Lernfeld 11: Waren lagern (Großhandel)
Lernfeld für Kaufleute für Groß- und Außenhandelsmanagement im 3. Ausbildungsjahr, nach dem Rahmenlehrplan der KMK.
- Kapitel
- 14
- Aufgaben
- 52
- Fachrichtung
- Großhandel
- Ausbildungsjahr
- 3
- Lernfeldstunden
- 80
Kapitel 1: Anlieferung überwachen und Ware annehmen
Von der Rampe bis zur Unterschrift
Bei der Velbrink Technischer Großhandel GmbH kommen an einem normalen Tag 30 bis 40 Anlieferungen an: Paletten von Speditionen, Pakete von Paketdiensten und ganze Ladungen von Herstellern. Damit sich an der Rampe keine Lkw stauen, vergibt der Wareneingang Zeitfenster. Die Spedition kündigt die Sendung vorher an (Avis) und nennt Bestellnummer, Zahl der Packstücke und Gewicht. So weiß das Lager, welche Ware kommt, und kann Personal und Stellfläche einplanen.
Prüfung in Gegenwart des Fahrers. Bevor du die Anlieferung quittierst, prüfst du zusammen mit dem Fahrer:
- ob die Sendung wirklich für Velbrink bestimmt ist und zu einer offenen Bestellung passt,
- ob die Zahl der Packstücke mit dem Frachtbrief, bei Stückgut mit der Rollkarte übereinstimmt (der Liste, auf der die Spedition alle Sendungen einer Zustelltour führt),
- ob Verpackung, Folie und Paletten äußerlich unbeschädigt sind: eingedrückte Kartons, nasse Stellen, aufgerissene Folie, ausgelaufene Flüssigkeit.
Den Inhalt der Kartons prüfst du dabei noch nicht; das folgt am selben Tag in der Inhaltsprüfung.
Schäden vermerken. Mit deiner Unterschrift bestätigst du dem Frachtführer die Ablieferung. Ist ein Schaden äußerlich erkennbar, musst du ihn spätestens jetzt anzeigen. Sonst wird vermutet, dass die Sendung vollständig und unbeschädigt angekommen ist (§ 438 Abs. 1 HGB). Der Vermerk muss den Schaden hinreichend deutlich beschreiben (§ 438 Abs. 1 Satz 2 HGB): welches Packstück, welcher Schaden, wie viel. Ein Stempel „unter Vorbehalt“ reicht dafür nicht. Lass den Fahrer den Vermerk gegenzeichnen und fotografiere den Schaden.
Annahme verweigern. Du verweigerst die Annahme, wenn die Sendung nicht bestellt ist oder nicht für Velbrink bestimmt ist, wenn eine Nachnahme oder Frachtkosten verlangt werden, die nicht vereinbart sind, oder wenn Packstücke so zerstört sind, dass der Inhalt erkennbar unbrauchbar ist und die Dienstanweisung die Verweigerung vorsieht. Der Frachtführer nimmt die Sendung dann wieder mit und holt Weisungen beim Absender ein (§ 419 Abs. 1 HGB). Bestellte Ware, die nur leicht beschädigt ist, nimmst du dagegen mit genauem Vermerk an. Wer ordnungsgemäß angebotene Ware zurückweist, gerät in Annahmeverzug (§ 293 BGB).
Am Montag, 02.11.2026, bringt eine Spedition eine Sendung eines Befestigungsherstellers. Laut Frachtbrief sind es 5 Paletten, auf dem Lkw stehen 4. Bei einer Palette ist die Folie aufgerissen, zwei Kartons sind eingedrückt. Du vermerkst auf dem Frachtbrief: „Nur 4 von 5 Paletten erhalten, 1 Palette fehlt. Palette mit Lieferscheinnummer 4471-03: Folie aufgerissen, 2 Kartons eingedrückt, Inhalt noch nicht geprüft.“ Der Fahrer zeichnet gegen, du machst Fotos und meldest den Befund noch am selben Tag dem Einkauf.
Kapitel 2: Rechte gegenüber dem Frachtführer durchsetzen
Haftung des Frachtführers, Höchstbetrag und Fristen
Geht eine Sendung auf dem Transport verloren, wird sie beschädigt oder kommt sie zu spät, richtet sich der Anspruch nicht gegen den Lieferanten, sondern gegen den Frachtführer. Velbrink kann ihn als Empfänger im eigenen Namen geltend machen, auch wenn der Lieferant den Frachtvertrag geschlossen hat (§ 421 Abs. 1 HGB). Ob Velbrink den Schaden am Ende selbst trägt, entscheidet der Kaufvertrag, nämlich wann die Gefahr übergegangen ist (Lernfeld 2).
Obhutshaftung. Der Frachtführer haftet für Verlust und Beschädigung in der Zeit von der Übernahme bis zur Ablieferung und für Schäden durch Überschreitung der Lieferfrist (§ 425 Abs. 1 HGB). Auf Verschulden kommt es nicht an. Frei wird er nur, wenn der Schaden auch bei größter Sorgfalt unvermeidbar war (§ 426 HGB) oder auf besondere Gefahren zurückgeht, etwa ungenügende Verpackung oder Kennzeichnung durch den Absender (§ 427 Abs. 1 HGB). Als Lieferfrist gilt die vereinbarte Frist, sonst die Zeit, die ein sorgfältiger Frachtführer vernünftigerweise braucht (§ 423 HGB).
Umfang. Ersetzt wird der Wert des Gutes am Ort und zur Zeit der Übernahme; war die Ware gerade verkauft, wird vermutet, dass der Rechnungspreis ohne Beförderungskosten ihr Wert ist (§ 429 Abs. 3 HGB). Hinzu kommen die Kosten der Schadensfeststellung und die Fracht (§§ 430, 432 HGB). Entgangenen Gewinn ersetzt der Frachtführer nicht.
Höchstbetrag. Bei Verlust und Beschädigung ist die Entschädigung auf 8,33 Sonderziehungsrechte (SZR) je Kilogramm Rohgewicht begrenzt (§ 431 Abs. 1 HGB). Maßgeblich ist nur der entwertete Teil der Sendung (§ 431 Abs. 2 HGB). Für eine Überschreitung der Lieferfrist haftet der Frachtführer höchstens mit dem Dreifachen der Fracht (§ 431 Abs. 3 HGB). Die Grenzen entfallen, wenn er vorsätzlich oder leichtfertig gehandelt hat (§ 435 HGB).
Fristen.
| Fall | Anzeige an den Frachtführer |
|---|---|
| Verlust oder Schaden äußerlich erkennbar | spätestens bei Ablieferung (§ 438 Abs. 1 HGB) |
| Schaden äußerlich nicht erkennbar | innerhalb von sieben Tagen nach Ablieferung (§ 438 Abs. 2 HGB) |
| Lieferfrist überschritten | innerhalb von 21 Tagen nach Ablieferung (§ 438 Abs. 3 HGB) |
Nach der Ablieferung zeigst du in Textform an, etwa per E-Mail; für die Frist zählt die Absendung (§ 438 Abs. 4 HGB). Ohne rechtzeitige Anzeige wird vermutet, dass die Sendung unbeschädigt ankam; Ansprüche wegen Verspätung erlöschen. Die Ansprüche verjähren in einem Jahr (§ 439 Abs. 1 HGB).
Eine Palette Elektrowerkzeuge mit 420 kg Rohgewicht und einem Rechnungswert von 9.800,00 € verschwindet beim Umschlag in einem Speditionslager. Angenommener Kurs: 1 SZR = 1,16 €. Höchstbetrag: 8,33 × 420 × 1,16 € = 4.058,38 €. Ungedeckt bleiben 5.741,62 €. Deshalb versichert Velbrink wertvolle Sendungen zusätzlich.
Kapitel 3: Wareneingang kontrollieren und erfassen
Inhalt prüfen und im Warenwirtschaftssystem buchen
Nach der äußeren Prüfung mit dem Fahrer öffnet der Wareneingang die Packstücke. Jetzt geht es um die Frage, ob die gelieferte Ware zur Bestellung passt. Dazu vergleichst du drei Dinge miteinander: die Bestellung im Warenwirtschaftssystem, den Lieferschein des Lieferanten und die Ware selbst.
Was du prüfst.
- Art: Artikelnummer, Ausführung, Größe, Farbe. Schrauben 6 × 100 mm statt 6 × 120 mm sind eine Falschlieferung.
- Menge: Packstücke zählen und mit der Packungsgröße multiplizieren, lose Ware wiegen oder messen.
- Qualität und Beschaffenheit: Bruch, Rost, Feuchtigkeit, Haltbarkeitsdatum bei Klebstoffen und Chemie, vorgeschriebene Kennzeichnung wie das CE-Zeichen.
Bei großen Liefermengen öffnest du nicht jeden Karton. Der Prüfplan legt je Warengruppe fest, wie viele Stichproben du ziehst. Findest du einen Fehler, prüfst du weitere Kartons oder die ganze Lieferung.
Lagerware oder Kundenware? Die meisten Artikel sind Lagerware: Sie werden eingelagert und später an viele Kunden verkauft. Manche Ware hat Velbrink für einen bestimmten Kundenauftrag bestellt, etwa eine Sonderanfertigung. Diese Kundenware wird gebucht, dem Auftrag zugeordnet und ohne Einlagerung in die Versandbereitstellung gebracht (Cross-Docking). Beim Streckengeschäft kommt die Ware gar nicht zu Velbrink, sondern geht direkt vom Hersteller zum Kunden.
Erfassen. Mit dem Scanner liest du den Barcode des Lieferscheins oder der Palette und buchst den Wareneingang gegen die Bestellung. Der Bestellbestand sinkt um die gelieferte Menge, der Buchbestand steigt um die gebuchte Menge; frei verfügbar wird nur, was nicht gesperrt ist. Abweichungen hältst du sofort fest:
| Befund | Buchung im Warenwirtschaftssystem |
|---|---|
| Mindermenge | nur die gelieferte Menge buchen; der Rest bleibt offen, bis der Einkauf geklärt hat, ob er nachkommt |
| Mehrmenge | nur die bestellte Menge buchen; der Einkauf entscheidet über den Rest |
| beschädigte Ware | als gesperrten Bestand buchen, damit sie nicht verkauft wird |
| Falschlieferung | nicht auf den bestellten Artikel buchen, getrennt abstellen, Einkauf informieren |
Korrekturbuchung. Hast du dich verbucht, überschreibst du den Bestand nicht einfach. Du stornierst die falsche Buchung und buchst neu. So bleibt nachvollziehbar, was geschehen ist.
Velbrink hat 96 Kartons Montageschaum bestellt. Der Lieferschein nennt 90 Kartons, die Restmenge folgt in einer Woche. Du buchst 90 Kartons ein; 6 Kartons bleiben als Bestellbestand offen.
Kapitel 4: Lagerplätze vergeben und Ware warengerecht lagern
Festplatz, freie Platzvergabe und Lagerverwaltungssystem
Im Lager von Velbrink liegen rund 26.000 Artikel. Damit jeder Artikel schnell gefunden wird, hat jeder Lagerplatz eine Nummer, zum Beispiel 04-12-3-2: Gang 04, Regal 12, Ebene 3, Fach 2. Wie die Artikel den Plätzen zugeordnet werden, regelt die Lagerplatzvergabe.
Festplatzsystem. Jeder Artikel hat seinen festen Platz. Die Beschäftigten kennen die Plätze bald auswendig, auch ohne System findet man die Ware. Der Platz muss aber für den Höchstbestand reichen und bleibt leer, wenn der Bestand sinkt. Velbrink nutzt feste Plätze im Fachbodenregal, aus dem täglich kommissioniert wird, und im Abholmarkt.
Freie Platzvergabe (chaotische Lagerung). Neue Ware kommt auf irgendeinen freien Platz, den das Lagerverwaltungssystem vorschlägt. Ein Artikel kann an mehreren Plätzen liegen. Die Fläche wird besser genutzt, weil nur Platz für den Bestand gebraucht wird, der tatsächlich da ist. Ohne das System findet aber niemand etwas; jede Bewegung muss gescannt werden. Velbrink lagert so die Reservepaletten im Hochregallager.
Aufgaben des Lagerverwaltungssystems. Es verwaltet alle Plätze mit Belegung, schlägt beim Wareneingang einen Platz vor, steuert Nachschub vom Reservelager in die Kommissionierplätze, erzeugt Kommissionieraufträge und zeigt für die Inventur, was wo liegen müsste.
Warengerecht lagern.
- schwere Ware unten, leichte oben; Schnelldreher nahe am Warenausgang,
- Werkzeuge und Metallteile trocken, damit nichts rostet,
- Kleb- und Dichtstoffe frostfrei und nach Haltbarkeit,
- Gefahrstoffe getrennt im Gefahrstofflager mit Auffangwanne,
- Langgut wie Rohre und Profile im Kragarmregal, sperrige Ware im Freilager mit Witterungsschutz.
Auslagern. Meist gilt FIFO (first in, first out): Was zuerst eingelagert wurde, geht zuerst hinaus. Bei Ware mit Haltbarkeitsdatum geht FEFO (first expired, first out) vor: Was zuerst abläuft, wird zuerst ausgelagert.
Lager pflegen. Zur Pflege gehören Sauberkeit, die Kontrolle auf Schäden, Feuchtigkeit und abgelaufene Ware und das Nachziehen verrutschter Paletten.
Eine Palette Holzbauschrauben trifft ein. Das Lagerverwaltungssystem prüft den Bestand im Fachbodenregal: Der feste Kommissionierplatz ist noch zu zwei Dritteln gefüllt. Es schlägt deshalb für die Palette den freien Hochregalplatz 07-03-5-1 vor. Du scannst Palette und Platz. Sinkt der Bestand im Fachboden unter die Nachschubmenge, erzeugt das System einen Nachschubauftrag aus genau diesem Platz.
Kapitel 5: Bestände disponieren
Bestellvorschläge des Systems prüfen
Wie Mindest-, Melde- und Höchstbestand berechnet werden, kennst du aus Lernfeld 3. Im Lager geht es um die Anwendung: Die Disposition von Velbrink prüft jeden Morgen die Bestellvorschläge, die das Warenwirtschaftssystem über Nacht erzeugt hat, und entscheidet, ob und wie viel bestellt wird.
Mit welchem Bestand vergleichen? Mit dem Meldebestand vergleicht die Disposition den freien Bestand plus Bestellbestand. Reservierte und gesperrte Ware zählt nicht mit, weil sie nicht mehr verkauft werden kann. Offene Bestellungen zählen dagegen mit; sonst würde doppelt bestellt.
Bestellpunktverfahren. Erreicht dieser Bestand den Meldebestand, wird bestellt. Wie lange das noch dauert, zeigt die Reichweite:
Tage bis zum Meldebestand = (Bestand − Meldebestand) ÷ Tagesabsatz
Soll die Lieferung den Bestand wieder auf den Höchstbestand bringen und trifft sie ein, wenn der Mindestbestand erreicht ist, gilt: Bestellmenge = Höchstbestand − Mindestbestand.
Bestellrhythmusverfahren. Am festen Bestelltag wird so viel bestellt, dass der Bestand beim Eintreffen der Ware wieder den Höchstbestand erreicht. Bis dahin wird weiter verkauft:
Bestellmenge = Höchstbestand − (Bestand am Bestelltag − Tagesabsatz × Beschaffungszeit)
Wenn sich der Absatz ändert. Steigt der Tagesabsatz, sind Mindest- und Meldebestand zu niedrig: Die Ware geht aus, bevor die Lieferung kommt. Die Disposition passt die Werte an, wenn sich der Absatz dauerhaft ändert, etwa durch einen neuen Großkunden oder eine Saison. Sinkt der Absatz, bindet ein zu hoher Meldebestand unnötig Kapital und Lagerplatz.
Trennscheiben: Tagesabsatz 60 Stück, Beschaffungszeit 5 Verkaufstage, Mindestbestand für 4 Verkaufstage, also 240 Stück. Meldebestand: 60 × 5 + 240 = 540 Stück. Velbrink bestellt jeweils 1.200 Stück; der Höchstbestand liegt bei 240 + 1.200 = 1.440 Stück. Heute zeigt das System einen freien Bestand von 610 Stück, offen ist keine Bestellung. Der Bestand reicht noch für 610 ÷ 60 ≈ 10,17 Verkaufstage, den Meldebestand erreicht er in gut einem Verkaufstag: (610 − 540) ÷ 60 ≈ 1,17. Bestellt wird noch nicht, aber übermorgen.
Kapitel 6: Lagerkennzahlen ermitteln und beurteilen
Durchschnittsbestand, Umschlagshäufigkeit und Lagerdauer
Ein Großhändler lebt davon, dass seine Kunden die Ware sofort bekommen. Jeder Artikel im Regal bindet aber Geld, das Velbrink vorfinanziert hat, bis der Kunde bezahlt. Lagerkennzahlen zeigen, ob Bestand und Absatz zueinander passen.
Durchschnittlicher Lagerbestand. Er zeigt, wie viel Ware im Mittel auf Lager liegt.
durchschnittlicher Lagerbestand = (Anfangsbestand + Endbestand) ÷ 2
Schwanken die Bestände im Jahr stark, rechnest du genauer mit mehreren Stichtagen: Anfangsbestand plus die Endbestände aller Quartale, geteilt durch 5, oder Anfangsbestand plus 12 Monatsendbestände, geteilt durch 13.
Umschlagshäufigkeit. Sie gibt an, wie oft der durchschnittliche Bestand im Jahr verkauft und ersetzt wurde.
Umschlagshäufigkeit = Wareneinsatz ÷ durchschnittlicher Lagerbestand
Zähler und Nenner müssen dieselbe Basis haben: beide in Stück oder beide in Euro zu Einstandspreisen. Der Umsatz zu Verkaufspreisen passt nicht in die Formel, weil der Bestand zu Einstandspreisen bewertet ist.
Durchschnittliche Lagerdauer. Sie zeigt, wie viele Tage die Ware im Mittel im Lager liegt. Kaufmännisch rechnest du mit 360 Tagen.
durchschnittliche Lagerdauer = 360 ÷ Umschlagshäufigkeit
Beurteilen. Eine Kennzahl allein sagt wenig. Aussagekräftig wird sie im Vergleich mit dem Vorjahr, mit anderen Warengruppen, mit einem Zielwert oder mit Branchenwerten. Steigt die Umschlagshäufigkeit, ist weniger Kapital gebunden, und das Risiko sinkt, dass Ware veraltet, beschädigt wird oder verdirbt. Ist sie sehr hoch, kann der Bestand aber zu knapp sein: Dann drohen Fehlmengen und unzufriedene Kunden. Typische Ursachen einer sinkenden Umschlagshäufigkeit sind zu große Bestellmengen, zu hohe Sicherheitsbestände, Ladenhüter und ein Absatzrückgang. Gegenmaßnahmen sind kleinere, häufigere Bestellungen, angepasste Meldebestände, Abverkauf oder Auslistung von Ladenhütern und Lieferanten mit kurzen Lieferzeiten.
Artikelgruppe Handwerkzeuge (Warengruppe Werkzeuge) im Geschäftsjahr 2025: Anfangsbestand 960.000 €, Endbestand 1.000.000 €, jeweils zu Einstandspreisen. Durchschnittsbestand: (960.000 € + 1.000.000 €) ÷ 2 = 980.000 €. Wareneinsatz: 3.920.000 €. Umschlagshäufigkeit: 3.920.000 € ÷ 980.000 € = 4. Lagerdauer: 360 ÷ 4 = 90 Tage. Ein Handwerkzeug liegt also im Mittel ein Vierteljahr im Lager, bevor es verkauft wird.
Kapitel 7: Eigen- oder Fremdlager?
Lagerkosten gliedern und vergleichen
Ein Lager kostet Geld, auch wenn darin nichts bewegt wird. Bevor Velbrink zusätzliche Fläche schafft, vergleicht die Logistikleitung, ob ein eigenes Lager oder ein Lager bei einem Logistikdienstleister günstiger ist. Im Fremdlager schließt Velbrink einen Lagervertrag: Der Lagerhalter lagert und verwahrt die Ware, Velbrink zahlt die vereinbarte Vergütung (§ 467 HGB).
Lagerkosten im Eigenlager.
| Kostenart | Beispiele | Verhalten bei schwankendem Bestand |
|---|---|---|
| Raumkosten | Miete oder Abschreibung der Halle, Heizung, Instandhaltung, Gebäudeversicherung | fix |
| Einrichtung und Fördermittel | Abschreibung und Wartung von Regalen und Staplern | fix |
| Personal | Stammpersonal im Lager | weitgehend fix |
| mengenabhängige Kosten | Verpackungsmaterial, Paletten, Aushilfen, Energie der Stapler | variabel |
| Kosten der Ware | gebundenes Kapital, Versicherung der Ware, Schwund und Veralterung | variabel |
Im Fremdlager zahlt Velbrink dagegen ein Lagergeld je Palette und Monat, oft dazu Gebühren für Ein- und Auslagerung. Die Kosten sind fast vollständig variabel: Liegt weniger Ware im Lager, kostet es weniger.
Kritische Lagermenge. Bei kleinem Bestand ist das Fremdlager günstiger, weil keine fixen Kosten anfallen. Je mehr Paletten lagern, desto stärker verteilen sich die fixen Kosten des Eigenlagers. Bei der kritischen Lagermenge sind beide gleich teuer:
kritische Lagermenge = fixe Kosten des Eigenlagers ÷ (Lagergeld je Einheit im Fremdlager − variable Kosten je Einheit im Eigenlager)
Alle Werte beziehen sich auf denselben Zeitraum, etwa einen Monat. Liegt der erwartete durchschnittliche Bestand darüber, ist das Eigenlager günstiger, darunter das Fremdlager.
Was die Rechnung nicht zeigt. Für das Eigenlager sprechen die Kontrolle über Abläufe und Qualität, Beschäftigte, die das Sortiment kennen, und kurze Wege zum Abholmarkt. Für das Fremdlager sprechen die Flexibilität bei schwankenden Mengen, dass kein Kapital für Halle und Einrichtung gebunden wird, und Fachwissen, etwa für Gefahrstoffe. Dafür macht sich Velbrink vom Dienstleister abhängig und braucht einen verlässlichen Datenaustausch mit dessen Lagerverwaltungssystem.
Eine angemietete Halle für Saisonware kostet Velbrink fix 9.600 € im Monat, variabel 3,20 € je Palette und Monat. Ein Dienstleister verlangt 9,20 € je Palette und Monat. Kritische Lagermenge: 9.600 € ÷ (9,20 € − 3,20 €) = 1.600 Paletten. Bei erwarteten 1.400 Paletten kostet das Eigenlager 14.080 €, das Fremdlager 12.880 €: Das Fremdlager ist günstiger.
Kapitel 8: Aufgaben, Arten und Bereiche des Großhandelslagers
Warum ein Großhändler lagert und wie die Ware durchs Lager läuft
Velbrink hält rund 26.000 Artikel auf 11.000 m² Lagerfläche vor. Das kostet Platz, Personal und gebundenes Kapital. Trotzdem ist das Lager der Kern des Geschäfts, denn es erfüllt Aufgaben, für die Kunden einen Großhändler brauchen.
Aufgaben der Lagerhaltung.
- Sichern: Der Bestand gleicht aus, dass Kunden unregelmäßig bestellen und Lieferungen sich verspäten. Ein Handwerker bekommt seine Dübel heute, auch wenn der Hersteller erst in zwei Wochen liefert.
- Überbrücken: Zwischen Einkauf und Verkauf liegt Zeit. Saisonware wie Streugut oder Heizlüfter kauft Velbrink vor der Saison ein und verkauft sie über Monate.
- Sortiment bilden und umformen: Velbrink bündelt Ware von rund 340 Lieferanten zu einem Sortiment und teilt große Herstellermengen in kundengerechte Mengen auf, etwa eine Palette Schrauben in einzelne Packungen.
- Veredeln und bearbeiten: Im Lager wird Ware verändert, etwa Ketten und Schläuche auf Maß konfektioniert.
- Spekulieren: Erwartet der Einkauf eine Preiserhöhung, kauft er größere Mengen vorher. Das spart Geld, wenn die Erwartung stimmt, bindet aber Kapital und Platz.
Lagerarten. Velbrink betreibt ein Eigenlager; Ware bei einem Logistikdienstleister läge in einem Fremdlager. Das Lager in Kassel ist ein Zentrallager für alle Kunden. Mehrere kleinere Lager näher an den Kunden wären dezentrale Lager: kürzere Wege und schnellere Lieferung, dafür mehr Bestand insgesamt und mehr Verwaltung. Nach der Bauart unterscheidet Velbrink das Hochregallager für Paletten, das Fachbodenregal für Kleinteile und das Freilager für sperrige, wetterfeste Ware.
Lagerbereiche im Warenfluss.
- Warenannahme an der Rampe: äußere Prüfung mit dem Fahrer.
- Wareneingangskontrolle: Inhalt prüfen, buchen, etikettieren.
- Einlagerung in das Reservelager (ganze Paletten im Hochregal) oder direkt in das Kommissionierlager (Fachboden, Greifzone).
- Kommissionierung: Ware für Kundenaufträge zusammenstellen; Nachschub kommt aus dem Reservelager.
- Packplatz: kontrollieren, verpacken, Versandpapiere anbringen.
- Versandbereitstellung: Sendungen nach Tour, Spedition oder Paketdienst getrennt abstellen.
- Warenausgang: verladen und übergeben.
Daneben gibt es Bereiche außerhalb des Hauptflusses: ein Sperrlager für beanstandete Ware, eine Zone für Retouren, ein Gefahrstofflager und einen Platz für Leergut und Tauschpaletten.
Eine Palette Einweghandschuhe kommt an Rampe 2 an, wird geprüft und gebucht und geht als Reserve ins Hochregal. Sinkt der Bestand im Kommissionierplatz, holt ein Stapler Nachschub. Am nächsten Morgen kommissioniert eine Kollegin 3 Kartons für einen Industriekunden; am Packplatz kommen Lieferschein und Etikett dazu. In der Versandbereitstellung wartet die Sendung auf Tour 4.
Kapitel 9: Leistungsstörungen am Wareneingang
Vom Befund zur richtigen Stelle
Welche Rechte Velbrink bei mangelhafter oder verspäteter Lieferung hat, kennst du aus Lernfeld 5. Im Wareneingang entscheidet sich, ob diese Rechte erhalten bleiben. Das Lager rügt nicht selbst beim Lieferanten; das macht der Einkauf. Das Lager muss aber den Befund sofort erkennen, festhalten und an die richtige Stelle melden.
| Befund | Wer ist zuständig? | Was das Lager tut |
|---|---|---|
| Packstück äußerlich beschädigt, Packstück fehlt | Frachtführer | bei der Ablieferung genau vermerken und gegenzeichnen lassen (§ 438 Abs. 1 HGB), Einkauf informieren |
| Schaden im Karton, äußerlich nicht zu sehen | Frachtführer, wenn er auf dem Transport entstand; sonst Lieferant | sofort melden, damit die Anzeige an den Frachtführer innerhalb von sieben Tagen nach Ablieferung abgeht (§ 438 Abs. 2 HGB) |
| falscher Artikel, zu wenig im Karton, Qualitätsmangel | Lieferant | Ware sperren, Befund mit Fotos am selben Tag an den Einkauf; der rügt unverzüglich (§ 377 Abs. 1 HGB) |
| Lieferung überfällig | Lieferant | Rückstand dem Einkauf melden, der Mahnung oder Nachfrist prüft |
| verspätete Lieferung mit vereinbarter Vertragsstrafe | Lieferant | bei der Annahme die Vertragsstrafe vorbehalten (§ 341 Abs. 3 BGB) |
Ob ein verdeckter Schaden vom Transport stammt oder schon beim Hersteller entstand, weiß das Lager oft nicht. Dann gehen die Meldungen an beide; so bleibt keine Frist ungenutzt.
Beanstandete Ware aufbewahren. Beim beiderseitigen Handelskauf muss Velbrink Ware, die ein Lieferant von einem anderen Ort geschickt hat und die Velbrink beanstandet, einstweilen aufbewahren (§ 379 Abs. 1 HGB). Das Lager stellt sie gesperrt ins Sperrlager und schickt sie erst zurück, wenn der Einkauf das mit dem Lieferanten geklärt hat.
Gut dokumentieren. Der Wareneingang hält zu jedem Befund fest: Bestell- und Lieferscheinnummer, Datum und Uhrzeit, betroffene Packstücke und Mengen, Art des Fehlers, Fotos und den Namen der prüfenden Person. Mit diesem Prüfbericht kann der Einkauf ohne Rückfragen rügen.
Überfällige Lieferungen. Das Warenwirtschaftssystem zeigt in einer Rückstandsliste alle Bestellungen, deren Liefertermin vorbei ist. Der Wareneingang meldet, wenn eine dringend erwartete Lieferung ausbleibt, damit der Einkauf reagieren kann, bevor Kunden warten.
Eine Lieferung Sicherheitsschuhe ist laut Vertrag „bis 30.10.2026, Vertragsstrafe 0,2 % je Werktag“ zu liefern. Sie kommt am Mittwoch, 04.11.2026. Der Wareneingang nimmt sie an und vermerkt auf dem Lieferschein: „Annahme unter Vorbehalt der vereinbarten Vertragsstrafe.“ Ohne diesen Vorbehalt könnte Velbrink die Strafe nicht mehr verlangen.
Kapitel 10: Lieferantenretouren im Lager vorbereiten
Vom Sperrlager bis zur Übergabe an den Transport
Ob Ware an einen Lieferanten zurückgeht, entscheidet der Einkauf (Lernfeld 5). Ist die Rücksendung vereinbart, erhält das Lager den Auftrag, sie vorzubereiten. Viele Hersteller nehmen Ware nur mit ihrer eigenen Rücksendenummer an; ohne sie kann es passieren, dass das Paket ungeöffnet zurückkommt.
Ablauf im Lager von Velbrink.
- Retourenschein anlegen: Im Warenwirtschaftssystem entsteht aus der Reklamation ein Retourenschein, auch Begleitschein genannt. Er nennt Lieferant, Rücksendenummer, ursprüngliche Bestell- und Lieferscheinnummer, Artikel, Menge, Grund und Ansprechpartner bei Velbrink.
- Ware holen und prüfen: Die Ware kommt aus dem Sperrlager. Du prüfst Artikel, Menge und, falls vorhanden, Seriennummern gegen den Retourenschein. Fehlt etwas, klärst du das, bevor die Sendung das Haus verlässt.
- Zustand dokumentieren: Fotos von Ware, Fehler und Verpackung zeigen, in welchem Zustand die Ware Velbrink verlassen hat. Wendet der Lieferant später ein, der Schaden sei erst beim Rücktransport entstanden, hilft die Dokumentation, das zu widerlegen.
- Verpacken: transportsicher, möglichst in der Originalverpackung, Zubehör vollständig dazu. Den Retourenschein legst du bei, die Rücksendenummer steht außen gut sichtbar. Gefahrstoffe wie Spraydosen verpackst du nach den Vorgaben für den Versand.
- Bereitstellen: Die Sendung kommt in die Versandbereitstellung, getrennt von Kundensendungen. Wie sie zum Lieferanten kommt, steht in der Absprache: Abholung durch den Lieferanten, eigene Tour, Paketdienst oder Spedition.
- Buchen und melden: Mit dem Warenausgang sinkt der gesperrte Bestand. Die Sendungsnummer oder die Unterschrift des Abholers als Versandnachweis gehen an den Einkauf, der Gutschrift oder Ersatzlieferung überwacht.
Typische Fehler. Ware geht ohne Rücksendenummer los; Zubehör fehlt, und der Lieferant kürzt die Gutschrift; beanstandete Ware landet versehentlich in einer Kundensendung, weil sie nicht getrennt bereitstand; die Rücksendung wird nicht gebucht, und der Buchbestand stimmt nicht mehr.
Velbrink schickt 6 Arbeitsleuchten mit Wackelkontakt an den Hersteller zurück. Rücksendenummer: R-58217. Du holst die 6 Leuchten aus dem Sperrlager, prüfst die Seriennummern gegen den Retourenschein, fotografierst jede Leuchte und verpackst sie mit Ladekabeln im Originalkarton. Der Paketdienst holt die Sendung am Nachmittag ab, die Sendungsnummer geht per E-Mail an den Einkauf.
Kapitel 11: Kommissionieren
Verfahren, Techniken und Kennzahlen
Beim Kommissionieren stellst du aus dem Lagerbestand die Artikel und Mengen eines Kundenauftrags zusammen. Velbrink kommissioniert jeden Tag mehrere Tausend Auftragspositionen, vom einzelnen Bohrer bis zur ganzen Palette. Fehler fallen hier sofort beim Kunden auf.
Grundprinzipien. Beim Prinzip Person zur Ware geht der Kommissionierer mit dem Wagen durch die Regalgänge, so im Fachbodenregal von Velbrink. Beim Prinzip Ware zur Person bringt eine Fördertechnik, etwa ein Lift oder ein Shuttle, den Behälter an einen festen Arbeitsplatz.
Einstufig oder zweistufig.
- Einstufig seriell: Eine Person kommissioniert einen Auftrag vollständig, Zone für Zone. Einfach und gut nachvollziehbar, bei großen Aufträgen aber lange Wege.
- Einstufig parallel: Der Auftrag wird nach Lagerzonen geteilt, mehrere Personen kommissionieren gleichzeitig, am Packplatz werden die Teile zusammengeführt. Schneller, braucht aber eine gute Abstimmung.
- Zweistufig: In der ersten Stufe werden die Mengen eines Artikels für viele Aufträge gemeinsam entnommen, in der zweiten Stufe auf die einzelnen Aufträge verteilt. Das lohnt sich bei vielen kleinen Aufträgen mit denselben Artikeln, etwa bei den Nachschubaufträgen für die Kanban-Regale der Kunden.
Beleghaft oder beleglos.
| Technik | So funktioniert es | Stärken und Schwächen |
|---|---|---|
| Pickliste auf Papier | Liste mit Platz, Artikel und Menge, sortiert nach dem Laufweg | billig, aber Lesefehler und Buchung erst danach |
| Scanner (mobile Datenerfassung) | Gerät zeigt den nächsten Platz, du scannst Platz und Artikel | prüft jede Entnahme, Bestand wird sofort gebucht |
| Pick-by-Voice | Headset sagt Platz und Menge an, du bestätigst mit einer Prüfziffer am Fach | Hände und Augen frei, wenige Fehler |
| Pick-by-Light | Lämpchen am Fach zeigt Menge, du quittierst per Taste | sehr schnell bei vielen kleinen Teilen, teure Technik am Regal |
Fehler und Kennzahlen. Typische Kommissionierfehler sind ein falscher Artikel, eine falsche Menge und eine vergessene Position. Sie kosten Retouren, Nachlieferungen und Vertrauen. Velbrink kontrolliert deshalb am Packplatz durch Scannen oder Wiegen und misst zwei Kennzahlen:
Kommissionierfehlerquote in % = fehlerhafte Positionen × 100 ÷ kommissionierte Positionen
Kommissionierleistung = kommissionierte Positionen ÷ Arbeitsstunden
Ein Auftrag umfasst 14 Positionen aus dem Fachbodenregal und 2 Paletten aus dem Hochregal. Bei paralleler Kommissionierung holt ein Staplerfahrer die Paletten, während eine Kollegin mit dem Scanner die Kleinteile kommissioniert. Am Packplatz werden beide Teile zusammengeführt, gescannt und gemeinsam versandfertig gemacht.
Kapitel 12: Inventur im Lager durchführen
Verfahren wählen, Zählung organisieren, Differenzen klären
Velbrink muss zum Schluss jedes Geschäftsjahres ein Inventar aufstellen (§ 240 Abs. 2 HGB). Dafür wird der Bestand aller Artikel nach Art, Menge und Wert aufgenommen. Wie die Buchführung damit umgeht, lernst du in Lernfeld 4; hier geht es um die Arbeit im Lager.
Verfahren.
- Stichtagsinventur: Alles wird zum Abschlussstichtag gezählt, in der Praxis zeitnah, in der Regel innerhalb von zehn Tagen vor oder nach dem Stichtag; Bewegungen dazwischen werden hinzu- oder herausgerechnet (R 5.3 Abs. 1 EStR).
- Verlegte Inventur: Gezählt wird an einem Tag innerhalb der letzten drei Monate vor oder der ersten zwei Monate nach dem Stichtag. Der Wert wird dann auf den Stichtag fortgeschrieben oder zurückgerechnet (§ 241 Abs. 3 HGB).
- Permanente Inventur: Der Bestand ergibt sich laufend aus dem Lagerverwaltungssystem. Jeder Lagerplatz wird im Lauf des Jahres mindestens einmal gezählt und abgeglichen (§ 241 Abs. 2 HGB).
- Stichprobeninventur: Der Bestand wird mit anerkannten statistischen Verfahren aus Stichproben hochgerechnet (§ 241 Abs. 1 HGB).
Zählung organisieren. Ein Inventurplan legt Zählbereiche, Termine und Zählteams fest. Meist zählen zwei Personen zusammen: Eine zählt, die andere erfasst. Die Zählliste oder der Scanner zeigt keine Sollmenge, damit niemand nur bestätigt, was er erwartet (Blindzählung). Während der Zählung ruhen die Bewegungen im Bereich; Ware, die trotzdem ankommt, wird getrennt abgestellt und erst nach der Zählung eingelagert. Aufgenommen wird durch Zählen, Messen (Ketten, Schläuche), Wiegen (lose Kleinteile) und nur ausnahmsweise durch Schätzen.
Differenzen klären. Weicht der gezählte Istbestand vom Sollbestand im System ab, wird zuerst nachgezählt, am besten von einem anderen Team. Bleibt die Differenz, suchst du die Ursache: nicht gebuchte Wareneingänge oder Retouren, falsche Einheit (Karton statt Stück), Ware auf dem Nachbarplatz, Verwechslung ähnlicher Artikel, Bruch, Schwund oder Diebstahl. Danach wird der Sollbestand an den Istbestand angepasst, denn das Inventar zeigt, was wirklich da ist. Die Ursachen helfen, Fehler künftig zu vermeiden.
Für Dübel 8 mm zeigt das System 240 Packungen, gezählt werden 228. Die Nachzählung bestätigt 228. Im Nachbarfach liegen 12 Packungen derselben Dübel, die bei der Einlagerung auf den falschen Platz gebucht wurden. Nach der Umbuchung stimmt der Bestand; es gibt keine Inventurdifferenz, sondern einen Platzfehler.
Kapitel 13: Das Lagergeschäft nach dem HGB
Lagervertrag, Haftung und Lagerschein
Lagert Velbrink Ware bei einem Logistikdienstleister ein, schließen beide einen Lagervertrag. Der Lagerhalter verpflichtet sich, das Gut zu lagern und aufzubewahren; der Einlagerer, hier Velbrink, zahlt die vereinbarte Vergütung, das Lagergeld (§ 467 Abs. 1 und 2 HGB). Diese Regeln gelten, wenn das Lagern zum Betrieb eines gewerblichen Unternehmens gehört (§ 467 Abs. 3 HGB).
Pflichten und Rechte.
| Einlagerer | Lagerhalter |
|---|---|
| zahlt das Lagergeld | lagert und verwahrt das Gut |
| teilt bei gefährlichem Gut rechtzeitig in Textform die Gefahr mit, verpackt und kennzeichnet das Gut, gibt nötige Urkunden und Auskünfte (§ 468 Abs. 1 HGB) | sichert bei äußerlich beschädigt ankommendem Gut die Ansprüche des Einlagerers und benachrichtigt ihn unverzüglich (§ 470 HGB) |
| darf das Gut besichtigen und Proben entnehmen (§ 471 Abs. 1 HGB) | zeigt Veränderungen am Gut, die einen Schaden erwarten lassen, unverzüglich an und holt Weisungen ein (§ 471 Abs. 2 HGB) |
| kann das Gut jederzeit herausverlangen; einen Vertrag auf unbestimmte Zeit kündigt er mit einer Frist von einem Monat (§ 473 Abs. 1 HGB) | versichert das Gut, wenn der Einlagerer es verlangt, und lagert bei einem Dritten nur mit ausdrücklicher Erlaubnis (§ 472 HGB) |
| ersetzt notwendige Aufwendungen für das Gut (§ 474 HGB) | vermischt Ware verschiedener Einlagerer nur mit deren ausdrücklichem Einverständnis (§ 469 Abs. 1 HGB) |
Für offene Forderungen hat der Lagerhalter ein Pfandrecht am eingelagerten Gut (§ 475b HGB).
Haftung. Der Lagerhalter haftet für Verlust und Beschädigung von der Übernahme bis zur Auslieferung, es sei denn, der Schaden war auch mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns nicht abzuwenden (§ 475 HGB). Velbrink muss also nur den Schaden im Lager zeigen; der Lagerhalter muss beweisen, dass er sorgfältig war. Einen Höchstbetrag wie im Frachtrecht nennt das Gesetz für den Lagerhalter nicht; viele Lagerhalter begrenzen ihre Haftung in ihren Geschäftsbedingungen. Die Ansprüche verjähren in der Regel in einem Jahr (§ 475a, § 439 HGB).
Lagerschein. Nach der Einlagerung kann der Lagerhalter einen Lagerschein ausstellen und unterzeichnen. Er enthält unter anderem Ort und Tag der Einlagerung, Einlagerer, Lagerhalter, Art, Verpackung, Anzahl und Gewicht des Gutes (§ 475c HGB). Der Lagerschein verbrieft den Anspruch auf Auslieferung: Der Lagerhalter liefert nur gegen Rückgabe des Scheins aus (§ 475e Abs. 2 HGB). Wird der Lagerschein an den darin benannten Empfänger oder an einen Dritten übertragen, wirkt das für den Erwerb von Rechten am Gut wie die Übergabe des Gutes selbst (§ 475g HGB). So lässt sich eingelagerte Ware verkaufen oder als Kreditsicherheit nutzen, ohne sie zu bewegen.
Velbrink lagert 400 Paletten Streugut für den Winter bei einem Logistikdienstleister. Der Lagerhalter stellt für je 50 Paletten einen Lagerschein aus. Ein Baustoffhändler kauft 150 Paletten; Velbrink überträgt ihm drei Lagerscheine. Der Händler holt die Paletten später gegen Rückgabe der Scheine beim Lagerhalter ab.
Kapitel 14: Arbeitsschutz im Lager
Sicher arbeiten zwischen Regalen, Staplern und Gefahrstoffen
Im Lager von Velbrink arbeiten 30 Menschen zwischen Hochregalen, Staplern und Lkw. Die meisten Unfälle entstehen durch Stolpern, herabfallende Ware und Flurförderzeuge. Der Arbeitgeber beurteilt deshalb die Gefährdungen jedes Arbeitsplatzes und legt Schutzmaßnahmen fest (§ 5 Abs. 1 ArbSchG). Die Beschäftigten müssen die Schutzmaßnahmen und ihre Schutzausrüstung bestimmungsgemäß nutzen (§ 15 ArbSchG).
Sicherheitszeichen. Form und Farbe zeigen, was ein Zeichen bedeutet (ASR A1.3):
| Zeichen | Form und Farbe | Beispiel im Lager |
|---|---|---|
| Verbotszeichen | rund, roter Rand mit Querbalken, weißer Grund | Fußgänger verboten im Staplergang |
| Warnzeichen | dreieckig, gelb mit schwarzem Rand | Warnung vor Flurförderzeugen |
| Gebotszeichen | rund, blau mit weißem Symbol | Sicherheitsschuhe benutzen |
| Rettungszeichen | rechteckig, grün mit weißem Symbol | Notausgang, Erste Hilfe |
| Brandschutzzeichen | rechteckig, rot mit weißem Symbol | Feuerlöscher |
Unterweisung. Der Arbeitgeber unterweist während der Arbeitszeit, bei der Einstellung, bei neuen Aufgaben oder neuen Arbeitsmitteln vor Beginn der Tätigkeit und danach regelmäßig (§ 12 Abs. 1 ArbSchG), nach den Regeln der Berufsgenossenschaft mindestens einmal im Jahr. Jugendliche werden mindestens halbjährlich unterwiesen (§ 29 Abs. 2 JArbSchG).
Flurförderzeuge und Regale. Stapler mit Fahrersitz oder Fahrerstand dürfen nur Personen fahren, die mindestens 18 Jahre alt sind, ausgebildet sind, ihre Befähigung nachgewiesen haben und schriftlich beauftragt sind (DGUV Vorschrift 68). Regale tragen ein Schild mit der zulässigen Belastung; beschädigte Regalteile werden sofort gemeldet und entlastet, und eine befähigte Person prüft die Regale regelmäßig, mindestens einmal im Jahr. Verkehrswege und Notausgänge bleiben frei.
Gefahrstoffe. Reiniger, Klebstoffe und Sprays tragen Gefahrenpiktogramme: eine rot umrandete Raute auf weißem Grund. Zu jedem Stoff gibt es ein Sicherheitsdatenblatt des Lieferanten. Der Arbeitgeber stellt eine schriftliche Betriebsanweisung in verständlicher Sprache bereit (§ 14 Abs. 1 GefStoffV). Gefahrstoffe lagern getrennt, mit Auffangwanne und nur in den zulässigen Mengen.
Berufsgenossenschaft. Träger der gesetzlichen Unfallversicherung für Velbrink ist die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik. Die Beiträge zahlt allein der Arbeitgeber (§ 150 Abs. 1 SGB VII). Die Berufsgenossenschaft erlässt Unfallverhütungsvorschriften, berät und kontrolliert die Betriebe und leistet nach Arbeitsunfällen. Ist jemand nach einem Unfall mehr als drei Tage arbeitsunfähig, zeigt Velbrink den Unfall binnen drei Tagen an (§ 193 Abs. 1 und 4 SGB VII).
Ein neuer Lagerhelfer, 19 Jahre alt, soll ab Montag Paletten mit dem Stapler einlagern. Vorher wird er unterwiesen, durchläuft eine Staplerausbildung mit Prüfung und erhält eine schriftliche Beauftragung. Bis dahin arbeitet er im Fachbodenregal.
Nachschlagen
Fachbegriffe und Formeln zum Nachschlagen, jeweils auf einer Seite.