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Kapitel
17
Lektionen
6
Aufgaben
59
Aufgaben-Generatoren
3
Ausbildungsjahr
2
Lernfeldstunden
40

Kapitel 1: Logistik-Grundlagen & Supply Chain

Kapitel 1 von 17

Lesezeit etwa 1 Minute

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Logistik stellt die richtige Ware, in der richtigen Menge und Qualität, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit, zu den richtigen Kosten bereit (die 6 R der Logistik).

Teilbereiche

  • Beschaffungs-, Produktions-, Distributions- und Entsorgungslogistik.
  • Kernaufgaben: Transport, Umschlag, Lagerung (TUL).

Material- und Informationsfluss

Logistik koordiniert den Materialfluss und den begleitenden Informationsfluss. Das Supply-Chain-Management verknüpft die gesamte Lieferkette vom Lieferanten bis zum Kunden.

Push- und Pull-Prinzip

Push: Produktion auf Lager nach Plan. Pull: Produktion erst bei konkretem Bedarf (z. B. Just in Time).

Kapitel 2: Lagerfunktionen & Kommissionierung

Kapitel 2 von 17

Lesezeit etwa 1 Minute

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Das Lager überbrückt Zeit und Menge zwischen Beschaffung, Produktion und Absatz.

Lagerfunktionen

  • Sicherungsfunktion: Versorgung trotz Schwankungen.
  • Ausgleichsfunktion: unterschiedliche Mengen/Zeiten ausgleichen.
  • Spekulations- und Veredelungsfunktion (z. B. Reifung).

Kommissionierung

Beim Kommissionieren werden Artikel auftragsbezogen zusammengestellt – nach dem Prinzip „Mann zur Ware“ oder „Ware zum Mann“. Lagereinrichtungen reichen vom Regallager bis zum automatisierten Hochregallager.

Kapitel 3: Lagerkennzahlen & Transport

Kapitel 3 von 17

Lesezeit etwa 1 Minute

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Kennzahlen machen die Lagerwirtschaft steuerbar.

Wichtige Lagerkennzahlen

  • Durchschnittlicher Lagerbestand = (Anfangs- + Endbestand) ÷ 2; genauer bei schwankenden Beständen (Jahresanfangsbestand + 12 Monatsendbestände) ÷ 13.
  • Umschlagshäufigkeit = Materialverbrauch (bei Handelswaren: Wareneinsatz) ÷ durchschnittlicher Lagerbestand; Zähler und Nenner auf derselben Basis (Stück oder € zu Einstandspreisen).
  • Durchschnittliche Lagerdauer = 360 ÷ Umschlagshäufigkeit.
  • Lagerzinssatz = Jahreszins × durchschnittliche Lagerdauer ÷ 360.
  • Meldebestand = Tagesverbrauch × Beschaffungszeit + Sicherheitsbestand (Beschaffungszeit: von der Bestellauslösung bis zur Verfügbarkeit im Lager).

Ein hoher Umschlag bedeutet kurze Lagerdauer und geringe Kapitalbindung. Beim Transport zählen Verkehrsträger, Kosten, Nachhaltigkeit und Vorschriften zum Gefahrgut.

Kapitel 4: Rechenbeispiel: Lagerkennzahlen

Kapitel 4 von 17

Lesezeit etwa 1 Minute

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Daten: Anfangsbestand 12.000 €, Endbestand 8.000 €, Materialverbrauch (Jahresverbrauch zu Einstandspreisen) 60.000 €, Lagerzinsfuß 9 % p. a.

  • Ø Lagerbestand = (12.000 + 8.000) ÷ 2 = 10.000 €.
  • Umschlagshäufigkeit = 60.000 ÷ 10.000 = 6 (der Bestand wird 6× im Jahr umgeschlagen).
  • Ø Lagerdauer = 360 ÷ 6 = 60 Tage.
  • Lagerzinssatz = 9 % × 60 ÷ 360 = 1,5 %.
  • Lagerzinsen für die Ø Lagerdauer von 60 Tagen = 10.000 € × 1,5 % = 150 €.

Auf das Jahr bezogen kostet die Kapitalbindung Ø Lagerbestand × Jahreszinssatz = 10.000 € × 9 % = 900 € (= Materialverbrauch × Lagerzinssatz = 60.000 € × 1,5 %).

Je höher der Umschlag, desto kürzer die Lagerdauer und desto geringer die Kapitalbindung.

Kapitel 5: Materialbewertung: FIFO & Durchschnitt

Kapitel 5 von 17

Lesezeit etwa 1 Minute

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Verbrauchsfolgeverfahren bewerten Verbrauch und Endbestand des Lagers.

Ausgangslage

Zugang 1: 100 Stück à 5 €. Zugang 2: 100 Stück à 6 €. Verbrauch: 150 Stück.

FIFO (First in – First out)

Zuerst Eingelagertes wird zuerst verbraucht:
Verbrauch = 100 × 5 € + 50 × 6 € = 500 + 300 = 800 €.
Endbestand = 50 × 6 € = 300 € (zu den neuesten Preisen).

Durchschnittsmethode

Ø-Preis = (500 + 600) ÷ 200 = 5,50 €.
Verbrauch = 150 × 5,50 € = 825 €, Endbestand = 50 × 5,50 € = 275 €.

Rechtlicher Rahmen

Handelsrechtlich dürfen gleichartige Vorräte vereinfacht bewertet werden: mit dem gewogenen Durchschnitt (§ 240 Abs. 4 i. V. m. § 256 Satz 2 HGB) oder mit einer unterstellten Verbrauchsfolge, entweder Fifo (zuerst Angeschafftes wird zuerst verbraucht) oder Lifo (zuletzt Angeschafftes wird zuerst verbraucht) (§ 256 HGB). Steuerlich ist der Durchschnitt ebenfalls zulässig (R 6.8 Abs. 4 EStR), als Verbrauchsfolge aber nur Lifo (§ 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG). Am Bilanzstichtag wird der ermittelte Wert mit dem Stichtagswert verglichen; ist dieser niedriger, ist er anzusetzen (strenges Niederstwertprinzip, § 253 Abs. 4 HGB). Vertieft wird die Bewertung der Vorräte im Jahresabschluss (LF 10).

Kapitel 6: Verpackung, Ladungssicherung & Zoll

Kapitel 6 von 17

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Auf dem Transportweg müssen Waren geschützt und gesichert sein.

Verpackung

Funktionen: Schutz, Lager- und Transportfähigkeit, Information, Verkaufsförderung. Man unterscheidet Verkaufs-, Um- und Transportverpackung. Seit dem 12.08.2026 gelten die EU-Verpackungsverordnung (EU) 2025/40 und das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG), das das Verpackungsgesetz ablöst. Hersteller im Sinne des Verpackungsrechts ist bei Verkaufs- und Umverpackungen, wer damit verpackte Ware erstmals in Deutschland bereitstellt, bei Transport-, Service- und Primärproduktionsverpackungen, wer diese Verpackungen erstmals in Deutschland bereitstellt, auch unbefüllt (Art. 3 Abs. 1 Nr. 15 VO (EU) 2025/40). Jeder Hersteller lässt sich vorher bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister registrieren, unabhängig von der Verpackungsart (§ 6 VerpackDG). Verpackungen, die typischerweise in privaten Haushalten oder vergleichbaren Anfallstellen wie Gastronomie, Hotels oder Verwaltungen als Abfall anfallen, beteiligt er zusätzlich an einem System (§ 7 VerpackDG). Nicht systembeteiligungspflichtige Verpackungen, vor allem Transportverpackungen im Verkehr zwischen Unternehmen, nehmen Hersteller und Vertreiber unentgeltlich zurück und führen sie der Wiederverwendung oder Verwertung zu (§ 39 VerpackDG); mit Abnehmern, die keine Verbraucher sind, können Rückgabeort und Kosten abweichend vereinbart werden.

Ladungssicherung

Ladung ist so zu verstauen und zu sichern, dass sie auch bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutscht, umfällt, hin- und herrollt oder herabfällt (§ 22 Abs. 1 StVO); maßgeblich sind die anerkannten Regeln der Technik. Gesichert wird form- oder kraftschlüssig, z. B. mit Zurrgurten. Verantwortlich ist, wer verlädt; straßenverkehrsrechtlich auch Fahrer und Halter (§ 23 Abs. 1 StVO, § 31 Abs. 2 StVZO). Im Frachtvertrag verlädt in der Regel der Absender beförderungssicher, der Frachtführer sorgt für die betriebssichere Verladung (§ 412 Abs. 1 HGB).

Außenhandel & Zoll

Bei der Einfuhr aus Drittländern entsteht Einfuhrumsatzsteuer (für Unternehmer als Vorsteuer abziehbar, § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 UStG). Je nach Zolltarif und Warenursprung kommt Zoll hinzu, der für viele Waren 0 % beträgt. Nötig sind Zollanmeldung und Begleitpapiere. Innerhalb der EU gibt es keine Zölle. Kauft ein Unternehmer für sein Unternehmen bei einem Unternehmer aus einem anderen EU-Staat, versteuert er den innergemeinschaftlichen Erwerb selbst (Erwerbsteuer, § 1a UStG) und zieht sie in der Regel zugleich als Vorsteuer ab (§ 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 UStG).

Kapitel 7: Lagersysteme, Lagereinrichtungen und Eigen- oder Fremdlager

Kapitel 7 von 17

Lesezeit etwa 7 Minuten

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Wie ein Lager organisiert ist, hängt von vier Entscheidungen ab: nach welchem System die Lagerplätze vergeben werden, ob an einem oder an mehreren Standorten gelagert wird, mit welchen Einrichtungen gelagert wird und ob der Betrieb selbst lagert oder einen Lagerhalter beauftragt. Wozu ein Lager überhaupt dient und wie Aufträge kommissioniert werden, zeigt das Kapitel zu Lagerfunktionen und Kommissionierung.

Lagerplätze vergeben: Festplatz oder Freiplatz

Im Festplatzsystem ist jedem Artikel ein bestimmter Lagerplatz dauerhaft zugeordnet.

  • Vorteile: Das Lager ist übersichtlich. Die Ware wird auch ohne IT schnell gefunden, neue Mitarbeitende finden sich leicht zurecht.
  • Nachteile: Jeder Platz muss für den Höchstbestand seines Artikels reichen. Weil die Bestände schwanken, steht ein Teil der Plätze meist leer. Ein neuer Artikel braucht einen neuen Platz.

Im Freiplatzsystem, auch chaotische Lagerhaltung genannt, kommt eingehende Ware auf einen beliebigen freien Platz, der für sie geeignet ist. Ein Lagerverwaltungssystem speichert zu jeder Ladeeinheit den Platz und nennt ihn bei der Auslagerung.

  • Vorteile: Die Fläche wird besser genutzt, weil nur so viele Plätze nötig sind, wie der gesamte Bestand gleichzeitig belegt. Das System kann kurze Wege planen und vorgeben, dass die älteste Einheit zuerst ausgelagert wird.
  • Nachteile: Jede Ein- und Auslagerung muss mit dem Lagerplatz erfasst werden. Fällt das System aus oder stimmen die Daten nicht, ist die Ware kaum zu finden.

Geeignet heißt: Auch im Freiplatzsystem kommen Gefahrstoffe, Kühlware oder besonders schwere Paletten nur in die dafür vorgesehenen Bereiche. Viele Betriebe verbinden beide Systeme, zum Beispiel mit festen Greifplätzen für häufig gebrauchte Artikel und freien Plätzen für den Nachschub.

Beispiel

Ein Hersteller von Gartenmöbeln lagert 40 verschiedene Fertigerzeugnisse auf Paletten, von jedem Artikel höchstens 8 Paletten. Im Festplatzsystem braucht er 40 × 8 = 320 Stellplätze. Die Auswertung der Bestände zeigt: Weil nie alle Artikel zur selben Zeit ihren Höchstbestand erreichen, stehen gleichzeitig nie mehr als 230 Paletten im Lager. Im Freiplatzsystem genügen deshalb rund 230 Stellplätze und eine kleine Reserve. Gegenüber dem Festplatzsystem werden 320 − 230 = 90 Stellplätze frei, abzüglich der Reserve.

Zentral oder dezentral lagern

Ein Zentrallager hält alle Bestände eines Artikels an einem Standort. Dezentrale Lager liegen an mehreren Orten, etwa als Werkslager neben der Fertigung oder als Auslieferungslager in der Nähe der Kunden.

MerkmalZentrallagerdezentrale Lager
Bestandgeringer: ein gemeinsamer Sicherheitsbestand, Schwankungen gleichen sich teilweise aushöher: jeder Standort braucht einen eigenen Sicherheitsbestand
Wege und Lieferzeitlängere Wege zu Werken und Kunden, längere Lieferzeitenkurze Wege, schnelle Lieferung vor Ort
Fläche, Personal, Technikgut ausgelastet, Automatisierung lohnt sich eheran jedem Standort nötig, oft schlechter ausgelastet
Steuerungeinfach, ein Bestand je Artikelaufwendiger, Bestände müssen zwischen den Standorten ausgeglichen werden
Ausfall eines Lagersdie gesamte Belieferung ist betroffenandere Standorte können einspringen

Oft werden beide Formen verbunden: Ein Zentrallager beliefert mehrere Regionallager, die die Kunden in ihrem Gebiet versorgen.

Lagereinrichtungen

Welche Einrichtung passt, hängt vom Lagergut ab (Größe, Gewicht, Form, Haltbarkeit), von der Menge je Artikel und davon, wie oft auf die Ware zugegriffen wird.

EinrichtungMerkmaltypisches Lagergut
Bodenlagerung (Blocklager)Ladeeinheiten stehen ohne Regal auf dem Boden, oft gestapelt; kaum Einrichtungskosten, aber ohne Umstapeln sind nur die vorderen oder oberen Einheiten erreichbargroße Mengen weniger, stapelbarer Artikel
FachbodenregalFächer mit Böden, Ein- und Auslagerung von HandKleinteile, Kartons, Ersatzteile
Palettenregaljede Palette hat einen eigenen Platz und ist mit dem Stapler direkt erreichbarviele Artikel auf Paletten
Hochregallagersehr hohe Palettenregale, meist automatisch mit Regalbediengeräten bedient; hohe Investition, wenig Grundfläche je Palettesehr viele Paletten mit häufigem Zugriff
DurchlaufregalEinlagerung auf der einen, Entnahme auf der anderen Seite; die Ware rückt meist auf geneigten Rollenbahnen nach, deshalb gilt automatisch First in – First out (FIFO)Güter mit Haltbarkeitsdatum, schnell drehende Artikel
Umlaufregaldie Fächer laufen im Kreis und fahren auf Abruf zum Bedienplatz, die Ware kommt also zur PersonKleinteile bei wenig Grundfläche
KragarmregalTragarme ohne Stützen an der VorderseiteLanggut wie Rohre, Profile, Bretter

Flüssigkeiten und Schüttgüter wie Granulat lagern in Tanks und Silos.

Eigenlager oder Fremdlager

Im Eigenlager lagert der Betrieb in eigenen oder gemieteten Räumen mit eigenem Personal. Im Fremdlager übernimmt ein anderes Unternehmen die Lagerung, meist ein Logistikdienstleister.

Grundlage des Fremdlagers ist ein Lagervertrag: Der Lagerhalter übernimmt Lagerung und Aufbewahrung des Gutes, der Einlagerer zahlt dafür die vereinbarte Vergütung (§ 467 Abs. 1 und 2 HGB). Die Vorschriften des HGB zum Lagergeschäft gelten nur, wenn das Lagern zum Betrieb eines gewerblichen Unternehmens gehört, wie bei einem Logistikdienstleister (§ 467 Abs. 3 HGB). Soweit im Lagervertrag nichts anderes vereinbart ist, gilt nach dem HGB unter anderem:

  • Der einlagernde Betrieb verpackt und kennzeichnet das Gut, soweit das nötig ist, stellt die Begleitpapiere bereit und gibt die Auskünfte, die der Lagerhalter für seine Pflichten braucht. Soll gefährliches Gut eingelagert werden, teilt er dem Lagerhalter rechtzeitig und in Textform mit, welche Gefahr genau von dem Gut ausgeht und welche Vorsichtsmaßnahmen, soweit nötig, zu ergreifen sind (§ 468 Abs. 1 HGB).
  • Der Einlagerer darf sein Gut während der Geschäftsstunden besichtigen und Proben entnehmen (§ 471 Abs. 1 HGB).
  • Der Lagerhalter versichert das Gut, wenn der Einlagerer das verlangt. Bei einem Dritten einlagern darf er nur, wenn der Einlagerer es ausdrücklich erlaubt hat (§ 472 HGB).
  • Der Einlagerer kann sein Gut jederzeit zurückverlangen. Einen Vertrag auf unbestimmte Zeit kann er mit einer Frist von einem Monat kündigen, ohne Frist nur aus wichtigem Grund (§ 473 Abs. 1 HGB).
  • Geht das Gut zwischen Übernahme und Auslieferung verloren oder wird es beschädigt, haftet der Lagerhalter. Er haftet nur dann nicht, wenn er den Schaden auch mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns nicht hätte abwenden können (§ 475 HGB). Zwischen Unternehmen wird die Haftung oft im Lagervertrag begrenzt.
  • Für seine Forderungen aus dem Lagervertrag hat der Lagerhalter ein Pfandrecht an dem eingelagerten Gut (§ 475b Abs. 1 HGB).

Kosten vergleichen: die kritische Lagermenge

Eigen- und Fremdlager unterscheiden sich in der Kostenstruktur:

  • Eigenlager: hohe fixe Kosten, die unabhängig von der gelagerten Menge anfallen, etwa Miete oder Abschreibung für Halle, Regale und Stapler, Gehälter des Stammpersonals und Versicherungen. Dazu kommen niedrige variable Kosten je Einheit, etwa für Verbrauchsmaterial oder Aushilfen bei hohem Bestand.
  • Fremdlager: Der Dienstleister berechnet einen Preis je Einheit und Zeitraum, etwa je Palette und Monat, oft dazu Gebühren je Ein- und Auslagerung. Die Kosten steigen fast vollständig mit der Menge.

Beide Kostenverläufe lassen sich gleichsetzen:

  • Kosten des Eigenlagers = fixe Kosten + variable Kosten je Einheit × Menge
  • Kosten des Fremdlagers = Kosten je Einheit im Fremdlager × Menge
  • Kritische Lagermenge = fixe Kosten des Eigenlagers ÷ (Kosten je Einheit im Fremdlager − variable Kosten je Einheit im Eigenlager)

Bei der kritischen Lagermenge sind beide Lösungen gleich teuer. Liegt die geplante Menge darüber, ist das Eigenlager günstiger, liegt sie darunter, das Fremdlager. Fixe Kosten und Kostensätze müssen sich auf denselben Zeitraum beziehen, zum Beispiel fixe Kosten je Monat und Kosten je Palette und Monat. Die kritische Lagermenge ist dann ein durchschnittlicher Bestand.

Beispiel

Ein Hersteller von Fahrradteilen vergleicht zwei Angebote. Das Eigenlager hat fixe Kosten von 60.000 € im Jahr, also 5.000 € im Monat, und variable Kosten von 1,50 € je Palette und Monat. Der Logistikdienstleister verlangt 4,00 € je Palette und Monat.

Kritische Lagermenge = 5.000 € ÷ (4,00 € − 1,50 €) = 2.000 Paletten im Monatsdurchschnitt.

Geplant sind 1.500 Paletten im Monatsdurchschnitt, im Jahr also 1.500 × 12 = 18.000 Palettenmonate (eine Palette einen Monat lang gelagert):

  • Eigenlager: 60.000 € + 18.000 × 1,50 € = 60.000 € + 27.000 € = 87.000 €
  • Fremdlager: 18.000 × 4,00 € = 72.000 €

Die geplante Menge liegt unter der kritischen Lagermenge. Das Fremdlager ist um 87.000 € − 72.000 € = 15.000 € im Jahr günstiger.

Nicht nur die Kosten entscheiden

spricht für das Eigenlagerspricht für das Fremdlager
direkte Kontrolle über Bestände, Abläufe und Personalkein Kapital in Halle, Regalen und Technik gebunden
kurze Wege zu Fertigung und Versandflexibel bei schwankenden oder saisonalen Mengen, bezahlt wird meist nur der belegte Platz
Wissen über Ware und Abläufe bleibt im BetriebFachwissen und Technik des Dienstleisters, etwa für Kühlware oder Gefahrgut
keine Abhängigkeit von einem Dienstleisteroft Zusatzleistungen wie Kommissionierung und Versand aus einer Hand

Liegt die geplante Menge nur knapp über der kritischen Lagermenge oder ist sie unsicher, wiegen diese Punkte besonders schwer: Die fixen Kosten des Eigenlagers fallen auch dann an, wenn weniger gelagert wird. Wie sich Bestände und Lagerkosten mit Kennzahlen überwachen lassen, zeigt das Kapitel zu den Lagerkennzahlen.

Kapitel 8: Konsignations­lager: Ware des Lieferanten im eigenen Lager

Kapitel 8 von 17

Lesezeit etwa 3 Minuten

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Beim Eigenlager lagert der Betrieb seine eigene Ware selbst, beim Fremdlager übernimmt ein Lagerhalter das gegen Entgelt. Das Konsignationslager verteilt die Rollen anders: Der Lieferant (Konsignant) hält einen Vorrat seiner Ware im Lager oder auf dem Gelände des Kunden (Konsignatar). Die Ware bleibt Eigentum des Lieferanten, bis der Kunde sie entnimmt. Erst mit der Entnahme kauft der Kunde, und berechnet wird nur, was er tatsächlich entnommen hat. Konsignationslager sind verbreitet bei Teilen, die regelmäßig und in größeren Mengen gebraucht werden, etwa Normteile, Verpackungen oder Hilfsstoffe. Lagersysteme und den Vergleich von Eigen- und Fremdlager zeigt das Kapitel „Lagersysteme, Lagereinrichtungen und Eigen- oder Fremdlager“.

Ablauf

  1. Lieferant und Kunde schließen einen Konsignationslagervertrag.
  2. Der Lieferant füllt das Lager bis zu einem vereinbarten Höchstbestand auf.
  3. Der Kunde entnimmt nach Bedarf und meldet die Entnahmen, oft täglich über sein Warenwirtschaftssystem, auf das der Lieferant Zugriff hat.
  4. Erreicht der Bestand den vereinbarten Mindestbestand, liefert der Lieferant nach, ohne dass der Kunde bestellen muss.
  5. Am Ende jedes Abrechnungszeitraums, meist eines Monats, berechnet der Lieferant die entnommenen Mengen.

Die entnommene Menge ergibt sich aus den Beständen und den Auffüllungen:

Schema

Entnahmen = Anfangsbestand + Auffüllungen − Endbestand

Beispiel

Die Brosig Normteile GmbH unterhält bei der Kranzbeck Fahrzeugbau GmbH ein Konsignationslager mit Radschrauben. Am 1. Oktober liegen 6.000 Stück im Lager. Am 9. und am 23. Oktober füllt der Lieferant je 5.000 Stück auf, und die Zählung am 31. Oktober ergibt 4.400 Stück. Entnommen wurden 6.000 + 5.000 + 5.000 − 4.400 = 11.600 Stück. Bei einem vereinbarten Preis von 0,18 € je Stück berechnet die Brosig Normteile GmbH 11.600 × 0,18 = 2.088,00 € zuzüglich 19 % Umsatzsteuer, zusammen 2.484,72 €. Die 4.400 Stück im Lager gehören weiter dem Lieferanten. Sie stehen in der Regel in seiner Bilanz und nicht in der Bilanz der Kranzbeck Fahrzeugbau GmbH.

Was der Vertrag regelt

  • Höchst- und Mindestbestand und wer die Nachlieferung auslöst
  • wann das Eigentum übergeht, in der Regel mit der Entnahme, und wie abgerechnet wird: Zeitraum, Preis, Meldung der Entnahmen
  • wer für Verlust, Beschädigung und Schwund haftet und wer die Ware versichert
  • Zutritt des Lieferanten, Zählungen und der Umgang mit Differenzen zwischen gemeldeten und gezählten Beständen
  • was mit Restbeständen geschieht, wenn die Zusammenarbeit endet oder ein Teil nicht mehr gebraucht wird

Vor- und Nachteile

Kunde (Konsignatar)Lieferant (Konsignant)
VorteileTeile sind sofort greifbar, die Versorgung ist sicher; kein Kapital in diesen Vorräten gebunden, bis entnommen wird; weniger Bestellvorgänge; kein Risiko, dass nicht mehr benötigte Teile liegen bleiben, wenn die Rücknahme vereinbart istenge Bindung des Kunden, Wettbewerber kommen schwer zum Zug; bessere Planbarkeit der eigenen Fertigung aus den laufenden Entnahmedaten; größere und seltenere Lieferungen sparen Transportkosten
NachteileLagerfläche und oft Personal muss der Kunde stellen; Sorgfaltspflichten für fremde Ware; Abhängigkeit von einem Lieferanten; der Preis enthält meist die Kosten, die das Lager dem Lieferanten verursachtdas Kapital für die Vorräte ist beim Lieferanten gebunden; Risiko von Schwund und Beschädigung außerhalb des eigenen Zugriffs; Aufwand für die Überwachung der Bestände

Eigenlager, Fremdlager, Konsignationslager im Vergleich

MerkmalEigenlagerFremdlagerKonsignationslager
Wem gehört die Ware?dem lagernden Betriebdem Einlagerer, nicht dem Lagerhalterdem Lieferanten bis zur Entnahme
Wo liegt sie?beim Betrieb selbstbeim Lagerhalterbeim Kunden
Wer trägt die Kosten?der Betriebder Einlagerer zahlt Lagergeldder Kunde stellt die Fläche, der Lieferant finanziert die Ware

Kapitel 9: Logistik: Ziele, Aufgaben und Teilbereiche

Kapitel 9 von 17

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Logistik sorgt dafür, dass Material und Waren dort ankommen, wo sie gebraucht werden, und dass die nötigen Informationen mitlaufen. Ein Industriebetrieb plant, steuert und kontrolliert dazu den ganzen Fluss vom Lieferanten bis zum Kunden und wieder zurück.

Die 6 R als Prüffragen

Eine Lieferung ist logistisch gelungen, wenn sechs Fragen mit Ja beantwortet werden: Kommt das richtige Produkt in der richtigen Menge und der richtigen Qualität zur richtigen Zeit an den richtigen Ort, und das zu den richtigen Kosten? Manche Betriebe ergänzen ein siebtes R, etwa die richtige Information.

Lieferservice und Logistikkosten

Für den Kunden zählt der Lieferservice: kurze Lieferzeit, zugesagte Termine eingehalten (Liefertreue), bestellte Ware vorrätig (Lieferbereitschaft), Ware vollständig und unbeschädigt (Lieferqualität) sowie Eingehen auf Sonderwünsche (Lieferflexibilität). Für den Betrieb zählen die Logistikkosten für Bestände, Lager, Transporte und Verwaltung. Beide Ziele stehen in Konflikt: Wer jede Ausführung sofort liefern will, braucht hohe Bestände; wer Bestände senkt, riskiert längere Lieferzeiten. Das Logistikziel ist deshalb ein Lieferservice, den die Kunden erwarten, zu möglichst geringen Kosten.

Aufgaben

Zu den Aufgaben der Logistik gehören Transport, Umschlag und Lagerung (TUL), dazu Kommissionieren, Verpacken und die Steuerung des Informationsflusses, etwa mit Bestellungen, Lieferavis, Lieferscheinen und Rückmeldungen im ERP-System.

Teilbereiche

Teilbereichreichttypische Aufgaben
Beschaffungslogistikvom Lieferanten bis zum EingangslagerAnlieferung steuern, Wareneingang, Einlagerung
Produktionslogistikvom Eingangslager bis zum FertigwarenlagerMaterial bereitstellen, innerbetrieblicher Transport, Zwischenlager
Distributionslogistikvom Fertigwarenlager bis zum KundenKommissionieren, Verpacken, Versand, Auslieferung
Entsorgungslogistikvom Anfallort zurück in den KreislaufRücknahme von Verpackungen und Altprodukten, Retouren, Abfalltrennung
Beispiel

Die Norlid Leuchten GmbH bezieht Aluminiumprofile und Elektronik von Lieferanten und lagert sie nach der Eingangsprüfung ein (Beschaffungslogistik). Für die Montage holt ein Routenzug die Teile zweimal je Schicht an die Linie und bringt fertige Hallenleuchten ins Versandlager (Produktionslogistik). Von dort gehen sie verpackt an Elektrogroßhändler (Distributionslogistik). Leere Mehrwegboxen und Transportverpackungen der Großhändler nimmt der Lkw auf der Rückfahrt mit (Entsorgungslogistik).

Kapitel 10: Lieferkette steuern: Supply-Chain-Management, Schwachstellen und Just in Sequence

Kapitel 10 von 17

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Kein Industriebetrieb fertigt allein. Vor ihm stehen Lieferanten und deren Vorlieferanten, nach ihm Händler und Endkunden. Der Materialfluss läuft vom Rohstoff zum Kunden, der Informationsfluss in beide Richtungen: Bestellungen und Absatzzahlen laufen zum Lieferanten, Auftragsbestätigungen, Lieferavis und Rechnungen zurück. Gut abgestimmt sind beide, wenn die Information vor der Ware ankommt.

Warum Supply-Chain-Management?

Plant jede Stufe nur für sich, schaukeln sich Schwankungen auf. Jede Stufe sieht nur die Bestellungen ihres direkten Kunden und legt vorsichtshalber etwas drauf. Diese Verstärkung heißt Peitscheneffekt.

Beispiel

Ein Fahrradhändler verkauft im Frühjahr 10 % mehr Räder als geplant und bestellt bei seinem Hersteller gleich 30 % mehr, um nicht leer zu laufen. Der Hersteller hält das für einen Trend und ordert bei der Brümmerstedt Fahrradteile GmbH noch mehr Laufräder. Wenige Monate später sind alle Lager voll, und die Bestellungen brechen ein.

Das Supply-Chain-Management (SCM) setzt dagegen auf geteilte Daten: Die Partner tauschen Absatzzahlen, Bestände und Planungen aus, etwa über EDI oder gemeinsame Plattformen, planen Mengen abgestimmt und vereinbaren feste Abläufe. Ziel sind niedrige Bestände entlang der ganzen Kette bei hoher Lieferbereitschaft.

Schwachstellen der Lieferkette

  • Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten oder einer einzigen Region,
  • lange Wege über mehrere Umschlagpunkte, etwa Seehäfen, an denen sich Staus bilden,
  • fehlender Einblick in Vorlieferanten, deren Ausfall erst spät bemerkt wird,
  • Medienbrüche und verspätete Informationen,
  • sehr knappe Bestände ohne Puffer für Störungen wie Streiks, Unwetter oder Cyberangriffe.

Gegenmaßnahmen sind ein zweiter Lieferant (Dual Sourcing), Sicherheitsbestände für kritische Teile, Lieferanten näher am Werk, Frühwarnsysteme mit Daten der Partner und Notfallpläne.

Just in Sequence

Bei Just-in-Time kommt das Material zum Bedarfszeitpunkt in der benötigten Menge. Just in Sequence (JIS) geht weiter: Der Lieferant bringt variantenreiche Teile zusätzlich in der Reihenfolge, in der sie am Band verbaut werden. Dazu erhält er wenige Stunden vorher einen Sequenzabruf und sitzt meist in der Nähe des Werks. Das Werk spart Lagerfläche und das Suchen und Sortieren am Band. Fällt aber eine Lieferung aus oder stimmt die Reihenfolge nicht, steht die Montage sofort still.

Kapitel 11: Transport, Umschlag, Lagerung: die Kette und die Funktionen des Lagers

Kapitel 11 von 17

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Drei Grundfunktionen bewegen jede Ware durch die Logistik: Der Transport überwindet Entfernungen, die Lagerung überbrückt Zeit, und der Umschlag verbindet beides. Er umfasst das Be-, Ent- und Umladen, sobald die Ware das Transportmittel wechselt oder vom Transport ins Lager geht.

Die TUL-Kette

Jeder Umschlag kostet Zeit und Geld und birgt das Risiko von Schäden und Verwechslungen. Eine gute Kette hat deshalb so wenige Umschläge wie möglich. Dabei helfen Ladeeinheiten wie Paletten, Gitterboxen oder Container: Umgeschlagen wird die ganze Einheit, nicht jedes einzelne Packstück. Beim Cross-Docking wird Ware im Umschlaglager nicht eingelagert, sondern noch am selben Tag nach Empfängern sortiert und weiterverladen.

Beispiel

Die Brümmerstedt Fahrradteile GmbH kauft Naben bei einem Hersteller in Asien. Ein Lkw bringt den Container zum Hafen, dort wird er auf das Seeschiff verladen. Im europäischen Hafen kommt er auf einen Güterzug, im Bahnterminal auf einen Lkw, der ihn zum Wareneingang fährt. Dort werden die Paletten entladen und eingelagert. Dreimal wechselt der Container das Transportmittel, in beiden Häfen und im Terminal; dazu kommen das Beladen beim Hersteller und das Entladen im Wareneingang. Weil die Naben im verschlossenen Container reisen, wird bis zum Wareneingang kein einzelner Karton angefasst.

Funktionen des Lagers

Funktionwas das Lager leistetBeispiel
Ausgleichgleicht Unterschiede in Zeit und Menge zwischen Zugang und Verbrauch ausNaben kommen einmal im Monat per Container, die Montage braucht täglich gleich viele
Sicherunghält einen Puffer für Lieferverzug und BedarfsspitzenSicherheitsbestand an Speichen für zwei Wochen
Spekulationnutzt erwartete Preisänderungenvor einer angekündigten Preiserhöhung mehr Aluminium kaufen
VeredelungWare verändert sich während der Lagerung gewolltHolz trocknet, Klebstoff härtet aus
Umformungbildet neue Mengen oder Sortimente (Sortieren, Umpacken)Großgebinde werden in montagegerechte Behälter umgefüllt

Jede Lagerung bindet Kapital, Fläche und Personal. Ein Lager ist deshalb nur so groß, wie seine Funktionen es verlangen; wo Lieferant und Verbrauch eng abgestimmt sind, etwa mit Just-in-Time, entfällt ein Teil der Ausgleichs- und Sicherungsaufgabe.

Kapitel 12: Kommissionierverfahren: Bereitstellung, Ablauf und Auswahl

Kapitel 12 von 17

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Beim Kommissionieren werden Artikel aus dem Lager nach einem Auftrag zusammengestellt, etwa für eine Kundenbestellung oder eine Materialanforderung der Montage. Jeder Auftrag besteht aus Positionen: Artikel und Menge. Wie schnell und fehlerfrei kommissioniert wird, entscheidet über Lieferzeit und Kundenzufriedenheit.

Statische oder dynamische Bereitstellung

statisch: Person zur Waredynamisch: Ware zur Person
AblaufDie Kommissionierkraft geht oder fährt mit dem Wagen durch die Regalgänge.Ein Regalbediengerät oder Shuttle bringt den Lagerbehälter an einen festen Kommissionierplatz und lagert ihn danach wieder ein.
Vorteilegeringe Investition, flexibel, auch für sperrige Artikelkurze Wege, hohe Leistung, ergonomischer Arbeitsplatz
Nachteilelange Wegzeiten, bei großem Lager wenig Leistunghohe Investition, bei Störung der Technik steht alles

Einstufig oder zweistufig

Bei der einstufigen Kommissionierung wird jeder Auftrag für sich gesammelt. Nacheinander von einer Person heißt das seriell; bei großen Lagern wird der Auftrag auf Zonen aufgeteilt, die gleichzeitig sammeln (parallel), danach werden die Teile zusammengeführt. Bei der zweistufigen Kommissionierung werden in der ersten Stufe die Artikel mehrerer Aufträge gemeinsam entnommen, in der zweiten Stufe auf die einzelnen Aufträge verteilt. Das lohnt sich bei vielen kleinen Aufträgen, die oft dieselben Artikel enthalten.

Beispiel

Im Ersatzteillager der Norlid Leuchten GmbH gehen täglich 600 Aufträge mit je drei Positionen ein, meist dieselben 200 Artikel. Einzeln gesammelt, kosten die 1.800 Positionen bei 50 Sekunden je Position zusammen 25 Arbeitsstunden. Sammelt sie alle Aufträge einer Stunde gemeinsam und verteilt sie danach an einem Packtisch, läuft sie jeden Lagerplatz nur einmal an. Die Wegzeit sinkt deutlich, dafür kommt das Verteilen als zweiter Schritt hinzu.

Hilfsmittel und Kennzahlen

Statt mit Papierliste wird oft beleglos kommissioniert: mit Handscanner (Pick-by-Scan), mit Lämpchen am Lagerfach, die Fach und Menge anzeigen (Pick-by-Light), oder mit Sprachansage über Headset (Pick-by-Voice). Gemessen wird die Leistung in Positionen je Stunde, die Qualität mit der Fehlerquote, also dem Anteil falsch oder unvollständig kommissionierter Positionen. Ein Fehler kostet mehr als die Zeit für die Korrektur: Rücksendung, Ersatzlieferung und Ärger beim Kunden.

Kapitel 13: Transport organisieren: Verkehrsträger, Fördermittel, Spediteur und Frachtführer

Kapitel 13 von 17

Lesezeit etwa 2 Minuten

Zum Inhaltsverzeichnis

Wie eine Sendung reist, hängt von Gewicht, Wert, Eile, Entfernung und Ziel ab. Zu entscheiden ist, welcher Verkehrsträger passt und wer den Transport durchführt.

Verkehrsträger im Vergleich

VerkehrsträgerStärkenSchwächentypisch für
Straße (Lkw)dichtes Netz, Haus-zu-Haus, flexibelStau, hoher CO₂-Ausstoß je Tonne, FahrermangelTeil- und Komplettladungen im Inland und in Europa
Schienegroße Mengen, wenig CO₂, unabhängig vom StauGleisanschluss nötig, wenig flexibelMassengut, Container über weite Strecken
Binnenschiffsehr günstig je Tonne, große Mengenlangsam, an Wasserstraßen und Pegel gebundenSchüttgut, Schwergut, Container
Seeschiffgünstigster Weg für Überseemengenlange LaufzeitContainer nach Übersee
Flugzeugsehr schnellsehr teuer, viel CO₂, Gewichtsgrenzeneilige, leichte, wertvolle Güter

Im kombinierten Verkehr reist eine Ladeeinheit wie Container oder Wechselbrücke über mehrere Verkehrsträger, ohne dass die Ware selbst umgeladen wird: Die lange Strecke übernimmt die Bahn, die kurzen Wege zum Terminal der Lkw. Wird eine solche Kette in einem einzigen Frachtvertrag vereinbart, spricht man von multimodalem Transport. Der Vertrag fällt unter § 452 HGB, wenn die Teilstrecken für sich genommen unterschiedlichem Recht unterlägen, etwa bei einer Seestrecke; eine rein inländische Kette per Lkw und Bahn richtet sich unmittelbar nach den §§ 407 ff. HGB. Automatisierte und autonome Fahrzeuge sind in Werken und Lagern verbreitet; autonome Lkw werden auf einzelnen Strecken erprobt.

Innerbetrieblicher Transport

Im Werk bewegen Stetigförderer wie Rollen- und Bandförderer Güter laufend auf festen Wegen, Unstetigförderer wie Gabelstapler, Routenzüge und Krane fahren einzelne Ladungen auf wechselnden Wegen. Fahrerlose Transportsysteme folgen festen Spuren oder orientieren sich mit Sensoren selbst.

Frachtführer und Spediteur

Der Frachtführer verpflichtet sich, das Gut zum Bestimmungsort zu befördern und dort abzuliefern; der Absender zahlt die Fracht (§ 407 Abs. 1 und 2 HGB). Für Verlust oder Beschädigung haftet er im innerdeutschen Verkehr in der Regel bis 8,33 Rechnungseinheiten des Internationalen Währungsfonds je Kilogramm Rohgewicht (§ 431 Abs. 1 HGB). Der Spediteur besorgt die Versendung (§ 453 Abs. 1 HGB): Er wählt Verkehrsträger und Weg, beauftragt Frachtführer und übernimmt auf Wunsch Zusatzleistungen wie Verzollung oder Lagerung. Befördert er selbst, vereinbart er einen festen Preis einschließlich Beförderung oder bündelt er Sendungen in einer Sammelladung, hat er für die Beförderung die Rechte und Pflichten eines Frachtführers (§§ 458 bis 460 HGB).

Beispiel

Die Feldmark Antriebstechnik GmbH verschickt sechs Getriebe mit zusammen 2,4 Tonnen nach Norditalien. Eine Spedition bündelt die Sendung mit Gütern anderer Versender in einer Sammelladung, die per Bahn über die Alpen und dann per Lkw zum Kunden geht. Feldmark hat einen Ansprechpartner und eine Rechnung; welche Frachtführer fahren, organisiert die Spedition.

Bei der Auswahl eines Dienstleisters zählen Preis, Laufzeit, Termintreue, Schadensquote, Netz, Zusatzleistungen und zunehmend der CO₂-Ausstoß. Mehrere Kriterien lassen sich mit einer Nutzwertanalyse gewichten.

Kapitel 14: Lager- und Transportkosten erfassen und senken

Kapitel 14 von 17

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Lagern und Transportieren schaffen keinen neuen Wert am Erzeugnis, kosten aber Geld. Wer sie senken will, muss zuerst wissen, welche Kosten wo entstehen.

Lagerkosten

GruppeKostenartenVerhalten
Kosten der LagerbeständeZinsen für das gebundene Kapital, Versicherung der Vorräte, Schwund, Verderb, Veraltensteigen mit Menge und Wert der Vorräte
Kosten von Lagerraum und LagerbetriebMiete oder Abschreibung für Gebäude, Regale und Stapler, Energie, Instandhaltung, Personal, Lagerverwaltunggroßteils fix, unabhängig vom Bestand

Wie teuer das Lagern im Verhältnis zum Lagerwert ist, zeigt der Lagerkostensatz: Lagerkosten eines Jahres ohne Zinsen in Prozent des durchschnittlichen Lagerbestands.

Transportkosten

Die Fracht ist das Entgelt des Frachtführers für die Beförderung (§ 407 Abs. 2 HGB). Läuft die Hauptstrecke per Bahn oder in einer Sammelladung, kommt das Rollgeld hinzu: das Entgelt für die Abholung beim Versender und die Zustellung beim Empfänger mit dem Lkw. Weitere Transportkosten sind Kosten für Umschlag, Verpackung, Transportversicherung, Maut und bei Einfuhren Zoll. Wer sie trägt, regelt die Lieferbedingung: Bei „ab Werk“ trägt der Käufer alle Transportkosten ab dem Werk des Verkäufers, bei „frei Haus“ trägt sie der Verkäufer bis zum Käufer. Fehlt eine Vereinbarung, trägt der Käufer die Kosten der Versendung an einen anderen Ort als den Erfüllungsort (§ 448 Abs. 1 BGB).

Beispiel

Die Hollstein Gartentechnik GmbH schickt 24 Paletten Rasenmäher an einen Händler. Per Bahn kostet das 135 € Rollgeld zum Versandbahnhof, 640 € Bahnfracht, zweimal 48 € Umschlag und 155 € Rollgeld vom Empfangsbahnhof zum Händler, zusammen 1.026 € netto. Eine Komplettladung per Lkw kostet 1.180 € netto. Die Bahn ist um 154 € günstiger, braucht aber einen Tag länger.

Kosten senken

  • Lager: Bestände über ABC-Analyse und genaue Bedarfsplanung senken, Ladenhüter abbauen, Fläche mit Freiplatzlagerung besser nutzen, gängige Artikel nah an den Versand legen.
  • Transport: Fahrzeuge besser auslasten, Sendungen bündeln, Touren planen, Leerfahrten vermeiden, Ladeeinheiten nutzen, für lange Strecken Bahn oder Schiff wählen.

Beide Kostenarten hängen zusammen: Wer seltener und in größeren Mengen liefern lässt, spart Transportkosten, braucht aber mehr Lager. Wer Bestände senkt und häufiger kleine Mengen bestellt, spart Lagerkosten und zahlt mehr für Transporte. Gesucht ist die Lösung mit den niedrigsten Gesamtkosten bei der gewünschten Lieferbereitschaft.

Kapitel 15: Logistikkonzept: Push oder Pull und was Beschaffung, Produktion und Absatz brauchen

Kapitel 15 von 17

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Ein Logistikkonzept legt fest, wie Material und Erzeugnisse durch den Betrieb fließen und was diesen Fluss auslöst. Die Grundentscheidung lautet: nach Plan schieben oder nach Bedarf ziehen.

Push-Steuerung

Beim Push-Prinzip beginnt alles mit einer Absatzprognose. Daraus entstehen Produktions- und Beschaffungspläne; Material und Erzeugnisse werden nach Plan von Stufe zu Stufe weitergegeben und am Ende ins Fertigwarenlager „geschoben“. Das passt zu Standarderzeugnissen mit gut vorhersehbarem Absatz, zu langen Beschaffungszeiten und zu Saisonware, die vorproduziert werden muss. Liegt die Prognose daneben, entstehen Überbestände oder Fehlmengen.

Pull-Steuerung

Beim Pull-Prinzip löst erst der tatsächliche Bedarf den Fluss aus: der Kundenauftrag oder der Verbrauch der nachfolgenden Stufe, etwa über Kanban oder Just-in-Time-Abrufe beim Lieferanten. Bestände bleiben klein, gefertigt wird, was verkauft ist. Voraussetzung sind kurze Durchlauf- und Beschaffungszeiten, flexible Kapazitäten und verlässliche Lieferanten.

Der Entkopplungspunkt

Viele Betriebe verbinden beide Prinzipien. Bis zum Kundenauftragsentkopplungspunkt wird nach Prognose gefertigt und gelagert, danach erst nach Auftrag. Je weiter vorn er liegt, desto kleiner das Lager, aber desto länger die Lieferzeit.

Beispiel

Die Hollstein Gartentechnik GmbH fertigt im Winter Motoren und Mähdecks nach Prognose auf Lager (Push), weil im Frühjahr die Nachfrage stark steigt. Die Endmontage mit Farbe, Schnittbreite und Zubehör beginnt erst, wenn ein Händler bestellt (Pull). Der Entkopplungspunkt liegt beim Lager für Baugruppen. So liefert Hollstein in wenigen Tagen, ohne Hunderte fertiger Mäher in allen Varianten zu lagern.

Was die Bereiche erwarten

BereichAnforderung an die LogistikSpannung
BeschaffungVersorgungssicherheit, günstige Preise durch große Mengen, planbare Abrufegroße Mengen erhöhen die Bestände
ProduktionMaterial immer verfügbar, gleichmäßige Auslastung, große Lose mit wenig Rüstengroße Lose passen nicht zu schwankenden Aufträgen
Absatzkurze Lieferzeit, hohe Lieferbereitschaft, viele Varianten, SonderwünscheLieferbereitschaft bei allen Varianten braucht Bestände

Ein gutes Logistikkonzept gleicht diese Ziele aus. Gemessen wird es an Lieferbereitschaft und Lieferzeit auf der einen, an Beständen und Logistikkosten auf der anderen Seite.

Kapitel 16: Begleitpapiere und digitaler Informationsfluss im Versand

Kapitel 16 von 17

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Mit jeder Sendung reisen Informationen: für den Empfänger, für den Frachtführer und bei gefährlichen Gütern für Fahrer, Polizei und Rettungskräfte. Heute entstehen die meisten dieser Papiere aus den Daten im ERP-System.

Lieferschein und Lieferavis

Der Lieferschein begleitet die Ware vom Lieferer zum Empfänger. Er nennt Lieferer und Empfänger, Lieferscheinnummer, Bestell- und Auftragsnummer, Lieferdatum sowie Artikel und Mengen, meist ohne Preise. Der Empfänger vergleicht ihn mit der Ware und seiner Bestellung und bestätigt den Empfang. Ein Lieferavis kündigt die Sendung schon vorher an, meist elektronisch per EDI, mit Inhalt, Packstücken und erwarteter Ankunft. Der Wareneingang kann dann Personal und Rampe einplanen.

Frachtbrief

Der Frachtführer kann verlangen, dass der Absender einen Frachtbrief ausstellt, etwa mit Absender, Empfänger, Ablieferungsstelle, Art, Anzahl und Gewicht der Frachtstücke (§ 408 Abs. 1 HGB). Er wird in drei Originalen ausgestellt: eines erhält der Absender, eines begleitet das Gut, eines behält der Frachtführer (§ 408 Abs. 2 HGB). Haben beide unterschrieben, gilt er bis zum Beweis des Gegenteils als Nachweis für Abschluss und Inhalt des Frachtvertrags und für die Übernahme des Gutes (§ 409 Abs. 1 HGB). Eine elektronische Fassung ist gleichgestellt, wenn Echtheit und Unversehrtheit gesichert sind (§ 408 Abs. 3 HGB). Im grenzüberschreitenden Straßenverkehr gilt das Übereinkommen CMR mit dem CMR-Frachtbrief.

Papiere für Gefahrgut

Wer gefährliche Güter versendet, teilt dem Beförderer mit dem Auftrag die Angaben für das Beförderungspapier mit: UN-Nummer, offizielle Benennung, Gefahrzettel und gegebenenfalls Verpackungsgruppe (§ 18 Abs. 1 Nr. 1 GGVSEB, Abschnitt 5.4.1 ADR). Dazu kommen Menge, Absender und Empfänger. In der Fahrerkabine liegen außerdem die schriftlichen Weisungen, die sagen, was bei einem Unfall zu tun ist (Abschnitt 5.4.3 ADR). Für kleine Mengen gibt es Erleichterungen.

Ein Datensatz, viele Papiere

Beispiel

Ein Kunde bestellt bei der Feldmark Antriebstechnik GmbH zehn Getriebe über EDI. Das ERP-System prüft die Verfügbarkeit, schickt eine Auftragsbestätigung und erzeugt den Kommissionierauftrag. Nach dem Verpacken druckt der Versand Lieferschein und Packstücketiketten mit Barcode, das System übermittelt die Sendungsdaten an die Spedition und schickt dem Kunden ein Lieferavis. Mit der Warenausgangsbuchung sinkt der Bestand, aus denselben Daten entsteht die E-Rechnung, und die Finanzbuchhaltung bucht die Forderung. Niemand tippt etwas ein zweites Mal.

Jede Stelle, an der Daten von Hand übertragen werden, ist ein Medienbruch: Sie kostet Zeit und ist eine Fehlerquelle.

Kapitel 17: Rahmenbedingungen der Logistik: Energie, Umwelt, Gefahrstoffe, Sicherheit, Lieferkette

Kapitel 17 von 17

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Logistik bewegt Güter mit Energie, erzeugt Verpackungsabfall, lagert manchmal gefährliche Stoffe und reicht über Lieferanten bis in andere Länder. Dafür gelten Regeln, und der Betrieb hat viele Möglichkeiten, über das Pflichtmaß hinaus besser zu werden.

Energie und Ressourcen

Transporte verbrauchen Kraftstoff oder Strom, Lager brauchen Licht, Wärme und Energie für Stapler und Fördertechnik. Weil auf fossile Kraftstoffe ein CO₂-Preis erhoben wird und die Lkw-Maut nach CO₂-Ausstoß gestaffelt ist, spart Effizienz auch Geld. Ansatzpunkte sind volle Fahrzeuge statt halb leerer, geplante Touren ohne Leerfahrten, die Bahn für lange Strecken, sparsame oder elektrische Fahrzeuge, LED-Licht mit Bewegungsmeldern, schnell schließende Hallentore und Photovoltaik auf dem Lagerdach.

Umwelt und Entsorgung

Mehrweg-Ladungsträger wie Paletten im Tausch oder faltbare Kunststoffboxen ersetzen Einwegverpackung. Transportverpackungen nehmen Hersteller und Vertreiber zurück und führen sie der Verwertung zu; die Regeln dazu stehen im Kapitel „Verpackung, Ladungssicherung & Zoll“. Abfälle im Lager werden nach Sorten getrennt, damit sie recycelt werden können.

Gefahrstoffe im Lager

Lacke, Öle, Reiniger oder Spraydosen sind oft Gefahrstoffe. Sie müssen gekennzeichnet sein (§ 8 Abs. 2 Nr. 2 GefStoffV), in verschließbaren Behältern lagern (§ 8 Abs. 4 GefStoffV) und übersichtlich geordnet so aufbewahrt werden, dass sie weder Menschen noch Umwelt gefährden; Behälter, die mit Lebensmitteln verwechselt werden können, sind verboten (§ 8 Abs. 5 GefStoffV). Wie welche Stoffe zusammen gelagert werden dürfen, regelt die Technische Regel TRGS 510. Die Beschäftigten erhalten eine Betriebsanweisung und werden mündlich unterwiesen (§ 14 Abs. 1 und 2 GefStoffV).

Sicherheit im Lager

Verkehrswege und Notausgänge bleiben frei, Regale werden nicht überladen, Ladung wird gesichert. Gabelstapler dürfen nur Beschäftigte fahren, die ausgebildet und vom Arbeitgeber schriftlich beauftragt sind (DGUV Vorschrift 68). Zur Sicherheit gehört auch der Schutz vor Diebstahl, etwa durch Zutrittskontrollen.

Sorgfaltspflichten in der Lieferkette

Unternehmen mit Sitz oder Zweigniederlassung in Deutschland und in der Regel mindestens 1.000 Arbeitnehmern im Inland müssen nach dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz menschenrechtliche und umweltbezogene Risiken bei sich und ihren Zulieferern ermitteln, vorbeugen und Verstöße abstellen, etwa mit Risikoanalyse, Präventionsmaßnahmen und einem Beschwerdeverfahren (§ 1 Abs. 1, § 3 Abs. 1 LkSG). Dazu zählen auch Logistikdienstleister.

Beispiel

Die Kuhlbrock Verpackungswerk GmbH hat rund 240 Beschäftigte und fällt nicht selbst unter das Gesetz. Ein großer Kunde verlangt aber, dass sie einen Verhaltenskodex für Lieferanten unterschreibt und nachweist, dass auch ihre Spedition faire Arbeitsbedingungen für die Fahrer bietet. So erreicht das Gesetz auch kleinere Betriebe.

Nachschlagen

Fachbegriffe und Formeln zum Nachschlagen, jeweils auf einer Seite.

Fachbegriffe aus diesem Lernfeld

Chaotische Lagerhaltung
Freiplatzsystem, bei dem eingehende Ware auf einen beliebigen freien, geeigneten Lagerplatz kommt. Ein Lagerverwaltungssystem speichert den Platz und gibt ihn bei der Auslagerung vor. Die Fläche wird besser genutzt als im Festplatzsystem, ohne funktionierende IT ist die Ware aber kaum zu finden.
Durchschnittsbewertung
Bewertungsvereinfachung für gleichartige Vorräte: Anfangsbestand und Zugänge werden mit ihren Mengen gewichtet, der Endbestand wird mit dem gewogenen Durchschnittspreis bewertet (§ 240 Abs. 4 i. V. m. § 256 Satz 2 HGB). Am Stichtag gilt zusätzlich das strenge Niederstwertprinzip.
Frachtbrief
Begleitpapier zum Frachtvertrag, das der Absender auf Verlangen des Frachtführers ausstellt und unterschreibt, in drei Ausfertigungen für Absender, Gut und Frachtführer (§ 408 HGB). Er nennt unter anderem Absender, Empfänger, Ablieferungsstelle sowie Art, Anzahl und Gewicht des Gutes. Haben Absender und Frachtführer ihn unterschrieben, beweist er Abschluss und Inhalt des Frachtvertrags und die Übernahme des Gutes, bis das Gegenteil bewiesen ist (§ 409 Abs. 1 HGB).
Frachtführer
Unternehmer, der sich im Frachtvertrag verpflichtet, ein Gut zum Bestimmungsort zu befördern und dort an den Empfänger abzuliefern; der Absender zahlt dafür die Fracht (§ 407 HGB). Er befördert selbst, etwa mit eigenen Lkw, und haftet für Verlust und Beschädigung von der Übernahme bis zur Ablieferung, in der Regel bis zu einem Höchstbetrag je Kilogramm (§§ 425, 431 HGB).
Fremdlager
Lager eines anderen Unternehmens, meist eines Logistikdienstleisters, in dem ein Betrieb seine Güter gegen Vergütung lagern lässt. Grundlage ist ein Lagervertrag (§ 467 HGB). Das Fremdlager verursacht fast nur mengenabhängige Kosten, das Eigenlager dagegen hohe fixe Kosten.
Gefahrgut
Stoffe und Gegenstände, die beim Transport wegen ihrer Beschaffenheit Menschen, Tiere, Sachen oder die öffentliche Sicherheit gefährden können (§ 2 Abs. 1 GGBefG), etwa Kraftstoffe, Gase oder Lithiumbatterien. Auf der Straße gelten dafür, auch innerhalb Deutschlands, die Regeln des internationalen Übereinkommens ADR (§ 1 GGVSEB): Das Gut wird eingestuft, vorschriftsmäßig verpackt und gekennzeichnet und in der Regel mit einem Beförderungspapier befördert. Davon zu unterscheiden sind Gefahrstoffe, also Stoffe, Gemische und Erzeugnisse mit gefährlichen Eigenschaften, für deren Einstufung und Kennzeichnung und für den Schutz der Beschäftigten beim Umgang damit die Gefahrstoffverordnung gilt (§§ 1, 2 GefStoffV); ein Stoff kann beides sein.
Just in Sequence
Belieferung, bei der variantenreiche Teile zum Bedarfszeitpunkt und zusätzlich in der Reihenfolge ans Band kommen, in der sie verbaut werden, etwa Sitze oder Planen in der Folge der montierten Fahrzeuge. Der Lieferant erhält dazu kurz vorher einen Sequenzabruf. Lager und Sortieren am Band entfallen, eine gestörte Lieferung hält die Montage aber sofort an.
Kommissionierung
Zusammenstellen von Artikeln aus dem Lager nach einem Auftrag, etwa einer Kundenbestellung oder einer Materialanforderung der Fertigung. Bei statischer Bereitstellung geht die Kommissionierkraft zur Ware („Person zur Ware“), bei dynamischer kommt die Ware zu ihr („Ware zur Person“). Einstufig wird jeder Auftrag einzeln gesammelt, zweistufig werden mehrere Aufträge gemeinsam entnommen und danach aufgeteilt.
Konsignationslager
Lager, in dem ein Lieferant Ware beim Kunden vorrätig hält. Die Ware bleibt bis zur Entnahme Eigentum des Lieferanten; der Kunde bezahlt nur, was er entnimmt, meist in einer monatlichen Abrechnung. Der Kunde stellt die Fläche, das Kapital für die Vorräte bindet der Lieferant.
Kundenauftragsentkopplungspunkt
Stelle in der Wertschöpfungskette, bis zu der ein Betrieb nach Prognose fertigt und lagert und ab der er erst nach einem Kundenauftrag weiterarbeitet; kurz Entkopplungspunkt. Davor gilt das Push-Prinzip, danach das Pull-Prinzip. Liegt er weit vorn, sind die Bestände klein und die Lieferzeiten lang, liegt er weit hinten, ist es umgekehrt.
Lieferschein
Begleitpapier einer Lieferung, das Lieferer, Empfänger, Lieferdatum, Bestellbezug sowie Artikel und Mengen nennt, meist ohne Preise. Der Empfänger prüft damit, ob Ware und Bestellung übereinstimmen, und bestätigt den Empfang. Im ERP-System entsteht er aus den Auftragsdaten und ist Grundlage für Warenausgangsbuchung und Rechnung.
Logistik
Planung, Steuerung und Durchführung der Material- und Warenflüsse samt Informationsflüssen, von der Beschaffung über die Produktion und den Absatz bis zur Entsorgung. Ziel sind die 6 R: das richtige Produkt in der richtigen Menge und Qualität zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu den richtigen Kosten. Teilbereiche sind Beschaffungslogistik, Produktionslogistik, Absatz- oder Distributionslogistik und Entsorgungslogistik.
Peitscheneffekt
Aufschaukeln von Nachfrageschwankungen entlang der Lieferkette (englisch Bullwhip-Effekt): Jede Stufe kennt nur die Bestellungen ihres direkten Kunden und bestellt vorsichtshalber mehr, sodass eine kleine Änderung beim Endkunden bei den Vorlieferanten als große Schwankung ankommt. Geteilte Absatzdaten und abgestimmte Planung im Supply-Chain-Management wirken dagegen.
Pull-Prinzip
Steuerungsprinzip, bei dem erst der tatsächliche Bedarf der nachfolgenden Stelle oder des Kunden Fertigung und Lieferung auslöst (Holprinzip), etwa mit Kanban oder Just-in-Time. Beim Push-Prinzip (Bringprinzip) wird dagegen nach Plan oder Prognose gefertigt und die Ware weitergegeben oder eingelagert. Pull senkt Bestände, verlangt aber verlässliche Abläufe und Lieferanten.
Rollgeld
Entgelt für die Abholung einer Sendung beim Versender und ihre Zustellung beim Empfänger mit dem Lkw, wenn die Hauptstrecke per Bahn oder in einer Sammelladung läuft (Vor- und Nachlauf). Rollgeld gehört wie die Fracht zu den Transportkosten; wer es trägt, regelt die Lieferbedingung.
Spediteur
Logistikdienstleister, der sich im Speditionsvertrag verpflichtet, die Versendung eines Gutes zu besorgen, also den Transport zu organisieren: Er wählt Beförderungsmittel und Weg, beauftragt Frachtführer, die das Gut selbst befördern (§ 407 HGB), und sichert Schadensersatzansprüche des Versenders (§§ 453, 454 HGB). Versicherung, Verpackung oder Verzollung schuldet er nur, wenn sie vereinbart sind. Befördert er selbst (Selbsteintritt), hat er dafür die Rechte und Pflichten eines Frachtführers (§ 458 HGB).
Supply-Chain-Management
Unternehmensübergreifende Steuerung der gesamten Lieferkette vom Rohstofflieferanten bis zum Endkunden. Die Partner tauschen Daten zu Bedarf, Beständen und Lieferterminen möglichst in Echtzeit aus und stimmen so Material- und Informationsfluss aufeinander ab. Ziele sind niedrige Bestände, kurze Lieferzeiten und eine hohe Lieferbereitschaft.
Transport, Umschlag und Lagerung (TUL)
Die drei logistischen Grundfunktionen: Der Transport überwindet Entfernungen, der Umschlag umfasst das Be-, Um- und Entladen beim Wechsel zwischen Transportmitteln oder zwischen Transport und Lager, und die Lagerung überbrückt die Zeit bis zum Bedarf. Die TUL-Prozesse werden so aufeinander abgestimmt, dass Güter ohne unnötige Wartezeiten und Umladevorgänge fließen.

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