der Lieferkette. Fragen: Wie hoch ist der Energiebedarf? Lassen sich Rezyklate einsetzen? Lässt sich die Lösung reparieren und lange nutzen?
- Demografischer Wandel: Fachkräfte werden knapper. Fragen: Ist die Lösung einfach zu bedienen? Sichert sie Wissen, das sonst mit dem Ruhestand verloren geht?
Der Weg in die Entscheidung ist immer gleich: Trend, Auswirkung auf den Betrieb, Chance oder Risiko, Anforderung an die Lösung und schließlich ein messbares Kriterium in der Bewertung, etwa der Stromverbrauch je 1.000 Teile als gewichtetes Kriterium einer Nutzwertanalyse.
Die Elbwiesen Kunststofftechnik GmbH ersetzt eine Spritzgießmaschine. Neben Preis und Leistung bewertet das Team den Stromverbrauch je 1.000 Teile, die Eignung für Rezyklat und eine Datenschnittstelle zur Fertigungssteuerung. Die günstigste Maschine scheidet aus: Sie verarbeitet kein Rezyklat, das zwei Großkunden ab 2028 in ihren Teilen verlangen.
Der Innovationsprozess
Eine Innovation ist eine Neuerung, die tatsächlich eingesetzt wird; eine Idee allein ist noch keine. Man unterscheidet Produktinnovationen (neue oder verbesserte Erzeugnisse), Prozessinnovationen (neue Verfahren und Abläufe) und Organisationsinnovationen (neue Strukturen oder Arbeitsformen). Eine Geschäftsmodellinnovation ändert, wie das Unternehmen Geld verdient, etwa Vermieten statt Verkaufen. Nach dem Grad der Neuheit sind Innovationen inkrementell, also schrittweise Verbesserungen, oder radikal, also grundlegend neu.
- Ideen gewinnen: aus Kundenwünschen, dem Vorschlagswesen, von Lieferanten, Wettbewerbern, Messen und Forschung, auch mit Kreativitätstechniken.
- Ideen auswählen: Passt die Idee zur Strategie? Gibt es einen Markt? Ist sie technisch machbar?
- Konzept und Wirtschaftlichkeit: Anforderungen, Kosten und Nutzen, Investitionsrechnung, Schutzrechte prüfen.
- Entwickeln und testen: Prototyp, Versuchsreihe, Test mit Pilotkunden.
- Einführen: Markteinführung oder Umstellung im Betrieb mit Schulung.
- Erfolg kontrollieren: Umsatz, Kosten, Rückmeldungen.
Zwischen den Phasen liegen Entscheidungspunkte (Gates): weitermachen, nacharbeiten oder abbrechen. Eine schwache Idee früh zu stoppen spart Geld. Technische Erfindungen lassen sich beim Deutschen Patent- und Markenamt als Patent oder Gebrauchsmuster schützen.
Ein Schichtführer schlägt vor, Ausschussteile zu mahlen und daraus Mehrwegkisten für den Versand an Stammkunden zu fertigen. Am ersten Gate prüft die GmbH, ob genug Ausschuss anfällt und die Kunden Kisten zurückgeben würden. Danach entstehen zwanzig Prototypen, die ein Kunde drei Monate testet. Erst dann wird die Serie freigegeben.
Kapitel 9: Umsetzung steuern und Veränderungen begleiten
Eine gute Lösung auf dem Papier ist noch nicht umgesetzt. In der Umsetzung entscheidet sich, ob Termine, Kosten und Qualität halten und ob die Betroffenen die Neuerung annehmen.
Zwischenergebnisse kontrollieren
Der Maßnahmenplan legt Meilensteine fest: überprüfbare Zwischenergebnisse mit Termin. In regelmäßigen Abständen vergleicht die Projektleitung Soll und Ist bei Terminen, Kosten und Ergebnissen und fasst das Ergebnis im Statusbericht zusammen, oft mit einer Ampel: grün im Plan, gelb mit Abweichung, die das Team selbst auffängt, rot mit Abweichung, über die der Auftraggeber entscheiden muss. Aussagekräftig ist der Vergleich von Fertigstellungsgrad und Budgetverbrauch: Ist mehr Geld verbraucht als Arbeit erledigt, droht eine Kostenüberschreitung. Zeigt der Bericht Abweichungen, folgen Steuerungsmaßnahmen, etwa Prioritäten verschieben, Personal umschichten oder den Umfang anpassen.
Veränderungen begleiten
Neue Abläufe stoßen fast immer auf Widerstand. Er hat Gründe: Unsicherheit, ob man den neuen Anforderungen gewachsen ist, Angst um den Arbeitsplatz, Verlust von Gewohnheiten oder Einfluss, fehlende Information. Widerstand ist ein Hinweis, kein Gegner. Wer die Gründe kennt, kann darauf eingehen.
Ein verbreitetes Modell nach Kurt Lewin teilt Veränderungen in drei Phasen:
| Phase | Ziel | Maßnahmen |
|---|---|---|
| Auftauen | Bereitschaft schaffen | Gründe offen erklären, Betroffene früh informieren und beteiligen |
| Verändern | Neues einführen | schulen, ausprobieren lassen, Fragen schnell klären, erste Erfolge zeigen |
| Stabilisieren | Neues verankern | Arbeitsanweisungen anpassen, alte Wege abschalten, Ergebnisse auswerten |
Ein Betriebsrat ist über geplante Arbeitsverfahren und Arbeitsabläufe, auch beim Einsatz von KI, rechtzeitig zu unterrichten und mit ihm zu beraten (§ 90 Abs. 1 Nr. 3 und Abs. 2 BetrVG). Erfasst eine neue Software Verhalten oder Leistung der Beschäftigten, bestimmt er mit (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG).
Die Elbwiesen Kunststofftechnik GmbH stellt den Rechnungseingang auf eine digitale Prüfung um. Zwei erfahrene Buchhalterinnen fürchten, mit dem neuen Programm langsamer zu sein. Die Projektleitung lässt beide die Testphase begleiten und ihre Hinweise einarbeiten. Nach drei Monaten wird die Papierablage abgeschafft; die Durchlaufzeit einer Rechnung ist von neun auf vier Tage gesunken.
Nachschlagen
Fachbegriffe und Formeln zum Nachschlagen, jeweils auf einer Seite.
Fachbegriffe aus diesem Lernfeld
- Agiles Projektmanagement
- Vorgehen, bei dem ein Projekt schrittweise umgesetzt wird, in kurzen Zyklen wie den Sprints bei Scrum oder in einem stetigen Arbeitsfluss wie bei Kanban: Das Team liefert früh nutzbare Teilergebnisse, holt Rückmeldungen ein und passt Anforderungen und Planung laufend an. Das klassische Projektmanagement, etwa nach dem Wasserfallmodell, plant dagegen alle Phasen vorab und arbeitet sie nacheinander ab; hybride Ansätze verbinden beides.
- Brainstorming
- Kreativitätstechnik, bei der eine Gruppe in kurzer Zeit möglichst viele Ideen zu einer Fragestellung sammelt. Während der Sammlung gelten feste Regeln: Menge geht vor Qualität, Kritik ist verboten, ungewöhnliche Einfälle sind erwünscht, und Ideen anderer dürfen aufgegriffen und weitergedacht werden. Bewertet und ausgewählt wird erst in einem zweiten Schritt.
- Ishikawa-Diagramm
- Ursache-Wirkungs-Diagramm in Form einer Fischgräte: Am Kopf steht das Problem, an den Gräten stehen die möglichen Ursachen, häufig geordnet nach Einflussgrößen wie Mensch, Maschine, Material, Methode, Messung und Mitwelt (Umwelt). Ein Team sammelt damit die Ursachen möglichst vollständig und grenzt die wahrscheinlichste ein, bevor es Maßnahmen festlegt. Benannt ist es nach dem japanischen Qualitätsfachmann Kaoru Ishikawa.
- Kanban
- Steuerung der Fertigung nach dem Pull-Prinzip: Die verbrauchende Stelle meldet ihren Bedarf mit einer Karte (japanisch Kanban) oder einem digitalen Signal, erst dann liefert oder fertigt die vorgelagerte Stelle nach. So bleiben die Bestände klein. In agilen Teams ist Kanban außerdem eine Arbeitsmethode mit einer Tafel (Kanban-Board), auf der Aufgaben von „offen“ über „in Arbeit“ nach „erledigt“ wandern und die Zahl paralleler Aufgaben begrenzt ist.
- Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP)
- Ansatz, Abläufe, Produkte und Qualität in vielen kleinen Schritten ständig zu verbessern, statt nur auf große Neuerungen zu setzen. Die Vorschläge kommen vor allem von den Beschäftigten, die ihre Abläufe am besten kennen; umgesetzt wird oft nach dem PDCA-Zyklus (planen, umsetzen, prüfen, handeln). Gleichbedeutend wird häufig der japanische Begriff Kaizen verwendet.
- Methode 6-3-5
- Schriftliche Kreativitätstechnik: Sechs Personen schreiben je drei Ideen auf ein Blatt und geben es weiter; wer es erhält, ergänzt drei neue Ideen oder entwickelt die vorhandenen weiter. Nach sechs Runden, also fünf Weitergaben, war jedes Blatt bei allen, und es stehen höchstens 108 Ideen auf den Blättern. Zurückhaltende kommen so gleich oft zu Wort wie Redefreudige.
- Mindmap
- Grafische Darstellung, in der ein Thema in der Mitte steht und Hauptäste mit Schlüsselwörtern davon abgehen, die sich in Unteräste verzweigen. Sie hilft, Gedanken zu sammeln, zu ordnen und Zusammenhänge sichtbar zu machen, etwa bei der Planung eines Projekts oder einer Präsentation.
- Morphologischer Kasten
- Kreativitätstechnik, die ein Problem in seine Merkmale zerlegt, etwa Material, Antrieb und Farbe eines Produkts. In einer Tabelle stehen je Merkmal mehrere mögliche Ausprägungen; wählt man in jeder Zeile eine aus und kombiniert sie, entsteht eine Lösungsidee. So lassen sich systematisch viele, auch ungewöhnliche Varianten finden.
- Nachhaltigkeit
- Leitidee, nach der heute so gewirtschaftet werden soll, dass auch künftige Generationen noch gute Lebensgrundlagen vorfinden. Sie verbindet drei Dimensionen: ökologisch (Umwelt, Klima und Ressourcen schonen), ökonomisch (dauerhaft wirtschaftlich tragfähig sein) und sozial (faire Arbeitsbedingungen und gesellschaftliche Verantwortung). Im Betrieb zeigt sie sich zum Beispiel beim Energiesparen, bei langlebigen Produkten und bei der Auswahl der Lieferanten.
- Nutzwertanalyse
- Bewertungsverfahren zum Vergleich von Alternativen anhand gewichteter Kriterien (Punktbewertung).
- Problemlösungszyklus
- Schrittfolge, mit der ein Problem planvoll bearbeitet wird: Problem erkennen und analysieren, Ziel festlegen, Lösungsmöglichkeiten suchen, bewerten und auswählen, die Lösung umsetzen und das Ergebnis kontrollieren. Zeigt die Kontrolle neue Abweichungen, beginnt der Ablauf von vorn; deshalb spricht man von einem Zyklus.
- Quellenkritik
- Prüfung, wie verlässlich eine Informationsquelle ist, bevor man ihre Angaben übernimmt. Gefragt wird etwa: Wer ist der Urheber und wie fachkundig ist er, wie aktuell ist die Quelle, verfolgt sie Interessen wie Werbung, nennt sie Belege, und bestätigen unabhängige Quellen die Angaben? Primärquellen wie Gesetzestexte oder amtliche Statistiken sind meist verlässlicher als Angaben aus zweiter Hand.
- Scrum
- Agiles Rahmenwerk: Ein kleines Team arbeitet in Sprints, also in Zeitabschnitten fester Länge von höchstens einem Monat, in denen mindestens ein nutzbares Teilergebnis (Increment) entsteht. Die drei Verantwortlichkeiten tragen Product Owner, Scrum Master und Developers; Ereignisse sind der Sprint selbst, Sprint Planning, Daily Scrum, Sprint Review und Sprint Retrospective. Geplant wird mit Product Backlog und Sprint Backlog.