Lernfeld 2: Verkaufsgespräche kundenorientiert führen
Lernfeld für Kaufleute im Einzelhandel im 1. Ausbildungsjahr, nach dem Rahmenlehrplan der KMK.
Mit KI erstellt.
- Kapitel
- 12
- Aufgaben
- 60
- Aufgaben-Generatoren
- 0
- Ausbildungsjahr
- 1
- Lernfeldstunden
- 80
Kapitel 1: Kontaktaufnahme und Gesprächseröffnung
Die ersten Sekunden entscheiden. Kunden senden Signale: suchender Blick, Griff zur Ware, Stehenbleiben – darauf reagierst du mit Blickkontakt, Lächeln und offener Körperhaltung. Eröffnungen:
- Warenbezogen (stark), wenn sich der Kunde schon mit einer Ware befasst: „Diese Jacke gibt es auch in Navy, sie ist komplett wasserdicht.“ Im Bedienungsverkauf begrüßt du und fragst offen („Was darf ich Ihnen zeigen?“).
- Persönlich: freundliche Begrüßung mit Namen bei Stammkunden
- Schwach: „Kann ich helfen?“ – provoziert „Nein, danke“
Beachte Distanzzonen: unter ca. 60 cm wird es unangenehm (intime Zone) – berate aus der persönlichen Zone (60–120 cm). Wer nur schauen will, bekommt ein Signal der Verfügbarkeit: „Schauen Sie sich gern um – ich bin gleich hier drüben.“ Merksatz: Warenbezogene Ansprache schlägt die Floskel – sie beweist, dass du hinsiehst.
Kapitel 2: Bedarfsermittlung: Fragen und Zuhören
Wer fragt, führt. Die Bedarfsermittlung klärt Verwendungszweck, Vorstellungen und Budget:
- Offene Fragen (W-Fragen): „Wofür brauchen Sie das Gerät?“ – öffnen das Gespräch
- Geschlossene Fragen: „Soll es kabellos sein?“ – präzisieren
- Alternativfragen: „Lieber 13 oder 15 Zoll?“ – lenken zur Entscheidung
Methoden: direkte Bedarfsermittlung (gezielt fragen) und indirekte Bedarfsermittlung: Du legst früh zwei bis drei passende Artikel als Testangebot vor und beobachtest die Reaktion (Wo bleibt der Blick hängen? Was nimmt der Kunde in die Hand? Welche Preislage?). Sie eignet sich vor allem für Waren, die nach Geschmack gekauft werden (Mode, Parfüm, Schmuck); die direkte Methode passt eher für technische Artikel. Meist kombiniert man beide. Dazu aktives Zuhören: ausreden lassen, nicken, zusammenfassen („Wenn ich Sie richtig verstehe, suchen Sie …“). Merksatz: Erst der ermittelte Bedarf macht aus Warenwissen ein Verkaufsargument.
Kapitel 3: Warenvorlage: Zeitpunkt, Auswahl, Wirkung
Lege die Ware möglichst früh vor: bei direkter Bedarfsermittlung, sobald die wichtigsten Wünsche geklärt sind, bei indirekter gleich zu Beginn als Testangebot. Regeln:
- Begrenzte Auswahl: 2–3 passende Artikel statt zehn – zu viel Auswahl kann die Entscheidung erschweren
- Mittlere Preislage zuerst, wenn der Kunde keine Preisvorstellung genannt hat: von dort flexibel nach oben oder unten; nennt er einen Preisrahmen, beginnst du in diesem
- Sinne einbeziehen: anfassen, anprobieren, riechen, ausprobieren lassen – Besitzgefühl erzeugen
- Sorgfalt zeigt Wert: Ware mit beiden Händen, wertschätzend präsentieren
Nicht Passendes unauffällig zurücklegen, damit der Tisch übersichtlich bleibt. Merksatz: Was der Kunde in der Hand hatte, legt er ungern zurück.
Kapitel 4: Verkaufsargumentation und Preisnennung
Kunden kaufen Nutzen, keine Merkmale. Baue Argumente als Kette Merkmal → Vorteil → Nutzen: „Die Jacke hat eine 10.000er-Wassersäule (Merkmal), hält also auch Dauerregen ab (Vorteil) – Sie bleiben auf dem Schulweg Ihres Kindes trocken (Nutzen, individuell!).“ Nutze die Erkenntnisse der Bedarfsermittlung: Argumentiere kundenbezogen, nicht auswendig. Preisnennung:
- Sandwich-Methode: Nutzen – Preis – Nutzen: „Voll gefüttert, 129 €, inklusive abnehmbarer Kapuze.“
- Verkleinerung: den Preis auf die Nutzungsdauer umlegen: „Schon bei einem Jahr Tragezeit sind das keine 11 € im Monat.“ (129 € : 12 = 10,75 €)
- Preis nie nackt und nie entschuldigend nennen
Merksatz: Der Preis ist nur zu hoch, wenn der Nutzen zu klein erzählt wurde.
Kapitel 5: Einwände behandeln, Kaufsignale nutzen
Einwand = Interesse. Unterscheide echten Einwand (sachlich, z. B. „zu teuer“) vom Vorwand (Ausrede, z. B. „Ich überlege noch“). Methoden:
- Ja-aber: zustimmen, dann entkräften: „Stimmt, er kostet mehr – dafür sparen Sie Batterien.“
- Bumerang: Einwand zum Argument drehen: „Gerade weil Sie viel unterwegs sind …“
- Rückfrage: „Zu teuer im Vergleich womit?“ – präzisiert das eigentliche Problem
Kaufsignale erkennen: zustimmendes Nicken, Detailfragen („Gibt es den auch in Schwarz?“), Fragen nach Lieferung/Garantie, Griff zum Portemonnaie. Dann abschließen: Alternativfrage („Nehmen Sie den schwarzen oder den blauen?“; „Nehmen Sie beide mit?“ wäre dagegen eine geschlossene Frage mit Zusatzverkauf) oder zusammenfassende Bestätigung – und schweigen. Merksatz: Wer nach dem Kaufsignal weiterberät, kauft dem Kunden den Artikel wieder ab.
Kapitel 6: Zusatzverkauf, Alternativen und Verabschiedung
Nach der Kaufentscheidung ist vor dem Zusatzverkauf. Drei Angebotsarten:
- Ergänzungsangebot: Artikel, ohne die der Hauptartikel nicht oder kaum nutzbar ist (Speicherkarte zur Kamera, Batterien zur Taschenlampe)
- Zusatzangebot: Artikel, die den Hauptartikel pflegen oder seinen Nutzen steigern (Imprägnierspray zu Schuhen)
- Ersatz- oder Alternativangebot: ein gleichwertiger Artikel, wenn der gewünschte fehlt
Lehrbücher grenzen Ergänzung und Zusatz teils anders ab. Ergänzungs- und Zusatzangebote machst du konkret und begründet, nie als Frage nach „noch etwas?“ – in der Regel, nachdem sich der Kunde für den Hauptartikel entschieden hat, und vor dem Bezahlen; nutzensteigernde Zusatzartikel können schon im Gespräch als Argument dienen. Bei Nichtverfügbarkeit biete zuerst einen gleichwertigen Ersatzartikel an; lehnt der Kunde ab:
- Nachbestellung / Filialverfügbarkeit prüfen
- Reservierung mit Benachrichtigung
So bleibt der Umsatz im Haus. Die Verabschiedung ist der letzte Eindruck: bestätigen („Damit werden Sie Freude haben“), Ware ordentlich übergeben, zum Wiederkommen einladen – auch bei Nichtkäufern freundlich bleiben, sie kommen wieder. Merksatz: Ergänzungs- und Zusatzangebote beginnen mit „Dazu empfehle ich …“, nicht mit „Sonst noch was?“
Kapitel 7: Kaufmotive und Kundentypen
Zwei Kundinnen kaufen dieselbe Regenjacke aus ganz verschiedenen Gründen: Die eine will auf dem Weg zur Arbeit trocken bleiben, die andere hat die Jacke bei einer Freundin gesehen und möchte sie auch haben. Wer im Gespräch erkennt, warum jemand kauft und wie er sich verhält, findet die passenden Argumente und den richtigen Ton.
Kaufmotive: warum Kunden kaufen
Ein Kaufmotiv ist der Beweggrund hinter einem Kauf. Grob lassen sich zwei Gruppen unterscheiden:
- Rationale Motive beruhen auf Überlegung und lassen sich mit Fakten begründen: niedriger Preis und Sparsamkeit im Verbrauch, Qualität und Haltbarkeit, Zweckmäßigkeit, Bequemlichkeit und Zeitersparnis.
- Emotionale Motive beruhen auf Gefühlen und Wünschen: Prestige und Geltung (zeigen, was man sich leisten kann), Nachahmung und Zugehörigkeit (haben, was andere haben), Freude am Neuen, Genuss und Schönheit.
Bequemlichkeit ordnen manche Darstellungen den emotionalen Motiven zu; für die Gespräche kommt es auf das Erkennen des Motivs an, nicht auf die Gruppe.
Manche Motive passen in beide Gruppen, etwa Sicherheit: Wer einen Fahrradhelm wegen der geprüften Schutzwirkung auswählt, entscheidet rational; wer ihn aus Sorge um das eigene Kind kauft, emotional. Ähnlich beim Umweltbewusstsein: Es kann auf einer Kostenrechnung beruhen (weniger Stromverbrauch) oder auf dem Wunsch nach einem guten Gewissen. Meist wirken mehrere Motive zusammen, und oft entscheidet das Gefühl, während der Verstand die Begründung nachliefert.
Kaum ein Kunde nennt sein Motiv ausdrücklich. Du erschließt es in der Bedarfsermittlung aus seinen Fragen, Äußerungen und Reaktionen:
| Die Kundin oder der Kunde sagt … | erkennbares Motiv | passendes Argument |
|---|---|---|
| „Was verbraucht der im Jahr?“ | Sparsamkeit (rational) | niedrige Betriebskosten mit Zahlen belegen |
| „Hält das auch, wenn die Kinder damit spielen?“ | Haltbarkeit (rational) | Material, Verarbeitung, Garantie |
| „Ist das schon das neue Modell?“ | Freude am Neuen (emotional) | Neuheit und neue Funktionen herausstellen |
| „Das hat meine Kollegin auch.“ | Nachahmung (emotional) | Beliebtheit des Artikels, viele zufriedene Käufer |
| „Es soll schon etwas Besonderes sein.“ | Prestige (emotional) | Marke, Exklusivität, edle Verarbeitung |
Ein Kaffeevollautomat, zwei Kunden. Ein Kunde fragt nach den Kosten je Tasse und danach, wie aufwendig das Entkalken ist: Du rechnest ihm die Kosten je Tasse vor und zeigst die automatische Reinigung (Sparsamkeit, Bequemlichkeit). Eine Kundin betrachtet das Display und fragt, ob es das Gerät auch in Mattschwarz gibt: Du zeigst die Farbvarianten und lässt sie einen Cappuccino zubereiten (Schönheit, Genuss). Die Ware ist dieselbe, die Argumente sind verschieden.
Kundentypen: wie Kunden sich verhalten
Aus dem Verhalten und den vorherrschenden Motiven ergeben sich Kundentypen. Sie helfen dir, schnell den passenden Umgang zu finden, sind aber keine Schublade: Dieselbe Person kann am Samstagvormittag eilig und am Abend beim Geschenkkauf unsicher sein. Beobachte also zuerst und passe dein Vorgehen an, sobald sich der Kunde anders zeigt. Den Typ sprichst du nie aus.
| Kundentyp | daran erkennst du ihn | so gehst du vor |
|---|---|---|
| entschlossen | nennt Artikel oder Marke genau, will zügig kaufen | schnell bedienen, die Wahl bestätigen, nicht zerreden |
| unentschlossen | schwankt, nimmt Ware in die Hand und legt sie zurück | Auswahl auf zwei oder drei Artikel begrenzen, begründet empfehlen, Sicherheit geben (Umtausch, Garantie) |
| preisbewusst | fragt früh nach dem Preis, vergleicht, sucht Angebote | Preis-Leistungs-Verhältnis zeigen, Preis auf die Nutzungsdauer umlegen, günstige Alternative anbieten |
| qualitätsbewusst | fragt nach Material, Verarbeitung und Herkunft | Fachinformationen, Prüf- und Gütezeichen, hochwertige Ware zeigen |
| eilig | schaut auf die Uhr, antwortet knapp | kurz fragen, wenige passende Artikel, Kernnutzen in einem Satz |
| gesprächig | erzählt ausführlich und schweift ab | freundlich zuhören, mit geschlossenen Fragen und Alternativfragen zum Kauf zurückführen |
| schweigsam | antwortet einsilbig, hält Abstand | nicht drängen, Ware zeigen und ausprobieren lassen, einfache offene Fragen stellen |
| kritisch oder sachkundig | prüft Aussagen, kennt Testergebnisse, widerspricht | sachlich bleiben, nachprüfbare Fakten nennen, Fachwissen anerkennen, nicht belehren |
Ist ein Kunde verärgert, etwa weil er eine Ware reklamiert, gelten die Regeln des Reklamationsgesprächs (LF 10): ruhig bleiben, ausreden lassen, Verständnis zeigen, eine Lösung anbieten.
Motive und Typen im Verkaufsgespräch nutzen
- Bedarfsermittlung: Achte darauf, worauf der Kunde Wert legt und wonach er zuerst fragt.
- Warenvorlage: Richte die Auswahl danach aus. Dem preisbewussten Kunden legst du Ware in seinem Preisrahmen vor, dem qualitätsbewussten die besonders hochwertige.
- Argumentation: Übersetze die Merkmale der Ware in den Nutzen, der zu seinem Motiv passt (Merkmal, Vorteil, Nutzen).
- Einwände: Das Motiv hilft beim Entkräften. Wer Haltbarkeit sucht, akzeptiert einen höheren Preis eher, wenn du die längere Lebensdauer belegst.
Typische Fehler sind, alle Kunden mit denselben Argumenten zu bedienen, vom Aussehen auf den Geldbeutel zu schließen und einem unentschlossenen Kunden immer neue Artikel vorzulegen.
Kapitel 8: Warenkenntnisse erschließen: Leitfragen und Informationsquellen
Kundinnen und Kunden können sich heute vieles im Internet anlesen. Ins Geschäft kommen sie, wenn sie eine Ware sehen, anfassen und sich von jemandem beraten lassen wollen, der sie kennt. Ohne Warenkenntnisse gibt es keine überzeugenden Argumente, keine sicheren Pflegehinweise und keine passenden Ergänzungsangebote. Niemand kennt alle Artikel eines Sortiments auswendig. Wichtig ist deshalb ein Vorgehen, mit dem du dir jede neue Ware zügig erschließt.
Leitfragen zu jeder Ware
Mit denselben Fragen kommst du bei Textilien, Haushaltswaren, Elektrogeräten oder Lebensmitteln weiter. Die Antworten sind dein Steckbrief der Ware; die rechte Spalte zeigt ihn für eine Softshelljacke:
| Leitfrage | darum geht es | Softshelljacke |
|---|---|---|
| Was ist es, wofür ist es gedacht? | Warenart, Verwendungszweck, Zielgruppe | Jacke für Wandern und Radfahren bei kühlem, windigem Wetter |
| Woraus besteht es? | Material, Verarbeitung, Herkunft | Polyester mit Elasthan, innen angeraut |
| Was leistet es im Gebrauch? | Gebrauchseigenschaften | winddicht, wasserabweisend, dehnbar, atmungsaktiv |
| Wie wird es gepflegt? | Pflege, Lagerung, Haltbarkeit | schonend bei 30 °C waschen, kein Weichspüler, gelegentlich nachimprägnieren |
| Wie ist es gekennzeichnet? | Pflichtangaben, Prüf-, Güte- und Nachhaltigkeitszeichen | Faserangabe und Pflegesymbole auf dem Etikett |
| Was passt dazu? | Ergänzungs- und Zusatzangebote | Imprägnierspray, Funktionsshirt |
| Wo steht es im Sortiment? | Preislage, Marken, Alternativen | mittlere Preislage, Fleecejacke als günstigere Alternative |
| Was geschieht am Ende der Nutzung? | Reparatur, Rücknahme, Entsorgung | Reparaturservice, Altkleidersammlung |
Informationsquellen
- Im Betrieb: Etikett, Verpackung und Gebrauchsanleitung, die Artikeldaten im Warenwirtschaftssystem oder im eigenen Onlineshop, Schulungen und Unterlagen von Herstellern und Lieferanten, erfahrene Kolleginnen und Kollegen. Auch Reklamationen und Rückfragen von Kunden sind eine Quelle: Sie zeigen, wo eine Ware Schwächen hat oder falsch benutzt wird.
- Außerhalb des Betriebs: Websites und Kataloge der Hersteller, Fachzeitschriften und Fachbücher, Messen, Fachverbände, Testberichte unabhängiger Prüfinstitute und Verbraucherorganisationen, Kundenbewertungen im Internet.
- Eigene Erfahrung: Ware anfassen, vergleichen und, wo es der Betrieb erlaubt, selbst ausprobieren.
Prüfe jede Quelle kritisch. Hersteller stellen die Stärken ihrer Ware heraus, Schwächen nennen sie selten. Unabhängige Tests vergleichen nach offengelegten Kriterien, beziehen sich aber auf ein bestimmtes Modell und einen bestimmten Zeitpunkt. Einzelne Kundenbewertungen spiegeln persönliche Erfahrungen und lassen sich fälschen. Wer mehrere Quellen vergleicht, liegt sicherer.
Eure Abteilung nimmt einen neuen Akku-Staubsauger ins Sortiment. Die Auszubildende liest Datenblatt und Anleitung (Laufzeit je Saugstufe, Ladezeit, Gewicht, Filter), schaut das Schulungsvideo des Herstellers und probiert das Vorführgerät auf Teppich und Fliesen aus. Ein Testbericht zeigt, dass das Gerät auf Teppich etwas schwächer saugt als ein teureres Modell. Ihr Steckbrief enthält deshalb ein ehrliches Argument: „Für Hartböden und kleinere Teppiche ideal, für viel Teppichfläche empfehle ich das stärkere Modell.“
Warenkenntnisse im Verkauf und in der Prüfung
Im Verkaufsgespräch übersetzt du Fachangaben in Kundennutzen. „Atmungsaktiv“ heißt für den Kunden: Er schwitzt beim Bergaufgehen weniger. Fehlt dir eine Angabe, sagst du „Das sehe ich für Sie nach“ und prüfst es, statt zu raten: Eine falsche Auskunft über Eigenschaften oder Pflege führt leicht zu einer Reklamation und kostet Vertrauen.
Im Fachgespräch der Abschlussprüfung Teil 2 ist der Warenbereich, den du in deinem Ausbildungsnachweis dokumentiert hast, ein eigenes Thema. Steckbriefe nach den Leitfragen sind dafür eine gute Vorbereitung: Wer sie während der Ausbildung pflegt, kann Material, Eigenschaften, Pflege und Kennzeichnung seiner Waren sicher erklären und in Kundennutzen übersetzen.
Kapitel 9: Material, Pflege und Warenzeichen
Ein Verkaufsargument ist nur so gut wie das Warenwissen dahinter. Drei Bereiche brauchst du bei fast jeder Ware: woraus sie besteht, was sie im Gebrauch leistet und wie sie gepflegt wird. Dazu kommen die Zeichen auf Ware und Verpackung, nach denen Kunden immer öfter fragen.
Material- und Gebrauchseigenschaften
Materialeigenschaften beschreiben, woraus eine Ware besteht und wie sie verarbeitet ist: Faserart, Metall, Holz, Kunststoff, Glas, Keramik, Leder. Gebrauchseigenschaften beschreiben, was die Ware im Gebrauch leistet und wie sie sich dabei verhält: Festigkeit, Gewicht, Wärme, Umgang mit Feuchtigkeit, Pflegeaufwand, Energieverbrauch, Bedienung. Das Material bestimmt weitgehend die Gebrauchseigenschaften, und erst diese interessieren den Kunden.
| Material | typische Gebrauchseigenschaften | daraus ein Argument |
|---|---|---|
| Baumwolle | nimmt viel Feuchtigkeit auf, hautfreundlich, knittert leicht, trocknet langsam | angenehm auf der Haut, gut für Bettwäsche und Handtücher |
| Merinowolle | wärmt auch feucht, nimmt Gerüche wenig an, empfindlich gegen Hitze und Reibung | mehrere Tage tragbar, ideal für Touren |
| Polyester | reißfest, formbeständig, nimmt wenig Feuchtigkeit auf, trocknet schnell | über Nacht wieder trocken, pflegeleicht |
| Edelstahl (Kochgeschirr) | rostfrei, robust, geschmacksneutral; für Induktion nur mit magnetischem Boden | hält jahrzehntelang, verträgt die Spülmaschine |
Pflegehinweise und Pflegesymbole
Bei Textilien ist die Faserzusammensetzung Pflicht (EU-Textilkennzeichnungsverordnung), Pflegesymbole sind freiwillig, aber verbreitet. Es gibt fünf Grundsymbole:
- Waschbottich für das Waschen: Die Zahl nennt die Höchsttemperatur in °C, Balken darunter verlangen einen schonenden Waschgang, eine Hand im Bottich Handwäsche.
- Dreieck für das Bleichen.
- Quadrat für das Trocknen; mit einem Kreis darin für den Wäschetrockner.
- Bügeleisen für das Bügeln: Ein Punkt steht für niedrige, drei Punkte für hohe Temperatur.
- Kreis für die professionelle Reinigung.
Ein Kreuz durch ein Symbol bedeutet: nicht erlaubt. Bei anderen Waren stehen die Pflegehinweise in der Gebrauchsanleitung, etwa zum Entkalken einer Kaffeemaschine oder zur Reinigung einer beschichteten Pfanne. Gib sie im Gespräch weiter: Richtige Pflege verlängert die Lebensdauer, beugt Reklamationen vor und ist oft der Anlass für ein Zusatzangebot wie Imprägnierspray oder Entkalker.
Prüf-, Güte- und Nachhaltigkeitszeichen
| Zeichen | wer dahintersteht | was es aussagt |
|---|---|---|
| CE-Kennzeichnung | der Hersteller selbst | Er erklärt, dass das Produkt die EU-Vorschriften für seine Produktart erfüllt; kein Prüfzeichen. |
| GS-Zeichen („Geprüfte Sicherheit“) | eine zugelassene, unabhängige Prüfstelle | Die Sicherheit des Produkts wurde geprüft; freiwillig. |
| VDE-Zeichen | das Prüf- und Zertifizierungsinstitut des VDE, eines Fachverbands der Elektrotechnik | Die elektrische Sicherheit wurde geprüft. |
| Gütezeichen, z. B. RAL-Gütezeichen | Gütegemeinschaften mit unabhängiger Überwachung | Festgelegte Qualitätsanforderungen werden erfüllt. |
| Blauer Engel, EU-Ecolabel | staatliche Umweltzeichen (Deutschland, EU) | Das Produkt belastet die Umwelt weniger als vergleichbare Produkte. |
| Grüner Knopf | staatliches Siegel für Textilien | Soziale und ökologische Anforderungen an Produkt und Unternehmen sind erfüllt. |
| EU-Bio-Logo | EU, Pflicht auf vorverpackten Bio-Lebensmitteln aus der EU | Das Lebensmittel erfüllt die EU-Regeln für den ökologischen Landbau und wird kontrolliert. |
| EU-Energielabel | Pflichtangabe bei vielen Elektrogeräten | Energieeffizienzklasse und Verbrauch, für viele Gerätearten mit den Klassen A bis G |
Daneben gibt es private Nachhaltigkeitssiegel von Organisationen, die nach einem Zertifizierungssystem mit unabhängiger Kontrolle vergeben werden. Gegenüber Verbrauchern ist es seit dem 27.09.2026 stets unzulässig, ein Nachhaltigkeitssiegel zu verwenden, das weder auf einem solchen Zertifizierungssystem beruht noch staatlich festgesetzt ist (Anhang Nr. 2a zu § 3 Abs. 3 UWG, siehe LF 5).
Ein Kunde zeigt auf einen Wasserkocher: „Da ist CE drauf, dann hat den also jemand geprüft?“ Richtig ist: „Mit dem CE-Zeichen erklärt der Hersteller selbst, dass er die EU-Vorschriften einhält. Dieses Modell hier trägt zusätzlich das GS-Zeichen, das heißt, eine unabhängige Prüfstelle hat die Sicherheit getestet.“
Zeichen sind gute Argumente, wenn du erklärst, was sie aussagen und was nicht. Energieeffizienzklassen vergleichst du nur innerhalb derselben Geräteart.
Kapitel 10: Verkaufsgespräche beurteilen und verbessern
In der Ausbildung wirst du beim Verkaufen beobachtet und beobachtest selbst: im Rollenspiel in der Berufsschule, wenn die Ausbilderin ein Gespräch mitverfolgt, oder in deiner eigenen Rückschau nach einem schwierigen Kunden. Eine Beurteilung hilft nur, wenn sie sich auf klare Kriterien stützt, fair zurückgemeldet wird und zu einem konkreten nächsten Schritt führt.
Kriterien je Gesprächsphase
Die Phasen des Verkaufsgesprächs sind zugleich die Gliederung jeder Beurteilung. Die Reihenfolge ist nicht starr, aber für jede Phase lässt sich sagen, woran ein gelungenes Gespräch zu erkennen ist und welche Fehler häufig vorkommen:
| Phase | gelungen, wenn … | typischer Fehler |
|---|---|---|
| Kontaktaufnahme | der Kunde zügig wahrgenommen und warenbezogen angesprochen wird | „Kann ich helfen?“, Kunde wartet unbeachtet |
| Bedarfsermittlung | offene Fragen gestellt werden, der Kunde mehr spricht als die Verkaufskraft und der Bedarf zusammengefasst wird | Ware wird gezeigt, bevor der Bedarf klar ist |
| Warenvorlage | zwei bis drei passende Artikel in der richtigen Preislage vorgelegt und ausprobiert werden | zu viele Artikel, Ware wird nur gezeigt |
| Argumentation und Preis | Merkmale in Nutzen für diesen Kunden übersetzt werden und der Preis eingebettet ist | Aufzählen technischer Daten, Preis „leider“ genannt |
| Einwandbehandlung | Einwände ernst genommen und mit einer passenden Methode beantwortet werden | Widerspruch, sofortiger Preisnachlass |
| Kaufabschluss | das Kaufsignal erkannt und mit einer Alternativfrage abgeschlossen wird | Weiterberaten nach dem Kaufsignal, Druck |
| Ergänzungsangebot | ein konkreter, begründeter Artikel angeboten wird | „Sonst noch etwas?“ oder gar kein Angebot |
| Verabschiedung | die Entscheidung bestätigt, die Ware sorgfältig übergeben und zum Wiederkommen eingeladen wird | knappes Abfertigen, Nichtkäufer werden übergangen |
Dazu kommen Kriterien, die das ganze Gespräch betreffen: eine verständliche Sprache ohne Fachchinesisch, positive Formulierungen („Die Größe ist ab Freitag wieder da“ statt „Die gibt es erst Freitag“), eine zugewandte Körpersprache mit Blickkontakt und angemessenem Abstand und ein Gesprächsanteil, bei dem der Kunde ausreichend zu Wort kommt.
Rückmeldung geben und annehmen
Wer ein Gespräch beurteilt, gibt eine Rückmeldung (Feedback). Sie soll helfen, nicht verletzen:
- Beschreiben statt bewerten: sagen, was genau gesagt oder getan wurde, statt „Das war schlecht“.
- Konkret bleiben: eine bestimmte Stelle nennen, am besten mit Wortlaut.
- Ich-Botschaften verwenden: „Mir ist aufgefallen …“, „Ich hatte den Eindruck …“.
- Gelungenes zuerst nennen, dann ein oder zwei Punkte zur Verbesserung, jeweils mit Vorschlag.
- Zeitnah und unter vier Augen, wenn es um ein Gespräch mit echten Kunden geht.
Wer eine Rückmeldung bekommt, hört zu, lässt ausreden, fragt bei Unklarem nach und rechtfertigt sich nicht. Was du davon umsetzt, entscheidest du selbst.
Wenig hilfreich: „Du redest immer zu viel.“ Hilfreich: „Bei der Kundin mit der Schreibtischlampe hast du fünf Lampen gezeigt, bevor du wusstest, wie groß ihr Schreibtisch ist. Ich hatte den Eindruck, dass sie dadurch unsicher wurde. Frag beim nächsten Mal zuerst, wofür sie das Licht braucht und wie viel Platz sie hat.“
Das eigene Verhalten verbessern
Verbesserung gelingt in kleinen Schritten:
- Das Gespräch beobachten und Stichworte notieren: Was wurde gesagt, wie hat der Kunde reagiert?
- Die Notizen mit den Kriterien je Phase abgleichen.
- Rückmeldung geben oder einholen.
- Ein oder zwei Punkte auswählen und neue Formulierungen vorbereiten, etwa eine warenbezogene Eröffnung für die eigene Abteilung.
- Die neuen Formulierungen im nächsten Gespräch oder Rollenspiel ausprobieren.
- Erneut beobachten und vergleichen, ob es besser gelungen ist.
Kapitel 11: Kommunikation im Verkaufsgespräch: Modelle und Formulierungen
Das Kapitel „Kontaktaufnahme und Gesprächseröffnung“ zeigt Blickkontakt, Körperhaltung und Distanzzonen. Hier geht es darum, wie eine Nachricht beim Kunden ankommt und wie du deine Worte wählst.
Sender und Empfänger
Wer spricht, ist Sender: Er übersetzt seine Gedanken in Worte, Tonfall und Gesten (verschlüsseln). Der Empfänger übersetzt das Gehörte mit seinem Wissen und seinen Erfahrungen zurück (entschlüsseln). Verstanden ist nur, was beim Empfänger ankommt. Störungen entstehen durch Fachbegriffe, die der Kunde nicht kennt, durch Lärm und Ablenkung oder durch Vorurteile. Eine Rückmeldung klärt, ob die Nachricht angekommen ist: nachfragen oder zusammenfassen („Sie suchen also eine Jacke für Radtouren im Herbst?“).
Die vier Seiten einer Nachricht
Nach dem Kommunikationsquadrat des Psychologen Friedemann Schulz von Thun enthält jede Äußerung vier Botschaften zugleich: den Sachinhalt (worüber informiere ich?), die Selbstkundgabe (was zeige ich von mir?), die Beziehung (wie stehe ich zu dir?) und den Appell (wozu will ich dich bewegen?). Der Empfänger hört gleichsam mit vier Ohren. Missverständnisse entstehen, wenn er vor allem auf einer anderen Seite hört, als der Sender gemeint hat.
Ein Kunde sagt: „Die Jacke ist aber teuer.“ Sachinhalt: Der Preis liegt über seiner Erwartung. Selbstkundgabe: Er ist unsicher, ob sich der Kauf lohnt. Beziehung: Er erwartet, dass du ehrlich sagst, ob die Jacke den Preis wert ist. Appell: Begründe den Preis oder zeig mir etwas Günstigeres. Hörst du nur auf dem Beziehungsohr („Er hält mich für eine Abzockerin“), reagierst du gekränkt. Hörst du den Appell, erklärst du den Nutzen oder legst ein zweites Modell vor.
Verbale Signale: wie du formulierst
- Sie-Formulierung: Der Kunde und sein Nutzen stehen im Mittelpunkt, nicht deine Meinung. „Damit bleiben Sie auch bei Dauerregen trocken“ statt „Ich finde die Jacke super“.
- Positiv formulieren: „Größe M ist am Donnerstag wieder da“ statt „M haben wir nicht“.
- Verständlich sprechen: Fachbegriffe übersetzen, kurze Sätze bilden.
- Bestimmt bleiben: Weichmacher wie „eigentlich“, „vielleicht“ oder „ich würde mal sagen“ schwächen jede Aussage.
- Ich-Botschaften bei Problemen: Ist etwas schiefgelaufen oder ist ein Kunde verärgert, sprichst du aus deiner Sicht, statt Vorwürfe zu machen: „Ich habe Ihren Wunsch offenbar falsch verstanden“ statt „Da haben Sie sich unklar ausgedrückt“.
Die Sie-Formulierung gehört also zur Nutzenargumentation, die Ich-Botschaft zu Kritik und Konflikt. Passen Worte und Körpersprache nicht zusammen, glaubt der Kunde meist der Körpersprache: Wer „Gern helfe ich Ihnen“ sagt und dabei aufs Handy schaut, wirkt abweisend. Merksatz: Gemeint ist nicht gesagt, gesagt ist nicht verstanden; frag nach und formuliere vom Kunden aus.
Kapitel 12: Verkaufsgespräche auf Englisch
In Innenstädten, Urlaubsorten und Grenzregionen kommen täglich Kunden, die kein Deutsch sprechen. Meist reicht Englisch. Du brauchst dafür kein perfektes Englisch, sondern sichere Sätze für jede Phase des Verkaufsgesprächs. Die Regeln aus den Kapiteln zum Verkaufsgespräch gelten weiter: offene Fragen, Nutzen statt Merkmale, freundlicher Abschluss.
Redewendungen je Phase
| Phase | Redewendung | Bedeutung |
|---|---|---|
| Kontakt | Good morning. How can I help you? | Guten Morgen. Wie kann ich Ihnen helfen? |
| Bedarf | What will you use them for? | Wofür möchten Sie sie verwenden? |
| Bedarf | What size do you take? | Welche Größe haben Sie? |
| Ware vorlegen | Would you like to try them on? | Möchten Sie sie anprobieren? |
| Ware vorlegen | The fitting rooms are over there, on the left. | Die Umkleidekabinen sind dort links. |
| Argumente | This jacket is waterproof and very light. | Diese Jacke ist wasserdicht und sehr leicht. |
| Preis | It's 89 euros. It's 20 per cent off this week. | Sie kostet 89 Euro. Diese Woche gibt es 20 % Rabatt. |
| Nicht vorrätig | I'm afraid we don't have it in your size. I can order it for you. | Leider haben wir sie nicht in Ihrer Größe. Ich kann sie für Sie bestellen. |
| Kasse | How would you like to pay, by card or in cash? | Wie möchten Sie zahlen, mit Karte oder bar? |
| Umtausch | Do you have the receipt? Would you like an exchange or a refund? | Haben Sie den Kassenbon? Möchten Sie umtauschen oder das Geld zurück? |
| Abschluss | Thank you for shopping with us. Have a nice day! | Danke für Ihren Einkauf. Einen schönen Tag noch! |
Höflich bleiben
Im Englischen klingen direkte Befehle schnell unhöflich. Statt „You must pay over there“ sagst du „Could you pay at the till over there, please?“. Schlechte Nachrichten leitest du mit „I'm afraid …“ ein und bietest gleich eine Lösung an. Hast du etwas nicht verstanden, fragst du nach: „Sorry, could you say that again, please?“ Kommst du nicht weiter, holst du freundlich eine Kollegin dazu, statt das Gespräch abzubrechen.
Wichtige Fachausdrücke
receipt (Kassenbon), till (Kasse), size (Größe), fitting room / changing room (Umkleidekabine), discount (Preisnachlass), sale (Ausverkauf, Sonderangebote), exchange (Umtausch), refund (Rückerstattung des Kaufpreises), in stock (vorrätig), sold out (ausverkauft).
In der Sporthaus Velsterbeck GmbH spricht Leonie einen Kunden an, der vor den Wanderschuhen steht: „Good afternoon. How can I help you?“ – „I'm looking for hiking boots.“ – „What will you use them for?“ – „Two weeks in the Alps.“ – „Then these boots are a good choice. They are waterproof and give your ankles support. What size do you take?“ – „Forty-four.“ – „Here you are. Would you like to try them on?“
Nachschlagen
Fachbegriffe und Formeln zum Nachschlagen, jeweils auf einer Seite.
Fachbegriffe aus diesem Lernfeld
- Aktives Zuhören
- Gesprächstechnik, bei der man dem Gegenüber volle Aufmerksamkeit zeigt, es ausreden lässt, bei Unklarem nachfragt und das Gehörte mit eigenen Worten zusammenfasst, um zu prüfen, ob man es richtig verstanden hat. Im Kunden- und Beschwerdegespräch zeigt es Wertschätzung, hilft den Bedarf genau zu erkennen und beugt Missverständnissen vor.
- Bedarfsermittlung
- Phase des Verkaufs- oder Beratungsgesprächs, in der geklärt wird, wofür der Kunde etwas braucht, welche Vorstellungen er hat und welchen Preisrahmen er sich setzt. Bei der direkten Methode fragt die Verkaufskraft gezielt, vor allem mit offenen Fragen; bei der indirekten legt sie früh eine kleine Auswahl vor und beobachtet, wie der Kunde darauf reagiert. Aktives Zuhören und kurzes Zusammenfassen sichern, dass der Bedarf richtig verstanden wurde.
- Einwand
- Sachlicher Grund, den ein Kunde gegen den Kauf vorbringt, etwa zu Preis, Eigenschaften oder Bedingungen; er zeigt meist, dass sich der Kunde ernsthaft mit dem Angebot befasst. Die Verkaufskraft nimmt ihn ernst und entkräftet ihn, zum Beispiel mit bedingter Zustimmung (Ja-aber-Methode), einer Rückfrage oder der Bumerang-Methode. Davon zu unterscheiden ist der Vorwand: ein vorgeschobener Grund, hinter dem der Kunde seine eigentliche Ablehnung oder Unsicherheit verbirgt.
- Ergänzungsangebot
- Angebot von Waren oder Leistungen, die den Artikel ergänzen, für den sich der Kunde entschieden hat, vor allem solche, ohne die er ihn nicht oder kaum nutzen kann, etwa Filtertüten zur Kaffeemaschine oder ein Ladegerät zum Akkuwerkzeug. Artikel, die den Hauptartikel pflegen oder seinen Nutzen steigern, werden oft gesondert als Zusatzangebot bezeichnet. Anders das Alternativangebot (Ersatzangebot): Es tritt an die Stelle des gewünschten Artikels, wenn dieser fehlt oder nicht passt.
- Feedback
- Rückmeldung an eine Person, wie ihr Verhalten oder ihre Arbeit auf andere wirkt, damit sie daraus lernen kann. Gutes Feedback ist konkret und zeitnah, beschreibt beobachtetes Verhalten, statt die Person zu bewerten, nutzt Ich-Botschaften und nennt auch Gelungenes. Wer Feedback bekommt, hört zu, fragt bei Unklarem nach und rechtfertigt sich nicht.
- Gütezeichen
- Zeichen auf einer Ware oder ihrer Verpackung, das bestätigt, dass sie festgelegte Anforderungen an Qualität, Sicherheit, Umwelt- oder Sozialverträglichkeit erfüllt; es wird nach veröffentlichten Regeln vergeben und von einer vom Hersteller unabhängigen Stelle geprüft oder überwacht, etwa als Prüf-, Umwelt- oder Biozeichen. Für Kunden ist es eine Entscheidungshilfe, im Verkaufsgespräch ein Argument. Gegenüber Verbrauchern ist es stets unzulässig, ein Gütezeichen ohne die nötige Genehmigung zu verwenden oder ein Nachhaltigkeitssiegel anzubringen, das weder auf einem Zertifizierungssystem mit unabhängiger Prüfung beruht noch staatlich festgesetzt ist (Anhang Nr. 2 und 2a zu § 3 Abs. 3 UWG).
- Kaufmotiv
- Beweggrund, aus dem ein Kunde eine Ware kauft. Man unterscheidet rationale Motive wie Preis, Qualität, Haltbarkeit oder Zweckmäßigkeit und emotionale Motive wie Prestige, Nachahmung oder Freude am Neuen. Aus den vorherrschenden Motiven und dem Verhalten ergeben sich Kundentypen, etwa der preisbewusste, der qualitätsbewusste oder der unentschlossene Kunde, auf die die Verkaufskraft ihre Argumente abstimmt.
- Nutzenargumentation
- Verkaufsargumentation, die Eigenschaften einer Ware oder Dienstleistung in einen persönlichen Nutzen für den Kunden übersetzt: vom Merkmal (was das Produkt hat) über den Vorteil (was es dadurch leistet) zum Nutzen (was der Kunde davon hat). Beispiel: Der Akku hält zwölf Stunden (Merkmal), das Gerät übersteht also einen ganzen Arbeitstag (Vorteil), der Kunde muss unterwegs nicht nachladen (Nutzen). Grundlage ist die Bedarfsermittlung, denn ein Nutzen überzeugt nur, wenn er zum Bedarf passt.
- Offene Frage
- Frage ohne vorgegebene Antworten, auf die das Gegenüber frei mit eigenen Worten antwortet; sie beginnt meist mit einem Fragewort (W-Frage) wie was, wie oder wofür, z. B. „Wofür möchten Sie das Gerät nutzen?“. Anders als geschlossene Fragen, also Ja-Nein-Fragen und Alternativfragen, bringt sie das Gegenüber zum Erzählen und hilft bei der Bedarfsermittlung. Im Fragebogen erlaubt sie freie Antworten, die sich aber schwerer auswerten lassen als die vorgegebenen Antworten geschlossener Fragen.
- Verkaufsgespräch
- Gespräch, in dem eine Verkaufskraft einen Kunden berät und zu einer Kaufentscheidung führt. Es verläuft meist in Phasen: Kontaktaufnahme, Bedarfsermittlung, Warenvorlage, Verkaufsargumentation mit Preisnennung, Einwandbehandlung, Herbeiführen der Kaufentscheidung, Ergänzungsangebote vor dem Bezahlen und Verabschiedung, wobei die Reihenfolge nicht starr ist. Anhand dieser Phasen lässt sich ein Gespräch nachträglich auswerten und das eigene Verhalten verbessern.
- Vier-Seiten-Modell
- Kommunikationsmodell des Psychologen Friedemann Schulz von Thun, auch Kommunikationsquadrat oder Vier-Ohren-Modell genannt, nach dem jede Nachricht vier Seiten zugleich hat: Sachinhalt (Worüber informiere ich?), Selbstkundgabe (Was zeige ich von mir?), Beziehung (Wie stehe ich zu dir?) und Appell (Wozu möchte ich dich bewegen?). Missverständnisse entstehen, wenn der Empfänger eine Nachricht vor allem auf einer anderen Seite aufnimmt, als der Sender sie gemeint hat.
- Warenvorlage
- Phase des Verkaufsgesprächs, in der die Verkaufskraft dem Kunden passende Ware zeigt, und zwar möglichst früh: bei direkter Bedarfsermittlung, sobald die wichtigsten Wünsche geklärt sind, bei indirekter gleich zu Beginn als Testangebot. Sie legt eine überschaubare Auswahl vor, beginnt meist in der mittleren Preislage und lässt den Kunden die Ware anfassen, ausprobieren oder anprobieren, damit er sie mit mehreren Sinnen erlebt.