Lernfeld 11: Geschäftsprozesse darstellen und optimieren
Lernfeld für Kaufleute für Büromanagement im 3. Ausbildungsjahr, nach dem Rahmenlehrplan der KMK.
- Kapitel
- 6
- Aufgaben
- 19
- Aufgaben-Generatoren
- 0
- Ausbildungsjahr
- 3
- Lernfeldstunden
- 40
Kapitel 1: Prozesse verstehen: Kern, Unterstützung, Führung
Ein Betrieb ist ein Bündel von Prozessen – wer sie kennt, kann sie verbessern.
Was ist ein Geschäftsprozess?
- Eine Folge zusammenhängender Tätigkeiten, die aus einem Input (Auslöser, Informationen, Material) einen Output mit Wert für einen Kunden erzeugt – mit definiertem Anfang und Ende.
- Beispiel Büro: „Auftrag abwickeln“ – vom Bestelleingang bis zur bezahlten Rechnung.
Prozessarten
- Kernprozesse: schaffen direkten Kundennutzen (Auftragsabwicklung, Leistungserstellung, Vertrieb).
- Unterstützungsprozesse: halten die Kernprozesse am Laufen (z. B. Personal, Buchhaltung, IT). Welche Prozesse Kernprozesse sind, hängt vom Betrieb ab: Im Handel gehört der Wareneinkauf dazu, in einer Behörde die Leistung für die Bürgerinnen und Bürger.
- Führungsprozesse: steuern das Ganze (Planung, Zielsetzung, Controlling).
Rollen & Schnittstellen
- Jeder Prozess braucht einen Prozessverantwortlichen; an Schnittstellen zwischen Abteilungen entstehen die meisten Fehler und Wartezeiten – hier lohnt die Analyse zuerst.
Merke: Kernprozesse schaffen den Nutzen für die Kunden, Unterstützungsprozesse ermöglichen sie, Führungsprozesse steuern das Ganze.
Kapitel 2: Prozesse darstellen: Flussdiagramm & EPK
Was man zeichnen kann, kann man diskutieren – Prozessdarstellungen machen Abläufe für alle sichtbar.
Das Flussdiagramm (Ablaufdiagramm)
- Symbole: Oval = Start/Ende, Rechteck = Tätigkeit, Raute = Entscheidung (Ja/Nein), Pfeile = Ablaufrichtung.
- Beispiel „Eingangsrechnung prüfen“: Rechnung eingegangen → Pflichtangaben prüfen → Raute „vollständig?“ – Nein: berichtigte Rechnung anfordern (§ 31 Abs. 5 UStDV), danach erneut prüfen; Ja: mit Bestellung und Lieferschein abgleichen (sachlich) und nachrechnen (rechnerisch) → Raute „korrekt?“ – Nein: Abweichung mit dem Lieferer klären (z. B. Gutschrift oder berichtigte Rechnung anfordern), danach erneut prüfen; Ja: zur Zahlung freigeben → Ende. Jeder Nein-Pfad führt so in die Prüfung zurück, kein Pfad endet offen.
Die ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK)
- Wechsel von Ereignis (Zustand, Sechseck: „Rechnung ist eingegangen“) und Funktion (Tätigkeit, Rechteck mit abgerundeten Ecken: „Rechnung prüfen“); Konnektoren stehen in kleinen Kreisen.
- Die erweiterte EPK zeigt zusätzlich, wer eine Funktion ausführt (Organisationseinheit, Ellipse mit senkrechtem Strich) und welche Informationen sie braucht (Informationsobjekt, Rechteck).
- Konnektoren: XOR (genau ein Pfad), UND (alle Pfade), ODER (mindestens ein Pfad).
- Regeln: Eine EPK beginnt und endet mit einem Ereignis; Ereignis und Funktion wechseln sich ab; nach einem Ereignis darf nicht mit XOR oder ODER verzweigt werden, weil ein Ereignis nichts entscheidet (UND ist erlaubt).
Wozu Darstellung?
- Einarbeitung neuer Kolleginnen und Kollegen, gemeinsame Diskussionsgrundlage und Grundlage für Handbücher, Verfahrensanweisungen und digitale Leitfäden; in einem Qualitätsmanagementsystem (z. B. nach ISO 9001) dienen sie als dokumentierte Information.
Merke: Raute = Entscheidung im Flussdiagramm; in der EPK wechseln sich Ereignis und Funktion ab.
Kapitel 3: Schwachstellen finden: Analyse & Kennzahlen
Optimieren beginnt mit ehrlicher Ist-Aufnahme – gemessen, nicht gefühlt.
Ist-Analyse
- Zuerst wird der Ist-Zustand erhoben (Ist-Aufnahme): Interview (die Mitarbeitenden kennen die Umwege), Fragebogen, Beobachtung (z. B. Dauerbeobachtung, Multimomentaufnahme), Selbstaufschreibung und Auswertung vorhandener Unterlagen (Bearbeitungszeiten, Fehlerlisten, Beschwerden aus Lernfeld 7).
- Danach werden die Daten ausgewertet und Schwachstellen bestimmt (Ist-Analyse im engeren Sinn; oft steht „Ist-Analyse“ auch für beide Schritte zusammen).
- Vorgehen: Ist-Aufnahme → Ist-Analyse (Schwachstellen) → Soll-Konzept → Einführung nach Testphase → Kontrolle. Die laufende Verbesserung folgt dem PDCA-Zyklus (nächstes Kapitel).
Typische Schwachstellen im Büro
- Medienbrüche: Papier → Abtippen → System (fehleranfällig, langsam).
- Doppelarbeit und unklare Zuständigkeiten an Schnittstellen, lange Liegezeiten durch Genehmigungsschleifen, fehlende Standards.
Prozesskennzahlen
- Durchlaufzeit = Bearbeitungszeit + Liegezeit + Transportzeit – oft ist die Liegezeit der größte Block.
- Fehlerquote (z. B. Anteil zurückgewiesener Rechnungen), Termintreue, Kosten je Vorgang.
- Beispiel: Durchlaufzeit Rechnungsfreigabe 6 Tage, davon 30 Minuten echte Bearbeitung → Ansatzpunkt sind die Liegezeiten, nicht die Sachbearbeitung.
Merke: Durchlaufzeit schlägt Bearbeitungszeit – gejagt werden Liegezeiten und Medienbrüche.
Kapitel 4: Prozesse verbessern: KVP, PDCA & Digitalisierung
Optimierung ist kein Projekt mit Enddatum, sondern eine Haltung: jeden Tag ein Stück besser.
Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP)
- Viele kleine Verbesserungen, die das Team laufend im eigenen Arbeitsbereich erarbeitet und schnell umsetzt, statt seltener Großreformen.
- Davon zu unterscheiden ist das betriebliche Vorschlagswesen: Einzelne reichen Vorschläge ein, die nach festen Regeln bewertet und meist prämiert werden; die Grundsätze bestimmt ein bestehender Betriebsrat mit (§ 87 Abs. 1 Nr. 12 BetrVG), in Behörden der Personalrat.
Der PDCA-Zyklus
- Plan: Problem und Ursache analysieren, Maßnahme planen (mit messbarem Ziel).
- Do: im kleinen Rahmen umsetzen/testen.
- Check: Wirkung an den Kennzahlen prüfen (Soll-Ist).
- Act: Erfolgreiches zum Standard machen – und den Zyklus neu starten.
Digitalisierung als Hebel
- Dokumentenmanagement und digitale Workflows ersetzen Papier-Umläufe; automatische Prüfungen und Erinnerungen verkürzen Liegezeiten.
- Zwischen Unternehmen im Inland ist die E-Rechnung (strukturiertes Format, z. B. XRechnung oder ZUGFeRD, bei ZUGFeRD aber nicht in den Profilen MINIMUM und BASIC-WL; siehe Lernfeld 3) Pflicht. Empfangen können muss sie jedes Unternehmen seit 2025. Papierrechnungen oder, mit Zustimmung des Empfängers, PDF-Rechnungen sind nur noch übergangsweise erlaubt: für Umsätze bis Ende 2026, wenn die Rechnung bis Ende 2026 übermittelt wird, bei Ausstellern mit höchstens 800.000 Euro Vorjahresumsatz auch für Umsätze aus 2027 bei Übermittlung bis Ende 2027. Ausnahmen bleiben, z. B. Kleinbetragsrechnungen bis 250 Euro und Fahrausweise. Ein Scan oder eine reine PDF-Datei ohne strukturierten Datensatz ist keine E-Rechnung. E-Rechnungen lassen sich ohne Abtippen maschinell einlesen und vorprüfen.
- Vor der Automatisierung den Prozess entrümpeln – ein schlechter Prozess wird digital nur schneller schlecht.
- Menschen mitnehmen: informieren, schulen, Feedback einholen – sonst scheitert die beste Lösung.
- Beteiligung klären: Besteht ein Betriebsrat, ist er bei der Planung neuer technischer Anlagen und Arbeitsabläufe rechtzeitig zu unterrichten und zu beraten (§ 90 BetrVG). Systeme, die Leistung oder Verhalten der Beschäftigten überwachen können (z. B. Workflow-Protokolle mit Namen), dürfen nur mit seiner Zustimmung eingeführt werden; ohne Einigung entscheidet die Einigungsstelle (§ 87 Abs. 1 Nr. 6 und Abs. 2 BetrVG). In Behörden hat der Personalrat entsprechende Rechte (Bund: § 80 Abs. 1 Nr. 19 bis 21 BPersVG).
Merke: Erst vereinfachen, dann digitalisieren – und mit PDCA wird jede Änderung überprüfbar.
Kapitel 5: Aufbauorganisation: Stellen bilden und Leitungssysteme vergleichen
Die Aufbauorganisation legt fest, welche Aufgaben ein Betrieb hat, wer sie erledigt und wer wem Weisungen erteilen darf. Sie ist das feste Gerüst, in dem die tägliche Arbeit stattfindet. Die Ablauforganisation regelt dagegen, in welcher Reihenfolge, wann und wo die Arbeitsschritte eines Vorgangs erledigt werden. Um sie geht es in den übrigen Kapiteln dieses Lernfelds.
Von der Gesamtaufgabe zur Stelle
Am Anfang steht die Gesamtaufgabe des Betriebs, bei einem Bürodienstleister etwa „Büro- und Verwaltungsarbeiten für Kunden erledigen“. Daraus entsteht die Aufbauorganisation in drei Schritten.
- Aufgabenanalyse: Die Gesamtaufgabe wird schrittweise in Teilaufgaben zerlegt. Man gliedert nach der Verrichtung, also danach, was getan wird (Rechnungen schreiben, Post bearbeiten, Termine planen), oder nach dem Objekt, also danach, woran oder für wen gearbeitet wird (Kundengruppen, Produkte, Regionen). Außerdem wird unterschieden, ob eine Teilaufgabe entscheidet oder ausführt und ob sie plant, durchführt oder kontrolliert.
- Aufgabensynthese: Die Teilaufgaben werden zu Stellen gebündelt, die Stellen zu Abteilungen unter einer Leitung zusammengefasst. Dabei wird auch festgelegt, wer wem Weisungen erteilt, also das Leitungssystem.
- Dokumentation: Das Ergebnis wird im Organigramm und in Stellenbeschreibungen festgehalten.
Stelle, Instanz und Abteilung
- Die Stelle ist die kleinste organisatorische Einheit: ein Aufgabenbereich, der auf eine gedachte Person zugeschnitten ist. Sie besteht auch dann, wenn sie gerade nicht besetzt ist.
- Eine Instanz ist eine Stelle mit Leitungsaufgaben. Sie darf den ihr unterstellten Stellen Weisungen erteilen und trägt die Verantwortung für deren Arbeit. Jede Instanz ist also eine Stelle, aber nicht jede Stelle ist eine Instanz.
- Ausführende Stellen erledigen Sachaufgaben und erhalten Weisungen.
- Stabsstellen beraten eine Instanz und bereiten ihre Entscheidungen fachlich vor. Weisungen erteilen dürfen sie nicht.
- Eine Abteilung fasst mehrere Stellen unter einer Instanz zusammen, etwa die Abteilung Buchhaltung unter ihrer Leitung.
Gleichrangige Abteilungen erteilen sich gegenseitig keine Weisungen. Müssen sie etwas klären, stimmen sie sich ab oder wenden sich an die gemeinsame übergeordnete Instanz.
Leitungsspanne und Gliederungstiefe
Die Leitungsspanne ist die Zahl der Stellen, die einer Instanz direkt unterstellt sind. Die Gliederungstiefe ist die Zahl der Ebenen von der obersten Leitung bis zu den ausführenden Stellen. Beides hängt zusammen: Je kleiner die Leitungsspanne, desto mehr Ebenen braucht ein Betrieb mit gleich vielen Stellen und desto länger wird der Dienstweg, auf dem Anweisungen nach unten und Meldungen nach oben Stufe für Stufe weitergegeben werden.
Ein Betrieb hat 64 ausführende Stellen. Bei einer Leitungsspanne von 8 genügen 8 Gruppenleitungen unter einer Geschäftsführung, das sind 3 Ebenen. Bei einer Leitungsspanne von 4 braucht er 16 Gruppenleitungen, darüber 4 Abteilungsleitungen und die Geschäftsführung, das sind 4 Ebenen. Die kleinere Spanne entlastet die einzelne Instanz, verlängert aber den Dienstweg.
Leitungssysteme und Organisationsformen im Vergleich
Das Leitungssystem bestimmt, auf welchen Wegen Weisungen erteilt werden. Davon zu unterscheiden ist, wonach die Ebene unter der Leitung gegliedert ist: nach Verrichtungen wie Einkauf, Verwaltung und Vertrieb (funktionale Organisation) oder nach Objekten (Spartenorganisation).
- Einliniensystem: Jede Stelle erhält Weisungen von genau einer Instanz. Die Zuständigkeiten sind eindeutig. Dafür sind die Dienstwege lang, und die oberen Instanzen werden stark belastet, weil vieles über sie läuft.
- Mehrliniensystem: Eine Stelle erhält Weisungen von mehreren spezialisierten Instanzen, jede für ihr Fachgebiet. Die Wege sind kurz, und das Fachwissen der Vorgesetzten wird genutzt. Weisungen können sich aber widersprechen, und die Verantwortung ist schwer zuzuordnen.
- Stabliniensystem: ein Einliniensystem, in dem Stabsstellen einzelne Instanzen beraten, etwa ein Controlling oder eine Rechtsabteilung. Die Instanzen werden fachlich entlastet, die eindeutigen Weisungswege bleiben. Spannungen entstehen, wenn ein Stab viel Einfluss hat, aber keine Verantwortung trägt.
- Spartenorganisation (divisionale Organisation): kein eigenes Leitungssystem, sondern eine Gliederung der Ebene unter der Unternehmensleitung nach Objekten, etwa nach Produktgruppen, Kundengruppen oder Regionen. Jede Sparte hat eigene Funktionsbereiche und arbeitet weitgehend selbstständig, oft mit eigener Erfolgsrechnung. Das bringt Nähe zum Markt und entlastet die Unternehmensleitung, kostet aber mehr, weil gleiche Aufgaben in jeder Sparte vorkommen. Innerhalb der Sparten gilt meist ein Ein- oder Stabliniensystem.
- Matrixorganisation: Zwei Gliederungen überlagern sich, meist Funktionen wie Rechnungswesen oder Kundenservice und Produkte oder Projekte. Wer im Schnittpunkt arbeitet, hat zwei weisungsberechtigte Vorgesetzte; die Matrix ist also eine Form des Mehrliniensystems. Fachwissen und Produkt- oder Projektsicht werden verbunden, und Abstimmungen laufen direkt statt über die Spitze. Dafür entstehen leicht Konflikte zwischen den beiden Leitungen. Üblich ist deshalb eine klare Abgrenzung: Die Produkt- oder Projektleitung bestimmt, was bis wann zu erledigen ist, die Fachleitung, wie und durch wen es erledigt wird. Was beide nicht gemeinsam lösen, entscheidet die übergeordnete Instanz.
| Leitungssystem oder Organisationsform | Weisungen erhält eine Stelle von | Passt eher, wenn … |
|---|---|---|
| Einliniensystem | genau einer Instanz | der Betrieb klein und übersichtlich ist |
| Mehrliniensystem | mehreren Fachinstanzen | Spezialwissen der Vorgesetzten wichtiger ist als einheitliche Weisungen |
| Stabliniensystem | genau einer Instanz, die von Stäben beraten wird | die Leitung fachliche Unterstützung braucht |
| Spartenorganisation | der vorgesetzten Instanz in der eigenen Sparte | Produkte, Kunden oder Regionen sehr verschieden sind |
| Matrixorganisation | der Fachleitung und der Produkt- oder Projektleitung | viele bereichsübergreifende Produkte oder Projekte laufen |
Zentralisation und Dezentralisation
Zentralisation fasst gleichartige Teilaufgaben in einer Stelle oder Abteilung zusammen, etwa die gesamte Eingangspost in einer Poststelle. Dezentralisation verteilt sie auf mehrere Stellen, etwa wenn jede Abteilung ihre Post selbst bearbeitet. Bei Entscheidungen bedeutet Zentralisation, dass die Leitung selbst entscheidet; bei Dezentralisation werden Entscheidungen an untere Instanzen übertragen (Delegation). Zentralisation sorgt für ein einheitliches Vorgehen und vermeidet Doppelarbeit. Dezentralisation ermöglicht schnellere Entscheidungen nahe an der Aufgabe und entlastet die Leitung.
Dokumentation: Organigramm und Stellenbeschreibung
- Das Organigramm zeigt die Aufbauorganisation als Schaubild: Stellen und Abteilungen als Kästchen, Weisungswege als Linien. Stabsstellen werden meist seitlich an die Instanz angehängt, die sie beraten.
- Die Stellenbeschreibung hält für eine Stelle schriftlich fest: Bezeichnung, Einordnung (welcher Instanz sie unterstellt ist und welche Stellen ihr unterstellt sind), Ziele und Aufgaben, Befugnisse, Vertretung und Anforderungen an die Person, die sie besetzt. Sie hilft bei der Einarbeitung, bei Stellenausschreibungen und wenn Zuständigkeiten strittig sind.
Kapitel 6: Qualität sichern: Handbuch, Verfahrensanweisung und Kundenzufriedenheit
Qualität heißt, dass eine Leistung die Anforderungen der Kunden zuverlässig erfüllt, und zwar jedes Mal, gleich wer sie erbringt. Das gelingt nur, wenn alle wissen, wie ein Ablauf richtig geht, und wenn der Betrieb merkt, wo es hakt. Das Büro trägt dazu viel bei: Es schreibt Abläufe auf, hält die Unterlagen aktuell und wertet Rückmeldungen von Kunden aus.
Handbuch, Verfahrensanweisung, Arbeitsanweisung
Ein Qualitätsmanagementsystem wird in Dokumenten mit unterschiedlicher Reichweite beschrieben:
| Dokument | Inhalt | Beispiel |
|---|---|---|
| Qualitätsmanagementhandbuch | Überblick über das ganze System: Qualitätspolitik und -ziele, Aufbau des Betriebs, Prozesse und Verweise auf weitere Dokumente | Handbuch der Quellmann Dokumentenservice GmbH |
| Verfahrensanweisung | ein Prozess über mehrere Stellen hinweg: wer was wann in welcher Reihenfolge erledigt | Reklamationen bearbeiten |
| Arbeitsanweisung | eine einzelne Tätigkeit an einem Arbeitsplatz, Schritt für Schritt | Scanner kalibrieren |
| Formular, Checkliste | Nachweis, dass ein Schritt erledigt wurde | ausgefüllte Prüfliste nach dem Scan |
Die Norm DIN EN ISO 9001 verlangt (Stand 2026; auch die 2026 veröffentlichte Neufassung bleibt dabei) kein Handbuch mehr, sondern spricht allgemein von dokumentierter Information. Viele Betriebe führen das Handbuch trotzdem, weil es neuen Beschäftigten und Kunden einen schnellen Überblick gibt.
Gliederung der Verfahrensanweisung „Reklamationen bearbeiten“ bei Quellmann:
- Zweck: Reklamationen schnell und einheitlich klären, Ursachen abstellen.
- Geltungsbereich: alle Reklamationen von Kunden zu Scan- und Archivaufträgen.
- Zuständigkeiten: Kundenservice nimmt auf, Teamleitung Scan prüft, Geschäftsführung entscheidet über Gutschriften über 500 €.
- Ablauf: Reklamation im Ticketsystem erfassen, Eingang innerhalb eines Arbeitstags bestätigen, Ursache prüfen, Lösung mit dem Kunden abstimmen, Ursache und Maßnahme festhalten.
- Mitgeltende Unterlagen: Reklamationsformular, Arbeitsanweisung Nachscan.
- Nachweise: Ticket mit Abschlussvermerk, monatliche Reklamationsliste.
Damit nur gültige Fassungen benutzt werden, trägt jedes Dokument eine Versionsnummer, ein Datum und den Namen der Person, die es freigegeben hat. Alte Fassungen werden zurückgezogen und gekennzeichnet. Diese Lenkung der Dokumente übernimmt oft das Büro.
Kundenzufriedenheit messen und verbessern
Ob die Qualität stimmt, zeigt sich beim Kunden. Gemessen wird sie mit kurzen Befragungen nach Abschluss eines Auftrags, mit Kennzahlen wie Reklamationsquote, Termintreue oder Anteil der Stammkunden und mit der Auswertung von Beschwerden. Wichtig ist, dass aus den Zahlen etwas folgt: Steigt die Reklamationsquote, sucht der Betrieb die Ursache, ändert den Ablauf und passt die Verfahrensanweisung an. Das ist der PDCA-Zyklus aus dem Kapitel zur Prozessverbesserung, angewendet auf die Qualität.
Merke: Das Handbuch gibt den Überblick, die Verfahrensanweisung regelt einen Prozess über Abteilungsgrenzen hinweg, die Arbeitsanweisung eine einzelne Tätigkeit. Kundenrückmeldungen zeigen, wo nachgebessert werden muss.
Nachschlagen
Fachbegriffe und Formeln zum Nachschlagen, jeweils auf einer Seite.
Fachbegriffe aus diesem Lernfeld
- Durchlaufzeit
- Zeitspanne vom Beginn bis zum Abschluss eines Vorgangs oder Auftrags (z. B. vom Rechnungseingang bis zur Zahlungsfreigabe); besteht aus Bearbeitungs-, Transport- und Liegezeit, in der Fertigung zusätzlich Rüstzeit.
- Einliniensystem
- Leitungssystem, in dem jede Stelle Weisungen nur von genau einer übergeordneten Stelle (Instanz) erhält; Anweisungen und Meldungen laufen über den Dienstweg. Vorteile sind klare Zuständigkeiten und eindeutige Verantwortung, Nachteile lange Informationswege und eine starke Belastung der oberen Instanzen.
- Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK)
- Grafische Methode, mit der ein Geschäftsprozess als Folge von Ereignissen und Funktionen dargestellt wird. Ereignisse (Sechsecke) beschreiben einen eingetretenen Zustand, Funktionen (Rechtecke mit abgerundeten Ecken) eine Tätigkeit; beide wechseln sich ab, und Verknüpfungen (UND, ODER, exklusives ODER) bilden Verzweigungen. Eine EPK beginnt und endet mit einem Ereignis und lässt sich um Organisationseinheiten und Informationsobjekte zur erweiterten EPK (eEPK) ergänzen.
- Instanz
- Stelle mit Leitungsaufgaben, die den ihr unterstellten Stellen Weisungen erteilen darf und für deren Arbeit verantwortlich ist.
- Kernprozess
- Geschäftsprozess, der unmittelbar Nutzen für die Kundschaft stiftet und zum eigentlichen Geschäft des Unternehmens gehört, etwa Auftragsabwicklung, Leistungserstellung oder Verkauf. Unterstützungsprozesse (Supportprozesse) wie Personalwesen, IT oder Buchhaltung schaffen keinen direkten Kundennutzen, sind aber Voraussetzung dafür, dass die Kernprozesse laufen.
- Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP)
- Ansatz, Abläufe, Produkte und Qualität in vielen kleinen Schritten ständig zu verbessern, statt nur auf große Neuerungen zu setzen. Die Vorschläge kommen vor allem von den Beschäftigten, die ihre Abläufe am besten kennen; umgesetzt wird oft nach dem PDCA-Zyklus (planen, umsetzen, prüfen, handeln). Gleichbedeutend wird häufig der japanische Begriff Kaizen verwendet.
- Leitungsspanne
- Zahl der Stellen, die einer Instanz direkt unterstellt sind. Bei gleich vielen Stellen ergibt eine kleinere Spanne mehr Ebenen.
- Matrixorganisation
- Organisationsform, in der sich zwei Gliederungen überlagern, meist Funktionen und Produkte oder Projekte. Wer im Schnittpunkt arbeitet, hat zwei weisungsberechtigte Vorgesetzte; die Matrix ist eine Form des Mehrliniensystems.
- Medienbruch
- Wechsel des Mediums innerhalb eines Ablaufs, zum Beispiel vom elektronischen Dokument aufs Papier oder vom Papier ins IT-System. Die Daten lassen sich dann nicht durchgängig elektronisch weiterverarbeiten, sondern müssen erneut erfasst werden. Medienbrüche kosten Zeit, verursachen Übertragungsfehler und sind typische Ansatzpunkte für die Digitalisierung von Geschäftsprozessen.
- Organigramm
- Grafische Darstellung der Aufbauorganisation eines Unternehmens mit seinen Stellen, Abteilungen und Instanzen. Die Verbindungslinien zeigen die Weisungs- und Berichtswege, sodass man erkennt, wer wem unterstellt ist und welches Leitungssystem gilt.
- Qualitätsmanagement
- Alle geplanten Maßnahmen, mit denen ein Unternehmen die Qualität seiner Produkte und Abläufe festlegt, sichert, prüft und laufend verbessert, etwa Qualitätsziele, klare Zuständigkeiten, Verfahrensanweisungen, Kontrollen und die Auswertung von Kundenrückmeldungen. Ein Qualitätsmanagementsystem kann nach der Norm DIN EN ISO 9001 von einer unabhängigen Stelle zertifiziert werden.
- Spartenorganisation
- Organisationsform, bei der unter der Unternehmensleitung nach Objekten gegliedert wird, etwa nach Produktgruppen, Kundengruppen oder Regionen. Jede Sparte hat eigene Funktionsbereiche und arbeitet weitgehend selbstständig; auch divisionale Organisation genannt.
- Stabliniensystem
- Einliniensystem, in dem Instanzen zusätzlich von Stabsstellen unterstützt werden, zum Beispiel von der Rechtsabteilung, dem Controlling oder einer Assistenz der Geschäftsleitung. Stabsstellen beraten und bereiten Entscheidungen fachlich vor, dürfen den Linienstellen aber keine Weisungen erteilen.