Lernfeld 10: Wertschöpfungsprozesse erfolgsorientiert steuern
Lernfeld für Kaufleute für Büromanagement im 3. Ausbildungsjahr, nach dem Rahmenlehrplan der KMK.
- Kapitel
- 11
- Aufgaben
- 33
- Aufgaben-Generatoren
- 14
- Ausbildungsjahr
- 3
- Lernfeldstunden
- 80
Kapitel 1: Von der Buchführung zur KLR: kalkulatorische Kosten
Die Buchführung schaut nach außen (Gesetz), die Kosten- und Leistungsrechnung nach innen (Steuerung) – dazwischen liegt die Abgrenzung.
Aufwand ist nicht gleich Kosten
- Neutraler Aufwand gehört nicht in die KLR: betriebsfremd (Spende), außerordentlich (Brandschaden), periodenfremd (Steuernachzahlung).
- Kalkulatorische Kosten stehen nur in der KLR. Anderskosten ersetzen einen Aufwand in anderer Höhe: kalkulatorische Abschreibung (vom Wiederbeschaffungswert) statt bilanzieller AfA, kalkulatorische Zinsen statt Fremdkapitalzinsen, kalkulatorische Wagnisse statt tatsächlicher Verluste.
- Zusatzkosten haben keinen Aufwand: kalkulatorischer Unternehmerlohn (nur bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften, deren tätige Inhaber kein Gehalt beziehen), kalkulatorische Miete (für betrieblich genutzte Räume aus dem Privatvermögen des Inhabers), Zinsen auf das Eigenkapital.
Die Ergebnistabelle (Grundidee)
- Sie trennt das Gesamtergebnis der Buchführung in das Ergebnis des Abgrenzungsbereichs und das Betriebsergebnis. Der Abgrenzungsbereich hat zwei Teile: die unternehmensbezogene Abgrenzung (neutrale Erträge und Aufwendungen) und die kostenrechnerischen Korrekturen (Unterschied zwischen kalkulatorischen Kosten und dem Aufwand der Buchführung).
- Mini-Beispiel: Gesamtergebnis 50.000 €; darin neutraler Ertrag 10.000 € und neutraler Aufwand 4.000 €; zusätzlich kalkulatorischer Unternehmerlohn 6.000 € (Zusatzkosten) → Betriebsergebnis = 50.000 − 10.000 + 4.000 − 6.000 = 38.000 €. Probe: unternehmensbezogene Abgrenzung 10.000 − 4.000 = 6.000 €, kostenrechnerische Korrektur 6.000 € (Unternehmerlohn verrechnet, kein Aufwand), Betriebsergebnis 38.000 €; zusammen 50.000 € = Gesamtergebnis.
- Bei Anderskosten zählt nur der Unterschied: Kalkulatorische Abschreibung 24.000 € statt bilanzieller AfA 20.000 € senkt das Betriebsergebnis um 4.000 €; um denselben Betrag steigt das Ergebnis der kostenrechnerischen Korrekturen, das Gesamtergebnis bleibt gleich.
Wozu das Ganze?
- Nur das Betriebsergebnis zeigt, ob das eigentliche Geschäft rentabel ist – und liefert die Basis für Preise (Kalkulation) und Entscheidungen.
Merke: Neutrales raus, Kalkulatorisches rein – dann wird aus dem Gesamtergebnis das Betriebsergebnis, mit dem der Betrieb gesteuert wird.
Kapitel 2: Kostenarten, Kostenstellen, Kostenträger
Drei Fragen ordnen jede Kostenrechnung: Welche Kosten? Wo entstanden? Wofür?
Der Dreiklang
- Kostenartenrechnung: Welche Kosten fallen an? (Material, Personal, Miete, Abschreibungen …)
- Kostenstellenrechnung: Wo entstehen sie? (Material, Fertigung/Leistungserstellung, Verwaltung, Vertrieb) – Werkzeug: der BAB.
- Kostenträgerrechnung: Wofür? (Produkt, Auftrag, Dienstleistung) – Werkzeug: die Kalkulation.
Einzel- und Gemeinkosten
- Einzelkosten sind dem Auftrag direkt zurechenbar (Materialeinzelkosten, Fertigungslöhne).
- Gemeinkosten nur indirekt (Miete, Gehälter der Verwaltung, Energie) – sie werden über den BAB auf die Kostenstellen und von dort mit Zuschlagssätzen auf die Kostenträger verteilt.
Fixe und variable Kosten
- Fixkosten bleiben in ihrer Summe bei Beschäftigungsschwankungen innerhalb der Kapazität gleich (Miete, Gehälter); je Stück sinken sie mit steigender Menge (Fixkostendegression, Gesetz der Massenproduktion). Variable Kosten wachsen mit der Menge (Material).
- Diese Trennung braucht die Deckungsbeitragsrechnung (Kapitel 10.6).
Merke: Einzelkosten direkt auf den Auftrag, Gemeinkosten über den BAB – und fix/variabel entscheidet die Menge.
Kapitel 3: Der Betriebsabrechnungsbogen (BAB)
Der BAB verteilt die Gemeinkosten auf die Kostenstellen und liefert die Zuschlagssätze für die Kalkulation.
So funktioniert der BAB
- Zeilen: die Gemeinkostenarten (Miete, Energie, Gehälter …). Spalten: die Kostenstellen Material, Fertigung, Verwaltung, Vertrieb.
- Verteilung nach Schlüsseln: Miete nach m², Energie nach Verbrauch, Gehälter nach Zuordnung.
Zuschlagssätze berechnen (Beispiel)
- Materialgemeinkosten 9.000 € / Materialeinzelkosten 60.000 € × 100 = MGK-Zuschlag 15 %.
- Fertigungsgemeinkosten 50.000 € / Fertigungslöhne 40.000 € × 100 = FGK-Zuschlag 125 %.
- Verwaltungsgemeinkosten 12.720 € / Herstellkosten 159.000 € (60.000 + 9.000 + 40.000 + 50.000; keine Bestandsveränderungen) × 100 = VwGK 8 %; Vertriebsgemeinkosten 9.540 € / 159.000 € × 100 = VtGK 6 %.
Wichtig für die Prüfung
- Bezugsgrößen merken: MGK auf MEK, FGK auf Fertigungslöhne, VwGK und VtGK auf die Herstellkosten (des Umsatzes).
- Die Sätze aus dem BAB wandern direkt in die Zuschlagskalkulation (nächstes Kapitel).
Merke: Zuschlagssatz = Gemeinkosten / Bezugsgröße × 100 – im einfachen BAB mit festen Bezugsgrößen: MEK, Fertigungslöhne, Herstellkosten (des Umsatzes).
Kapitel 4: Zuschlagskalkulation: von den Einzelkosten zum Listenpreis
Die Königsdisziplin: aus Kosten einen Angebotspreis machen – Schritt für Schritt durchgerechnet.
Das Schema mit Beispiel
- Materialeinzelkosten 8.000,00 € + 15 % MGK (1.200,00) = Materialkosten 9.200,00 €.
- Fertigungslöhne 6.000,00 € + 125 % FGK (7.500,00) = Fertigungskosten 13.500,00 €.
- Herstellkosten 22.700,00 €.
- + 8 % VwGK (1.816,00) + 6 % VtGK (1.362,00) = Selbstkosten 25.878,00 €.
- + 12 % Gewinn (3.105,36) = Barverkaufspreis 28.983,36 €.
- ÷ 0,97 (3 % Kundenskonto) = Zielverkaufspreis 29.879,75 €.
- ÷ 0,88 (12 % Kundenrabatt) = Listenverkaufspreis 33.954,26 € (netto; Umsatzsteuer kommt obendrauf).
Die zwei Stolperfallen
- Gewinn wird „vom Hundert“ aufgeschlagen (× 1,12) – Skonto und Rabatt aber „im Hundert“ herausgerechnet (÷ 0,97 bzw. ÷ 0,88), weil sie Prozentsätze vom späteren Verkaufspreis sind.
- Reihenfolge einhalten: Vorwärts wird zuerst der Skonto und danach der Rabatt eingerechnet (÷ 0,97, dann ÷ 0,88). Rückwärts ist es umgekehrt: erst den Rabatt, dann den Skonto abziehen.
Merke: MEK → HK → SK → +Gewinn → ÷(1−Skonto) → ÷(1−Rabatt) = Listenpreis.
Kapitel 5: Vorwärts, rückwärts, Differenz: Welche Kalkulation wann?
Dasselbe Schema, drei Richtungen – je nachdem, was der Markt vorgibt.
Vorwärtskalkulation
- Von den Selbstkosten zum Listenpreis (wie im vorigen Kapitel) – wenn der Betrieb den Preis setzen kann.
Rückwärtskalkulation
- Der Marktpreis steht fest – gesucht: Was dürfen die Selbstkosten höchstens betragen?
- Beispiel: Marktpreis (Listenpreis) 33.954,26 € − 12 % Rabatt (4.074,51) = 29.879,75 € − 3 % Skonto (896,39) = 28.983,36 € − Gewinnanteil = zulässige Selbstkosten 25.878,00 €.
- Achtung Richtungswechsel: Rückwärts werden Rabatt und Skonto „vom Hundert“ abgezogen (× 0,88 bzw. × 0,97), der Gewinn dagegen „auf Hundert“ herausgerechnet (÷ 1,12), weil er als Zuschlag auf die Selbstkosten gerechnet wurde.
Differenzkalkulation
- Marktpreis und Selbstkosten stehen fest – gesucht ist der verbleibende Gewinn: Listenverkaufspreis − Rabatt = Zielverkaufspreis − Skonto = Barverkaufspreis; Barverkaufspreis − Selbstkosten = Gewinn in €; Gewinn ÷ Selbstkosten × 100 = Gewinn in %.
- Ergebnis kann auch ein Verlust sein – dann heißt es: Kosten senken oder Auftrag ablehnen (bzw. Deckungsbeitrag prüfen, Kapitel 10.6).
Merke: Vorwärts sucht den Preis, rückwärts die erlaubten Kosten, die Differenz den Gewinn.
Kapitel 6: Deckungsbeitrag & Gewinnschwelle (Break-even)
Für kurzfristige Entscheidungen zählt nicht der volle Preis, sondern was ein Stück zur Deckung der Fixkosten beiträgt.
Der Deckungsbeitrag
- Deckungsbeitrag je Stück = Verkaufspreis − variable Stückkosten.
- Beispiel: Preis 50,00 €, variable Kosten 30,00 € → DB = 20,00 €.
- Erst wenn die Summe aller Deckungsbeiträge die Fixkosten übersteigt, entsteht Gewinn.
Die Gewinnschwelle (Break-even-Point)
- BEP-Menge = Fixkosten / DB je Stück. Beispiel: 40.000 € / 20 € = 2.000 Stück.
- Break-even-Umsatz: 2.000 × 50 € = 100.000 €. Ab dem 2.001. Stück verdient jedes Stück 20 € Gewinn.
Entscheidungen mit dem DB
- Kurzfristige Preisuntergrenze = variable Stückkosten (30 €): Ein Zusatzauftrag zu einem Preis über den variablen Stückkosten lohnt sich auch unter Vollkosten, wenn freie Kapazität besteht, sein Deckungsbeitrag etwaige zusätzliche auftragsbedingte Fixkosten deckt und die Preise für die übrigen Kunden unberührt bleiben.
- Sortimentssteuerung: Produkte mit negativem DB streichen; bei knapper Kapazität nach DB je Engpasseinheit reihen.
Merke: BEP = Fixkosten ÷ Stück-DB – und kurzfristig gilt bei freier Kapazität: Alles über den variablen Kosten hilft.
Kapitel 7: Angebotskalkulation im Handel: vom Bezugspreis zum Listenverkaufspreis
Die Wendland Objekteinrichtung GmbH in Kassel kauft Büromöbel bei Herstellern ein und verkauft sie an Unternehmen und Behörden weiter. Für jeden Artikel braucht sie einen Angebotspreis, der den Einkauf, die eigenen Kosten und einen Gewinn deckt und trotzdem Spielraum für Nachlässe lässt. Ausgangspunkt ist der Bezugspreis (Einstandspreis), den du aus der Bezugskalkulation in Lernfeld 4 kennst.
Das Schema der Angebotskalkulation
Ein Bürodrehstuhl hat einen Bezugspreis von 460,00 €. Wendland rechnet mit 20 % Handlungskosten, 20 % Gewinn, 3 % Kundenskonto, 5 % Provision für den Handelsvertreter und 10 % Kundenrabatt.
| Rechenzeichen | Position | Betrag |
|---|---|---|
| Bezugspreis (Einstandspreis) | 460,00 € | |
| + | 20 % Handlungskosten (vom Bezugspreis) | 92,00 € |
| = | Selbstkosten | 552,00 € |
| + | 20 % Gewinn (von den Selbstkosten) | 110,40 € |
| = | Barverkaufspreis | 662,40 € |
| + | 3 % Kundenskonto (im Hundert) | 21,60 € |
| + | 5 % Vertreterprovision (im Hundert) | 36,00 € |
| = | Zielverkaufspreis | 720,00 € |
| + | 10 % Kundenrabatt (im Hundert) | 80,00 € |
| = | Listenverkaufspreis (netto) | 800,00 € |
- Handlungskosten sind die Kosten des Handelsbetriebs für Einkauf, Lager, Verkauf und Verwaltung, etwa Gehälter, Miete und Werbung. Sie werden mit einem Zuschlagssatz auf den Bezugspreis verrechnet. Den Satz ermittelt der Betrieb aus einer abgelaufenen Periode: Handlungskosten ÷ Wareneinsatz × 100.
- Der Gewinn wird auf die Selbstkosten aufgeschlagen. Beide Zuschläge rechnest du vom Hundert, der Ausgangswert ist jeweils 100 %.
- Der Barverkaufspreis ist der Betrag, der dem Betrieb bleiben muss, nachdem der Kunde Skonto abgezogen und der Betrieb die Provision gezahlt hat.
- Kundenskonto und Vertreterprovision sind Prozentsätze vom Zielverkaufspreis. Der Zielverkaufspreis ist also 100 %, der Barverkaufspreis nur 100 % − 3 % − 5 % = 92 %. Deshalb: Zielverkaufspreis = 662,40 € ÷ 92 × 100 = 720,00 €. Probe: 3 % von 720,00 € sind 21,60 €, 5 % sind 36,00 €.
- Der Kundenrabatt ist ein Prozentsatz vom Listenverkaufspreis: 720,00 € ÷ 90 × 100 = 800,00 €.
Der Listenverkaufspreis ist ein Nettopreis. Im Angebot an ein Unternehmen kommt die Umsatzsteuer von 19 % hinzu.
Warum die Provision am Zielverkaufspreis hängt
Der Handelsvertreter erhält seine Provision von dem Entgelt, das der Kunde zu zahlen hat; ein Skonto für schnelle Zahlung wird dabei nicht abgezogen (§ 87b Abs. 2 Satz 1 und 2 HGB). Das ist der Zielverkaufspreis. Ohne andere Abrede zählt auch die Umsatzsteuer zur Bemessungsgrundlage (§ 87b Abs. 2 Satz 3 HGB). In Vertreterverträgen wird deshalb meist vereinbart, dass die Provision vom Nettopreis berechnet wird; davon geht auch die Kalkulation hier aus.
Ein Kollege schlägt Skonto und Provision einfach vom Hundert auf: 662,40 € × 1,08 = 715,39 €. Zahlt der Kunde mit 3 % Skonto, überweist er 693,93 €. Davon gehen 5 % von 715,39 €, also 35,77 € Provision, an den Vertreter. Es bleiben 658,16 €, das sind 4,24 € weniger als der geplante Barverkaufspreis. Mit 720,00 € bleiben nach 21,60 € Skonto und 36,00 € Provision genau 662,40 €.
Merke: Handlungskosten und Gewinn vom Hundert aufschlagen, Skonto und Provision gemeinsam im Hundert vom Zielverkaufspreis, den Rabatt im Hundert vom Listenverkaufspreis.
Kapitel 8: Kalkulationszuschlag, Kalkulationsfaktor, Handelsspanne und Rückwärtskalkulation im Handel
Wer viele Artikel kalkuliert, rechnet nicht jedes Mal das ganze Schema durch. Bleiben die Sätze einer Warengruppe gleich, genügt eine Kennzahl, die Bezugspreis und Listenverkaufspreis direkt verbindet. Verkaufspreis ist dabei im Handel mit Unternehmen der Listenverkaufspreis ohne Umsatzsteuer. Bezieht eine Aufgabe die Kennzahlen auf einen anderen Preis, etwa im Einzelhandel auf den Bruttoverkaufspreis, steht das ausdrücklich dabei.
Drei Kennzahlen für denselben Abstand
Beim Bürodrehstuhl der Wendland Objekteinrichtung GmbH liegen zwischen Bezugspreis (460,00 €) und Listenverkaufspreis (800,00 €) 340,00 €. Diesen Abstand kannst du auf zwei Grundwerte beziehen.
| Kennzahl | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Kalkulationszuschlag | 340,00 € ÷ 460,00 € × 100 | 73,91 % |
| Kalkulationsfaktor | 800,00 € ÷ 460,00 € | 1,7391 |
| Handelsspanne | 340,00 € ÷ 800,00 € × 100 | 42,50 % |
- Der Kalkulationszuschlag bezieht den Abstand auf den Bezugspreis. Er fasst alle Zuschläge und Nachlässe des Schemas in einem Satz zusammen.
- Der Kalkulationsfaktor ist die Zahl, mit der du den Bezugspreis malnimmst, um den Listenverkaufspreis zu erhalten. Er ist immer 1 + Kalkulationszuschlag ÷ 100. Für einen anderen Stuhl derselben Warengruppe mit 520,00 € Bezugspreis ergibt sich 520,00 € × 1,7391 = 904,33 €. Rechnest du genauer mit 800 ÷ 460, sind es 904,35 €. Runde den Faktor deshalb auf mindestens vier Nachkommastellen.
- Die Handelsspanne bezieht denselben Abstand auf den Listenverkaufspreis. Sie zeigt, welcher Teil des Verkaufspreises für Handlungskosten, Gewinn und Nachlässe bleibt.
Weil der Grundwert der Handelsspanne größer ist, ist sie immer kleiner als der Kalkulationszuschlag. Umrechnen kannst du so: Handelsspanne = Kalkulationszuschlag × 100 ÷ (100 + Kalkulationszuschlag), also 73,91 × 100 ÷ 173,91 = 42,50 %.
Rückwärts: Was darf der Einkauf kosten?
Ein Mitbewerber bietet einen vergleichbaren Stuhl für 760,00 € netto an. Wendland will mithalten und fragt, welchen Bezugspreis sie höchstens zahlen darf, wenn alle Sätze gleich bleiben. Rückwärts beziehst du jeden Prozentsatz wieder auf seinen Grundwert aus der Vorwärtsrechnung:
- Listenverkaufspreis 760,00 € − 10 % Kundenrabatt (vom Hundert, 76,00 €) = Zielverkaufspreis 684,00 €.
- − 3 % Skonto und 5 % Provision (vom Hundert, zusammen 54,72 €) = Barverkaufspreis 629,28 €.
- Gewinn auf Hundert herausrechnen: 629,28 € ÷ 1,20 = Selbstkosten 524,40 €.
- Handlungskosten auf Hundert herausrechnen: 524,40 € ÷ 1,20 = Bezugspreis höchstens 437,00 €.
Mit den Kennzahlen geht es schneller: 760,00 € ÷ (800 ÷ 460) = 437,00 € oder 760,00 € × (100 % − 42,5 %) = 437,00 €. Verlangt der Hersteller mehr, muss Wendland günstiger einkaufen, mit weniger Gewinn rechnen oder auf den Artikel verzichten. Eine Kontrolle mit der Vorwärtsrechnung zeigt, ob du richtig gerechnet hast: 437,00 € × 1,20 × 1,20 = 629,28 €, ÷ 0,92 = 684,00 €, ÷ 0,90 = 760,00 €.
Merke: Kalkulationszuschlag und Kalkulationsfaktor gehen vom Bezugspreis aus, die Handelsspanne vom Verkaufspreis. Rückwärts wird abgezogen, was vorwärts im Hundert stand, und herausgerechnet, was vorwärts aufgeschlagen wurde.
Kapitel 9: Normal- und Istkosten: Über- und Unterdeckung, Nachkalkulation
Ein Angebot entsteht, bevor die Kosten der Periode feststehen. Die Druckerei Fennert & Lohse GmbH muss einem Kunden heute einen Preis für einen Katalog nennen, der erst in drei Wochen gedruckt wird. Den Istzuschlag dieses Monats kennt sie erst nach dem Monatsabschluss. Deshalb kalkuliert sie mit festen Normalzuschlagssätzen und prüft am Ende der Periode, ob sie damit richtig lag.
Normal- und Istzuschlagssätze
- Der Normalzuschlagssatz ist ein Durchschnitt der Istzuschläge vergangener Perioden. Sind Änderungen absehbar, etwa eine Tariferhöhung oder steigende Energiepreise, passt der Betrieb ihn an. Mit ihm rechnet die Vorkalkulation vor dem Angebot, und mit ihm werden während der Periode die Gemeinkosten auf die Aufträge verrechnet.
- Der Istzuschlagssatz entsteht nach Ablauf der Periode aus dem BAB: Istgemeinkosten ÷ Zuschlagsgrundlage × 100. Grundlage sind wie bisher die Materialeinzelkosten, die Fertigungslöhne und bei Verwaltung und Vertrieb die Herstellkosten.
- Die verrechneten Normalgemeinkosten sind das, was die Aufträge der Periode mit dem Normalsatz getragen haben: tatsächliche Zuschlagsgrundlage × Normalzuschlagssatz ÷ 100.
Der Vergleich heißt Normalgemeinkosten − Istgemeinkosten. Ist das Ergebnis positiv, liegt eine Kostenüberdeckung vor: Die Kalkulation hat mehr Gemeinkosten verrechnet, als angefallen sind. Ist es negativ, liegt eine Kostenunterdeckung vor: Ein Teil der Gemeinkosten steckt in keinem Preis.
Im Oktober hatte die Druckerei 48.000 € Materialeinzelkosten und 36.000 € Fertigungslöhne. Kalkuliert wird mit 12 % Materialgemeinkosten und 150 % Fertigungsgemeinkosten. Der BAB zeigt Istgemeinkosten von 6.240 € im Material und 51.840 € in der Fertigung.
| Kostenstelle | Normalgemeinkosten | Istgemeinkosten | Istzuschlag | Abweichung |
|---|---|---|---|---|
| Material | 48.000 € × 12 % = 5.760 € | 6.240 € | 13 % | −480 € (Unterdeckung) |
| Fertigung | 36.000 € × 150 % = 54.000 € | 51.840 € | 144 % | +2.160 € (Überdeckung) |
| Summe | 59.760 € | 58.080 € | +1.680 € (Überdeckung) |
Eine Überdeckung verbessert das Betriebsergebnis gegenüber dem, was die Aufträge zu Normalkosten erbracht haben, eine Unterdeckung verschlechtert es. Ursachen können gestiegene oder gesunkene Preise für Energie und Material sein, Einsparungen oder Mehrverbrauch in einer Kostenstelle oder eine andere Auslastung: Die fixen Gemeinkosten verteilen sich bei voller Auslastung auf mehr Einzelkosten, der Istzuschlag sinkt; bei schwacher Auslastung steigt er. Einmalige Abweichungen beobachtet der Betrieb. Bleiben sie über mehrere Perioden in dieselbe Richtung bestehen, passt er die Normalsätze an, damit die Angebote nicht dauerhaft zu teuer oder zu billig sind.
Nachkalkulation eines Auftrags
Nach der Ausführung rechnet die Nachkalkulation denselben Auftrag noch einmal, jetzt mit den tatsächlichen Einzelkosten und den Istzuschlägen. Der Vergleich mit der Vorkalkulation zeigt, ob der geplante Gewinn erreicht wurde und an welcher Stelle Kosten abweichen.
Für einen Broschürenauftrag rechnete die Vorkalkulation mit 2.000 € Material, 12 % Materialgemeinkosten, 1.200 € Fertigungslöhnen, 150 % Fertigungsgemeinkosten und 10 % Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten: Selbstkosten 5.764,00 €, mit 10 % Gewinn ein Festpreis von 6.340,40 € netto. Tatsächlich kostete das Papier 2.150 €, die Löhne betrugen 1.100 €; die Istzuschläge lagen bei 13 %, 144 % und 11 %. Die Nachkalkulation ergibt Selbstkosten von 5.675,99 €. Der Gewinn beträgt 664,41 € statt 576,40 €, das sind 11,71 % statt 10 % der Selbstkosten.
Merke: Vorkalkulation mit Normalsätzen, Nachkalkulation mit Istwerten. Normal größer als Ist heißt Überdeckung, Normal kleiner als Ist heißt Unterdeckung.
Kapitel 10: Preisuntergrenzen: kurzfristig und langfristig
Das Kapitel zum Deckungsbeitrag zeigt, warum ein Zusatzauftrag bei freier Kapazität schon dann hilft, wenn sein Preis über den variablen Stückkosten liegt. Das ist die kurzfristige Preisuntergrenze. Auf Dauer reicht sie nicht: Miete, Gehälter, Abschreibungen und Zinsen laufen weiter, und irgendwann müssen Maschinen ersetzt werden. Ein Preis, der auch diese Kosten trägt, liegt mindestens bei der langfristigen Preisuntergrenze.
Kurzfristig und langfristig im Vergleich
- Kurzfristige Preisuntergrenze = variable Stückkosten. Sie gilt nur unter Bedingungen: Es gibt freie Kapazität, es entstehen keine zusätzlichen Fixkosten für den Auftrag, und die Preise für die übrigen Kunden bleiben unberührt.
- Langfristige Preisuntergrenze = variable Stückkosten + Fixkosten ÷ Menge, also die Selbstkosten je Stück. Im Handel sind das Bezugspreis und Handlungskosten je Stück.
Die langfristige Grenze hängt von der Menge ab, auf die du die Fixkosten verteilst. Rechne deshalb mit der Menge, die der Betrieb in der Periode tatsächlich absetzen will, nicht mit der Kapazität.
Die Pohlenz & Sieg Kartonagen KG fertigt Versandkartons mit variablen Kosten von 0,80 € je Karton und Fixkosten von 10.800 € im Monat. Plant sie 24.000 Kartons, entfallen auf jeden Karton 10.800 € ÷ 24.000 = 0,45 € Fixkosten. Die langfristige Preisuntergrenze liegt bei 0,80 € + 0,45 € = 1,25 €. Sinkt der Absatz auf 18.000 Kartons, sind es 0,60 € Fixkosten je Karton und eine Grenze von 1,40 €. Die kurzfristige Preisuntergrenze bleibt in beiden Fällen 0,80 €.
Was ein Preis zwischen den Grenzen bedeutet
| Preis je Stück | Wirkung | Entscheidung |
|---|---|---|
| unter den variablen Stückkosten | jedes Stück vergrößert den Verlust | ablehnen |
| zwischen kurz- und langfristiger Grenze | deckt die variablen Kosten und einen Teil der Fixkosten | vorübergehend vertretbar, wenn Kapazität frei ist |
| ab der langfristigen Grenze | deckt alle Kosten, darüber entsteht Gewinn | auf Dauer nötig |
Ein Preis zwischen den Grenzen kann sinnvoll sein, wenn eine Maschine sonst stillstünde, bei schwacher Nachfrage oder um einen neuen Kunden zu gewinnen. Gilt er für die gesamte Menge und auf Dauer, deckt der Betrieb seine Fixkosten nicht. Dann bleibt am Ende ein Verlust, der das Eigenkapital aufzehrt. Außerdem wissen auch andere Kunden bald von einem besonders niedrigen Preis und verlangen ihn ebenfalls.
Merke: Kurzfristig müssen die variablen Kosten gedeckt sein, langfristig die Selbstkosten je Stück. Wie hoch die langfristige Grenze liegt, bestimmt die geplante Menge.
Kapitel 11: Beschäftigungsgrad, Stückkosten und Eigenfertigung oder Fremdbezug
Fixkosten bleiben innerhalb der Kapazität gleich, egal wie viel der Betrieb herstellt oder leistet. Wie stark sie den einzelnen Auftrag belasten, hängt deshalb davon ab, wie gut die Kapazität genutzt wird. Darauf bauen zwei Entscheidungen auf: Zu welchem Preis lohnt sich mehr Menge, und soll der Betrieb eine Leistung selbst erbringen oder einkaufen?
Beschäftigungsgrad
Der Beschäftigungsgrad zeigt, wie viel der möglichen Leistung tatsächlich genutzt wird: Istbeschäftigung ÷ Kapazität × 100. Beide Größen müssen dieselbe Einheit und denselben Zeitraum haben, etwa Stück, Seiten oder Maschinenstunden im Monat. Nutzt eine Druckerei von 400 möglichen Maschinenstunden im Monat 300, beträgt der Beschäftigungsgrad 75 %. Der Teil der Fixkosten, der auf die ungenutzten 25 % entfällt, sind die Leerkosten.
Stückkosten und Gesetz der Massenproduktion
Die Stückkosten setzen sich aus den fixen Kosten je Stück und den variablen Kosten je Stück zusammen: Fixkosten ÷ Menge + variable Stückkosten.
Die Pohlenz & Sieg Kartonagen KG kann im Monat bis zu 30.000 Versandkartons fertigen. Die Fixkosten betragen 10.800 € im Monat, die variablen Kosten 0,80 € je Karton.
| Menge | Beschäftigungsgrad | fixe Kosten je Karton | Stückkosten |
|---|---|---|---|
| 12.000 | 40 % | 0,90 € | 1,70 € |
| 18.000 | 60 % | 0,60 € | 1,40 € |
| 24.000 | 80 % | 0,45 € | 1,25 € |
| 30.000 | 100 % | 0,36 € | 1,16 € |
Mit steigender Menge verteilen sich die gleichbleibenden Fixkosten auf mehr Stück; die fixen Kosten je Stück sinken (Fixkostendegression). Weil die variablen Kosten je Stück gleich bleiben, sinken auch die Stückkosten. Dieser Zusammenhang heißt Gesetz der Massenproduktion. Er gilt bis zur Kapazitätsgrenze. Will der Betrieb mehr herstellen, braucht er eine weitere Maschine oder Schicht; die Fixkosten springen nach oben, und die Stückkosten steigen zunächst wieder (sprungfixe Kosten). Für die Praxis heißt das: Ein gut ausgelasteter Betrieb kann günstiger anbieten als einer mit vielen Leerkosten.
Eigenfertigung oder Fremdbezug
Ob ein Betrieb eine Leistung selbst erbringt oder einkauft, entscheidet er zuerst über die Kosten. Dem Bezugspreis des Fremdanbieters stellt er nur die Kosten gegenüber, die bei Eigenfertigung zusätzlich anfallen: die variablen Kosten und die Fixkosten, die bei Fremdbezug wegfallen würden (abbaubare Fixkosten). Fixkosten, die in beiden Fällen bleiben, ändern nichts an der Entscheidung. Bei welcher Menge beide Wege gleich viel kosten, zeigt die kritische Menge: abbaubare Fixkosten ÷ (Bezugspreis je Stück − variable Stückkosten der Eigenfertigung). Liegt die Menge darüber, ist die Eigenfertigung günstiger.
Die Druckerei Fennert & Lohse GmbH lässt Broschüren bisher bei einer Buchbinderei für 0,35 € je Stück heften. Eine eigene Heftmaschine kostet 1.500 € Leasingrate im Monat, die variablen Kosten liegen bei 0,20 € je Broschüre. Kritische Menge: 1.500 € ÷ (0,35 € − 0,20 €) = 10.000 Broschüren im Monat. Bei regelmäßig mehr als 10.000 Broschüren lohnt sich die eigene Maschine.
Neben den Kosten zählen weitere Gründe: Qualität und Termintreue in eigener Hand, Abhängigkeit von einem Lieferer, eigenes Fachwissen, freie Kapazität und Personal. Schwankt die Menge stark um die kritische Menge, spricht viel für den Fremdbezug, weil der Betrieb dann keine Fixkosten bindet.
Merke: Je höher der Beschäftigungsgrad, desto niedriger die fixen Kosten je Stück. Beim Vergleich von Eigenfertigung und Fremdbezug zählen nur die Kosten, die sich durch die Entscheidung ändern.
Nachschlagen
Fachbegriffe und Formeln zum Nachschlagen, jeweils auf einer Seite.
Fachbegriffe aus diesem Lernfeld
- Anderskosten
- Kalkulatorische Kosten, denen ein Aufwand in anderer Höhe gegenübersteht, z. B. kalkulatorische statt bilanzieller Abschreibung.
- Beschäftigungsgrad
- Verhältnis der tatsächlich genutzten zur möglichen Leistung eines Betriebs oder einer Kostenstelle in Prozent, etwa genutzte Maschinenstunden zu verfügbaren Maschinenstunden in einem Monat. Je höher er ist, desto weniger Fixkosten entfallen auf jedes Stück und auf ungenutzte Kapazität.
- Betriebsergebnis
- Leistungen minus Kosten einer Periode, also der Erfolg aus dem Betriebszweck; zugleich Gesamtergebnis der GuV minus neutrales Ergebnis.
- Betriebsvergleich
- Vergleich von Kennzahlen des eigenen Unternehmens mit denen anderer Betriebe derselben Branche und ähnlicher Größe, z. B. Umsatz je Beschäftigten, Personalkostenquote oder Lagerumschlag; die Vergleichswerte stammen oft aus Branchendurchschnitten von Verbänden. Er zeigt Stärken und Schwächen gegenüber der Konkurrenz. Beim Zeitvergleich werden dagegen Werte desselben Betriebs aus verschiedenen Zeiträumen gegenübergestellt, beim Soll-Ist-Vergleich Plan- und Istwerte.
- Datenreihe
- Zusammengehörige Werte aus einer Zeile oder Spalte einer Tabelle, die ein Diagramm gemeinsam darstellt, zum Beispiel die Monatswerte eines Artikels. Im Säulen- oder Liniendiagramm erhält jede Datenreihe eine eigene Farbe, die Legende ordnet die Farben zu. Ein Kreisdiagramm stellt nur eine Datenreihe dar; dort hat jedes Segment eine eigene Farbe.
- Differenzkalkulation
- Kalkulation für den Fall, dass sowohl der Einkaufspreis (in der Industrie die Kosten) als auch der Verkaufspreis feststehen, etwa weil der Markt den Preis vorgibt; ermittelt wird, welcher Gewinn bleibt. Dazu rechnet man vorwärts bis zu den Selbstkosten und vom Listenverkaufspreis rückwärts bis zum Barverkaufspreis; der Unterschied ist der Gewinn, als Betrag und in Prozent der Selbstkosten. Ist er negativ, entsteht ein Verlust.
- Ergebnistabelle
- Tabelle der Abgrenzungsrechnung, die Aufwendungen und Erträge der Finanzbuchhaltung (Rechnungskreis I) in Kosten und Leistungen der Kosten- und Leistungsrechnung (Rechnungskreis II) überführt. Neutrale Aufwendungen und Erträge, also betriebsfremde, periodenfremde oder außerordentliche, werden abgegrenzt, und Unterschiede zwischen Aufwand und kalkulatorischen Kosten, etwa bei den Abschreibungen, werden als kostenrechnerische Korrekturen verrechnet. So wird das Gesamtergebnis der GuV aufgeteilt in das neutrale Ergebnis und das Betriebsergebnis (Leistungen minus Kosten).
- Handelsspanne
- Abstand zwischen Verkaufspreis und Bezugspreis in Prozent des Verkaufspreises. Sie zeigt, welcher Anteil am Verkaufspreis für Handlungskosten, Gewinn und Nachlässe bleibt, und ist stets kleiner als der Kalkulationszuschlag, weil ihr Grundwert größer ist.
- Handlungskosten
- Kosten eines Handelsbetriebs, die beim Einkaufen, Lagern und Verkaufen der Waren entstehen, ohne den Wareneinsatz selbst (Bezugspreis einschließlich Bezugskosten wie Fracht), z. B. Personal-, Miet-, Energie- und Werbekosten sowie Abschreibungen. In der Handelskalkulation werden sie meist als Handlungskostenzuschlag in Prozent auf den Bezugspreis (Einstandspreis) aufgeschlagen; der Zuschlagssatz ergibt sich aus den Handlungskosten einer Periode im Verhältnis zum Wareneinsatz, und Bezugspreis plus Handlungskosten ergibt die Selbstkosten. In der Erfolgsrechnung müssen die Handlungskosten aus dem Rohgewinn gedeckt werden; was danach bleibt, ist der Reingewinn.
- Kalkulationsfaktor
- Zahl, mit der man den Bezugspreis eines Handelsartikels malnimmt, um seinen Verkaufspreis zu erhalten; sie ist gleich 1 plus Kalkulationszuschlag geteilt durch 100. Mit ihm lassen sich alle Artikel einer Warengruppe mit gleichen Sätzen in einem Schritt kalkulieren.
- Kalkulationszuschlag
- Prozentsatz, um den der Verkaufspreis eines Handelsartikels über dem Bezugspreis liegt, gerechnet vom Bezugspreis als Grundwert. Er fasst Handlungskosten, Gewinn und die eingerechneten Kundennachlässe in einer Zahl zusammen; im Handel mit Unternehmen ist der Verkaufspreis meist der Listenverkaufspreis ohne Umsatzsteuer.
- Kostenüberdeckung
- Fall, in dem die mit Normalzuschlagssätzen verrechneten Gemeinkosten höher sind als die tatsächlich angefallenen Istgemeinkosten. Die Kalkulation hat mehr Gemeinkosten in die Preise eingerechnet, als entstanden sind, und das Betriebsergebnis ist um diesen Betrag größer als das Ergebnis der Aufträge zu Normalkosten. Das Gegenstück ist die Kostenunterdeckung.
- Nachkalkulation
- Kalkulation nach Ausführung eines Auftrags oder am Ende einer Periode mit den tatsächlich angefallenen Kosten (Istkosten) und den tatsächlich erzielten Erlösen. Der Vergleich mit der Vorkalkulation, die vor dem Angebot mit geplanten oder Normalwerten rechnet, zeigt, ob der geplante Gewinn erreicht wurde und wo Kosten abweichen. Die Ergebnisse fließen in künftige Angebote und Zuschlagssätze ein.
- Neutraler Aufwand
- Aufwand, der keine Kosten ist, weil er betriebsfremd, periodenfremd oder außergewöhnlich ist; er wird in der Ergebnistabelle abgegrenzt.
- Normalkosten
- Durchschnittliche Istkosten vergangener Perioden, bei Bedarf an erwartete Änderungen angepasst; die Normalkostenrechnung verrechnet die Gemeinkosten mit daraus abgeleiteten Normalzuschlagssätzen, damit nicht jede Kalkulation mit schwankenden Istzuschlägen rechnen muss. Am Periodenende werden die verrechneten Normalgemeinkosten mit den tatsächlich angefallenen Istgemeinkosten verglichen: Sind die Normalgemeinkosten höher, liegt eine Kostenüberdeckung vor, sind sie niedriger, eine Kostenunterdeckung.
- Preisuntergrenze
- Niedrigster Verkaufspreis, zu dem ein Unternehmen ein Erzeugnis oder eine Ware gerade noch anbieten kann. Kurzfristig liegt sie bei den variablen Stückkosten (im Handel meist dem Bezugspreis), sofern freie Kapazität besteht und kein anderer Auftrag verdrängt wird; bei einem Engpass kommt der entgangene Deckungsbeitrag hinzu. Langfristig müssen alle Kosten gedeckt sein, die Preisuntergrenze liegt dann bei den Selbstkosten je Stück.
- Rückwärtskalkulation
- Kalkulation, die von einem vorgegebenen Verkaufspreis ausgeht, etwa dem Preis der Konkurrenz, und schrittweise zurückrechnet, zum Beispiel bis zu dem Bezugs- oder Listeneinkaufspreis, der höchstens gezahlt werden darf, damit Kosten und Gewinn gedeckt sind. Die Prozentsätze beziehen sich auf dieselben Grundwerte wie in der Vorwärtskalkulation: Rabatt und Skonto des Kunden werden vom Hundert abgezogen, Umsatzsteuer, Gewinn und Handlungskosten auf Hundert herausgerechnet (bei 25 % Gewinn etwa Barverkaufspreis ÷ 1,25). Skonto und Rabatt des Lieferers werden im Hundert zurückgerechnet (bei 2 % Skonto etwa Bareinkaufspreis ÷ 0,98).
- Sprungfixe Kosten
- Fixkosten, die innerhalb einer Kapazitätsstufe gleich bleiben und beim Überschreiten der Kapazitätsgrenze sprunghaft auf ein höheres Niveau steigen, z. B. für eine zusätzliche Maschine oder Schicht. Sie sind keine variablen Kosten, weil sie nicht mit jeder Einheit steigen.
- Teilkostenrechnung
- Kostenrechnung, die den Kostenträgern nur einen Teil der Kosten zurechnet, in der Regel die variablen Kosten; die Fixkosten werden als Block aus der Summe der Deckungsbeiträge gedeckt (Deckungsbeitragsrechnung). Sie dient vor allem kurzfristigen Entscheidungen wie Preisuntergrenze, Zusatzauftrag, Produktionsprogramm oder Sortiment. Die Vollkostenrechnung verteilt dagegen alle Kosten, auch die fixen, über Zuschläge auf die Kostenträger und liefert die Selbstkosten als Grundlage für Angebotspreise.
- Zusatzauftrag
- Auftrag, der zusätzlich zum geplanten Programm angeboten wird, oft zu einem Preis unter den bisherigen Selbstkosten. Bei freier Kapazität lohnt er sich kurzfristig, wenn sein Deckungsbeitrag (Preis minus variable Stückkosten, mal Menge) positiv ist und etwaige zusätzliche Fixkosten des Auftrags deckt, denn die übrigen Fixkosten fallen ohnehin an. Zu prüfen ist auch, ob der niedrige Preis die Preise für Stammkunden oder am Markt unter Druck setzt.
- Zusatzkosten
- Kalkulatorische Kosten ohne Aufwand in der Finanzbuchhaltung, z. B. kalkulatorischer Unternehmerlohn oder Zinsen auf das Eigenkapital.