Lernfeld 12: Warentransporte abwickeln (Großhandel)
Lernfeld für Kaufleute für Groß- und Außenhandelsmanagement im 3. Ausbildungsjahr, nach dem Rahmenlehrplan der KMK.
- Kapitel
- 10
- Aufgaben
- 32
- Fachrichtung
- Großhandel
- Ausbildungsjahr
- 3
- Lernfeldstunden
- 40
Kapitel 1: Fachgespräch: Verkauf und Distribution
Im Großhandel ist Verkauf und Distribution eines der drei Gebiete des fallbezogenen Fachgesprächs (§ 13 Abs. 2 Nr. 1 GuAMKflAusbV). Der Ausschuss will hier sehen, dass du Kundengespräche führen und auswerten, Konditionen kalkulieren und die Belieferung wirtschaftlich und umweltbewusst organisieren kannst. Wie das Gespräch abläuft, steht im Leitfaden zum Fachgespräch in Lernfeld 5. Dieses Kapitel zeigt eine Fachaufgabe aus dem Verkauf und fünf Leitfragen zum Üben.
Fallbeispiel: Ausgangslage und Fachaufgabe
Ausgangslage. Ein Elektro-Meisterbetrieb aus Göttingen mit rund 40 Monteuren kauft seit sechs Jahren bei Velbrink Kabelbefestigung, Werkzeuge, Dübel und Arbeitsschutz. Sein Umsatz lag zuletzt bei 180.000 € netto im Jahr. Die Waren, die er kauft, bringen Velbrink im Durchschnitt 30 % Rohgewinn vom Nettoumsatz, also 54.000 €. Nach den Konditionen von Velbrink erhält er 2 % Bonus ab 50.000 € Jahresumsatz, also 3.600 €. Bestellt wird per Telefon und E-Mail, meist in kleinen Mengen, geliefert wird mit dem eigenen Lkw in das Lager des Kunden.
Was passiert ist. Der Inhaber hat der zuständigen Reisenden von Velbrink gesagt, ein Onlinehändler biete ihm 8 % Rabatt auf alles und liefere am nächsten Tag direkt auf die Baustelle. Er erwartet von Velbrink dasselbe: 8 % Rabatt auf den ganzen Umsatz und an jedem Liefertag eine Lieferung an die jeweilige Baustelle. Sonst wechsle er.
Die Fachaufgabe. Jana Velbrink hat dich im Verkauf Innendienst beauftragt, ein Angebot vorzubereiten, das den Kunden hält und sich für Velbrink rechnet, und das Gespräch mit dem Inhaber gemeinsam mit der Reisenden zu führen.
Was du vorher weißt. Im CRM siehst du, dass der Kunde im Schnitt viermal pro Woche bestellt, oft unter 300 € Warenwert, und dann den Versandkostenanteil von 14,90 € zahlt. Im letzten Quartal hat Velbrink 14 Expresslieferungen an seine Baustellen geschickt. Die Reisende berichtet, dass die Monteure häufig auf Kleinteile wie Dübel und Kabelbinder warten und der Inhaber sich darüber ärgert.
Was die Forderung kosten würde. 8 % Rabatt senken den Umsatz auf 165.600 €. Der Wareneinsatz bleibt bei 126.000 €, der Rohgewinn sinkt auf 39.600 €, also um 14.400 €. Eine Lieferung an jedem der 220 Liefertage als eigene Fahrt kostet je Stopp rund 38 €, zusammen 8.360 €. Die Forderung würde Velbrink damit im Jahr rund 22.760 € kosten. Wandert der Kunde ab, fehlen Velbrink 54.000 − 3.600 = 50.400 € Rohgewinn, aus dem Personal, Lager und Fahrzeuge mitbezahlt werden.
Dein Lösungsweg
So würdest du den Lösungsweg im Gespräch oder im Report darstellen:
- Lage analysieren: Der Kunde ist wichtig: 180.000 € Umsatz und 54.000 € Rohgewinn. Sein eigentliches Problem sind Monteure, die auf der Baustelle auf Material warten. Der Preis ist ein Argument in der Verhandlung, nicht unbedingt der Grund.
- Alternativen vergleichen: Forderung ganz erfüllen, ganz ablehnen oder ein Paket aus Service und Konditionen anbieten. Das Erfüllen kostet rund 22.760 € im Jahr und würde bei anderen Großkunden bekannt; ein glattes Nein gefährdet 50.400 € Rohgewinn.
- Angebot entwickeln: Ein Rahmenvertrag mit drei Bausteinen. Erstens ein gestaffelter Jahresbonus, 3 % ab 150.000 € statt 2 %, Mehrkosten 1.800 €. Zweitens Baustellenlieferung zweimal pro Woche auf den bestehenden Sammeltouren nach Südniedersachsen, Zusatzkosten rund 14 € je Stopp, bei 88 Stopps im Jahr (zweimal pro Woche in 44 Lieferwochen, passend zu den 220 Liefertagen) 1.232 €; Bestellschluss am Vortag um 14 Uhr; eine Expresslieferung an anderen Tagen kostet 29 € netto. Drittens ein Kanban-Regal mit Dübeln, Kabelbindern und Handschuhen im Lager des Kunden, einmalig 1.200 €, aufgefüllt bei den Touren. Zusammen kostet das Paket im ersten Jahr rund 4.232 €.
- Verhandeln: Im Gespräch fragst du zuerst nach den Abläufen auf den Baustellen und stellst dann den Nutzen vor: weniger Wartezeit der Monteure, kein Lagerengpass bei Kleinteilen, ein fester Ansprechpartner.
- Recht sichern: Im Rahmenvertrag stehen die Verkaufsbedingungen von Velbrink, die Bonusstaffel, die Liefertage und ein verlängerter Eigentumsvorbehalt.
- Kontrollieren: Umsatz und Rohgewinn des Kunden, Lieferquote und Zahl der Expresslieferungen werden vierteljährlich geprüft.
Ergebnis des Gesprächs: Der Inhaber akzeptiert das Paket ohne Pauschalrabatt, verlangt aber Kundenpreise im Webshop, damit seine Monteure selbst bestellen können. Velbrink sagt zu, weil Bestellungen über den Webshop den Innendienst entlasten.
Mit den Leitfragen üben. Die fünf Leitfragen zu diesem Fall stehen als Aufgaben in diesem Lernfeld, jeweils mit Musterantwort und Bewertungsraster zur Selbstbewertung. Notiere zu jeder Frage zuerst Stichworte und antworte dann laut in ganzen Sätzen, für jede Nachfrage höchstens etwa zwei Minuten. Begründe mit Zahlen aus dem Fall, nenne eine verworfene Möglichkeit und denke an Kunden, Kosten, Umwelt und Recht.
Kapitel 2: Verkehrsträger und Versandarten vergleichen
Straße, Schiene, Wasser, Luft und Paketdienst
Velbrink beliefert die meisten Kunden im Umkreis von etwa 150 km mit eigenen Lkw. Für alles andere wählt der Versand zwischen mehreren Verkehrsträgern und Versandarten. Entscheidend sind Gewicht, Maße und Wert der Sendung, Entfernung, Termin, Kosten und Umweltwirkung.
| Verkehrsträger | Stärken | Schwächen | typische Sendungen |
|---|---|---|---|
| Straße (Lkw) | dichtes Netz, Haus-zu-Haus ohne Umladen, flexible Termine | Stau, Lenk- und Ruhezeiten, hoher Ausstoß je Tonne und Kilometer | Paletten und Ladungen im Inland und in Europa |
| Schiene | große Mengen über weite Strecken, wenig Ausstoß, kein Stau | braucht Gleisanschluss oder Umschlag, feste Fahrpläne | schwere Güter, Massengut, Container im Hauptlauf |
| Binnenschiff | sehr niedrige Kosten je Tonne, sehr große Mengen | langsam, abhängig vom Wasserstand, nur an Wasserstraßen | Massengut, Container, Schwergut |
| Seeschiff | interkontinental, sehr große Mengen | lange Laufzeiten, Umschlag in Häfen | Container aus Übersee |
| Luftfracht | sehr schnell, weltweit | sehr teuer, hoher Ausstoß, Grenzen bei Gewicht und Maßen | eilige, leichte und wertvolle Güter |
Versandarten auf der Straße.
- Paketdienst: einzelne Pakete bis meist rund 31,5 kg, feste Preise je Gewichtsstufe, Sendungsverfolgung, Zustellung in Deutschland meist am nächsten Werktag.
- Kurier- und Expressdienst: schnelle, oft direkte Beförderung zu einem festen Termin, deutlich teurer.
- Stückgut: einzelne Paletten oder Packstücke, die eine Spedition mit Sendungen anderer Versender über Umschlaglager bündelt. Günstig, wenn die Sendung für einen Paketdienst zu groß und für einen eigenen Lkw zu klein ist.
- Teil- und Komplettladung: Die Sendung füllt einen großen Teil des Lkw oder den ganzen; sie fährt direkt vom Absender zum Empfänger, ohne Umschlag.
Kombinierter Verkehr. Die Ware bleibt in derselben Ladeeinheit, etwa einem Container, einer Wechselbrücke oder einem Sattelauflieger. Den langen Hauptlauf übernimmt die Schiene oder das Schiff, den kurzen Vor- und Nachlauf der Lkw. So verbindet der kombinierte Verkehr die Flexibilität des Lkw mit den niedrigen Kosten und dem geringen Ausstoß von Bahn oder Schiff. Wird die ganze Strecke mit einem einzigen Frachtvertrag vereinbart und würden für die Teilstrecken bei getrennten Verträgen verschiedene Rechtsvorschriften gelten, etwa bei einem Abschnitt über See, regelt das HGB das als Frachtvertrag über eine Beförderung mit verschiedenartigen Beförderungsmitteln, in der Praxis multimodaler Transport genannt (§ 452 HGB).
Ein Kunde in Kassel braucht bis morgen 2 Kartons Bohrer: eigene Tour. Ein Fachhändler in München bestellt 3 Paletten Regalteile: Stückgut über die Spedition. Ein Industriekunde in Hamburg bestellt 18 Paletten Betriebseinrichtung: Teilladung direkt. Ein Monteur auf einer Baustelle in Österreich braucht heute noch ein Ersatzteil von 4 kg: Kurierdienst.
Kapitel 3: Versandkosten berechnen und Angebote vergleichen
Frachtpflichtiges Gewicht, Zuschläge und Angebotsvergleich
Wie eine Fracht nach Gewichtsstaffel berechnet wird, kennst du aus Lernfeld 3. Im Versand vergleicht Velbrink regelmäßig die Tarife mehrerer Speditionen und Paketdienste. Dabei kommen drei Punkte hinzu.
1. Frachtpflichtiges Gewicht. Leichte, aber sperrige Ware nimmt im Lkw viel Platz weg. Deshalb rechnen viele Tarife das Volumen in ein Gewicht um, etwa „1 m³ entspricht 200 kg“. Berechnet wird der größere Wert aus tatsächlichem Bruttogewicht und Volumengewicht. Für das Volumen einer Palette nimmst du Länge × Breite × Höhe einschließlich der Palette.
2. Zuschläge. Zur Grundfracht kommen oft Zuschläge, die der Tarif genau festlegt:
- prozentuale Zuschläge auf die Grundfracht, etwa für Diesel oder Maut,
- feste Beträge je Sendung, etwa für eine telefonische Ankündigung beim Empfänger (Avis), eine Zustellung mit Hebebühne oder zu einem festen Termin.
Lies genau, worauf sich ein Prozentzuschlag bezieht. Meist ist es die Grundfracht ohne feste Zuschläge.
3. Mehr als der Preis. Das günstigste Angebot ist nur dann das beste, wenn es auch die Anforderungen erfüllt: Laufzeit, Zustellung zum Termin, Hebebühne für Kunden ohne Rampe, Sendungsverfolgung. Auch die Haftung kann sich unterscheiden. Gesetzlich haftet der Frachtführer mit bis zu 8,33 Sonderziehungsrechten je Kilogramm (§ 431 Abs. 1 HGB). In vorformulierten Bedingungen darf er einen Betrag zwischen 2 und 40 Sonderziehungsrechten vereinbaren, wenn er darauf in geeigneter Weise hinweist (§ 449 Abs. 2 HGB). Bei wertvoller Ware lohnt sich der Blick darauf.
Vorgehen beim Vergleich.
- Bruttogewicht und Volumen der Sendung ermitteln.
- Für jeden Tarif das frachtpflichtige Gewicht und die Staffelstufe bestimmen.
- Grundfracht berechnen, Zuschläge in der Reihenfolge des Tarifs addieren.
- Angebote ausscheiden, die eine Anforderung nicht erfüllen.
- Unter den übrigen nach Preis, Leistung und Haftung entscheiden.
Eine Palette Isoliermatten misst 1,20 × 0,80 × 1,60 m und wiegt brutto 180 kg. Volumen: 1,536 m³; Volumengewicht: 1,536 × 200 kg = 307,2 kg. Frachtpflichtig sind 307,2 kg, also 4 angefangene 100 kg. Tarif bis 500 kg: 14,80 € je angefangene 100 kg. Grundfracht: 4 × 14,80 € = 59,20 €; mit 12 % Dieselzuschlag: 66,30 €. Nach dem tatsächlichen Gewicht wären es nur 2 × 14,80 € gewesen.
Kapitel 4: Fracht- und Speditionsvertrag
Wer schuldet was?
Verschickt Velbrink eine Sendung, ist es beim Frachtvertrag der Absender und beim Speditionsvertrag der Versender. Der Frachtführer befördert das Gut selbst, der Spediteur organisiert die Beförderung (Lernfeld 3).
Frachtvertrag.
| Absender | Frachtführer |
|---|---|
| zahlt die vereinbarte Fracht, fällig bei Ablieferung (§ 407 Abs. 2, § 420 Abs. 1 HGB) | befördert das Gut zum Bestimmungsort und liefert es dort an den Empfänger ab (§ 407 Abs. 1 HGB) |
| teilt bei gefährlichem Gut rechtzeitig in Textform die Art der Gefahr mit (§ 410 Abs. 1 HGB) | hält die Lieferfrist ein (§ 423 HGB) |
| verpackt und kennzeichnet das Gut und sichert es auf Palette oder im Container (§ 411 HGB) | sorgt dafür, dass die Ladung die Betriebssicherheit des Fahrzeugs nicht gefährdet (§ 412 Abs. 1 Satz 2 HGB) |
| verlädt und entlädt beförderungssicher, wenn nichts anderes vereinbart oder üblich ist (§ 412 Abs. 1 Satz 1 HGB) | befolgt Weisungen des Absenders, etwa einen anderen Empfänger (§ 418 Abs. 1 HGB) |
| stellt Urkunden für Zoll und Behörden zur Verfügung (§ 413 Abs. 1 HGB) | haftet für Verlust, Beschädigung und Verspätung (§ 425 HGB) |
Für Schäden durch ungenügende Verpackung, falsche Angaben im Frachtbrief oder eine verschwiegene Gefahr haftet der Absender dem Frachtführer auch ohne Verschulden (§ 414 Abs. 1 HGB). Umgekehrt ist der Frachtführer von seiner Haftung befreit, soweit der Schaden auf besondere Gefahren aus dem Bereich des Absenders zurückgeht, etwa auf ungenügende Verpackung oder Kennzeichnung oder auf das Verladen durch den Absender (§ 427 Abs. 1 Nr. 2, 3 und 5 HGB).
Speditionsvertrag. Der Spediteur besorgt die Versendung (§ 453 Abs. 1 HGB). Er bestimmt Beförderungsmittel und Weg, wählt Frachtführer aus, schließt die nötigen Verträge, gibt ihnen Informationen und Weisungen und sichert Schadensersatzansprüche des Versenders (§ 454 Abs. 1 HGB). Der Versender verpackt und kennzeichnet das Gut, stellt Urkunden zur Verfügung und gibt alle nötigen Auskünfte (§ 455 Abs. 1 HGB). Die Vergütung ist fällig, sobald das Gut dem Frachtführer übergeben ist (§ 456 HGB).
Haftung des Spediteurs. Für Verlust und Beschädigung, solange das Gut in seiner Obhut ist, haftet der Spediteur wie ein Frachtführer (§ 461 Abs. 1 HGB). Für andere Fehler, etwa einen schlecht ausgewählten Frachtführer, haftet er, wenn er eine Pflicht verletzt hat und den Schaden mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns hätte abwenden können (§ 461 Abs. 2 HGB). Fährt er selbst, vereinbart er einen festen Preis einschließlich Beförderung oder bündelt er Sendungen in einer Sammelladung, hat er für die Beförderung die Rechte und Pflichten eines Frachtführers (§§ 458 bis 460 HGB).
ADSp. Die Allgemeinen Deutschen Spediteurbedingungen sind Allgemeine Geschäftsbedingungen; sie gelten nur, wenn sie in den Vertrag einbezogen sind. Den Haftungsbetrag für Güterschäden dürfen solche Bedingungen nur in einem gesetzlichen Rahmen ändern (§ 466 Abs. 2, § 449 Abs. 2 HGB).
Velbrink beauftragt eine Spedition zum Festpreis von 240 € einschließlich Beförderung, 6 Paletten nach Leipzig zu bringen. Für die Beförderung hat die Spedition damit die Pflichten eines Frachtführers (§ 459 HGB).
Kapitel 5: Werkverkehr oder gewerblicher Güterverkehr?
Eigener Fuhrpark, Fremdvergabe und Frachtenbörse
Velbrink beliefert seine Kunden in der Region mit 7 eigenen Lkw. Das ist Werkverkehr: Güterkraftverkehr für eigene Zwecke eines Unternehmens (§ 1 Abs. 2 GüKG). Dafür müssen vier Bedingungen zusammen erfüllt sein:
- Die Güter gehören dem Unternehmen oder es hat sie verkauft, gekauft, gemietet, hergestellt oder bearbeitet.
- Die Fahrt dient der Anlieferung zum Unternehmen, dem Versand vom Unternehmen oder der Verbringung innerhalb des Unternehmens.
- Eigenes Personal fährt, oder Personal, das dem Unternehmen vertraglich zur Verfügung gestellt ist.
- Der Transport ist nur eine Hilfstätigkeit neben dem eigentlichen Geschäft.
Für den Werkverkehr braucht Velbrink keine güterkraftverkehrsrechtliche Erlaubnis (§ 9 GüKG). Wer dagegen für andere gegen Entgelt Güter befördert, betreibt gewerblichen Güterkraftverkehr. Er braucht eine Gemeinschaftslizenz (§ 3 Abs. 1 GüKG) und eine Haftpflichtversicherung für seine Haftung als Frachtführer (§ 7a Abs. 1 GüKG). Für Fahrzeuge bis 3,5 t zulässiges Gesamtgewicht gelten im Inland Ausnahmen (§ 2 Abs. 1 Nr. 10 GüKG). Velbrink darf deshalb auf einer leeren Rückfahrt nicht einfach fremde Paletten gegen Bezahlung mitnehmen.
Selbst fahren oder fahren lassen? Ein eigener Lkw verursacht hohe fixe Kosten: Abschreibung, Versicherung, Kfz-Steuer, Lohn des Fahrers. Hinzu kommen variable Kosten je Kilometer wie Kraftstoff, Maut, Reifen und Wartung. Eine Spedition berechnet einen Preis je Kilometer oder je Sendung. Wie bei der Wahl zwischen Eigen- und Fremdlager gibt es eine kritische Menge:
kritische Fahrleistung = fixe Kosten ÷ (Preis der Spedition je km − variable Kosten je km)
Über der kritischen Fahrleistung ist der eigene Lkw günstiger, darunter die Fremdvergabe. Für den eigenen Fuhrpark sprechen außerdem feste Liefertermine, Fahrer, die die Kunden kennen und Ware erklären, Leergut, das gleich mitgenommen wird, und die Werbung auf dem Fahrzeug. Für die Fremdvergabe sprechen Flexibilität bei schwankenden Mengen, kein gebundenes Kapital und keine Sorge um Ausfälle von Fahrern und Fahrzeugen.
Frachtenbörsen. Auf Frachtenbörsen im Internet bieten Verlader Ladungen und Transportunternehmen freie Laderaum an. Velbrink nutzt sie als Auftraggeber, wenn kurzfristig eine Teilladung zu einem Großkunden fahren soll und die eigene Flotte voll ist. Vor der Vergabe prüft der Versand, ob der Anbieter eine gültige Lizenz und die vorgeschriebene Versicherung hat, wie er bewertet ist und ob Preis, Termin und Fahrzeug passen.
Ein zusätzlicher Lkw würde Velbrink fix 61.200 € im Jahr kosten, variabel 0,45 € je km. Eine Spedition fährt dieselben Touren für 1,30 € je km. Kritische Fahrleistung: 61.200 € ÷ (1,30 € − 0,45 €) = 72.000 km im Jahr.
Kapitel 6: Versandpapiere ausstellen
Welche Papiere mit welcher Sendung gehen
Jede Sendung, die das Lager von Velbrink verlässt, braucht Papiere. Sie sagen dem Fahrer, wohin die Ware geht, dem Empfänger, was er bekommt, und allen Beteiligten, was übergeben wurde. Die meisten Papiere druckt das Warenwirtschaftssystem aus den Auftragsdaten; du prüfst sie und bringst sie an.
Lieferschein. Er liegt jeder Sendung bei und nennt Velbrink als Lieferer, den Kunden, Lieferschein- und Auftragsnummer, Datum, Artikel, Mengen und Zahl der Packstücke. Der Empfänger vergleicht damit die Ware. Der Lieferschein ist kein Beförderungspapier, sondern gehört zum Kaufvertrag.
Frachtbrief. Bei Speditionssendungen verlangt der Frachtführer meist einen Frachtbrief (§ 408 Abs. 1 HGB). Er enthält unter anderem:
- Ort und Tag der Ausstellung, Absender, Frachtführer und Empfänger mit Anschrift,
- Stelle und Tag der Übernahme und die Ablieferungsstelle,
- Art des Gutes und der Verpackung, bei Gefahrgut die vorgeschriebene Bezeichnung,
- Anzahl, Zeichen und Nummern der Frachtstücke und das Rohgewicht,
- die Fracht mit einem Vermerk, wer sie zahlt, und gegebenenfalls eine Nachnahme.
Der Frachtbrief wird in drei Originalausfertigungen ausgestellt und vom Absender unterschrieben: eine für den Absender, eine begleitet das Gut, eine behält der Frachtführer (§ 408 Abs. 2 HGB). Haben beide unterschrieben, beweist er bis zum Gegenbeweis Abschluss und Inhalt des Vertrags und die Übernahme des Gutes. Er begründet außerdem die Vermutung, dass Gut und Verpackung äußerlich in gutem Zustand waren und Zahl und Zeichen der Stücke stimmen, wenn der Fahrer keinen begründeten Vorbehalt einträgt (§ 409 Abs. 1 und 2 HGB). Ein elektronischer Frachtbrief ist gleichgestellt, wenn Echtheit und Unverfälschtheit gesichert sind (§ 408 Abs. 3 HGB). Für grenzüberschreitende Beförderungen auf der Straße gilt der Frachtbrief nach dem Übereinkommen CMR, auf der Schiene nach den Regeln CIM.
Paketdienst. Jedes Paket bekommt ein Versandetikett mit Sendungsnummer und Barcode. Bei der Abholung quittiert der Fahrer eine Übergabeliste mit allen Paketen; sie ist der Nachweis, dass Velbrink übergeben hat.
Begleitpapiere. Je nach Sendung kommen weitere Papiere hinzu: eine Packliste, wenn eine Sendung aus vielen Packstücken besteht, ein Palettenschein über getauschte Paletten und bei Gefahrgut in der Regel ein Beförderungspapier nach den Gefahrgutvorschriften (ADR; Ausnahmen gelten etwa für begrenzte Mengen). Die Gefahr muss der Absender dem Frachtführer schon vorher in Textform mitteilen (§ 410 Abs. 1 HGB).
Eine Sendung an einen Fachhändler in Leipzig besteht aus 3 Paletten mit 812 kg Rohgewicht, darunter eine Palette mit Bremsenreiniger in Spraydosen. Das System druckt Lieferschein, Frachtbrief und Gefahrgut-Beförderungspapier. Du prüfst Zahl der Paletten und Gewicht, unterschreibst den Frachtbrief für Velbrink und lässt den Fahrer gegenzeichnen. Eine Ausfertigung bleibt bei Velbrink.
Kapitel 7: Ladung sichern
Wer verantwortlich ist und wie gesichert wird
Welche Verpackung und welche Ladungsträger zu einer Ware passen, kennst du aus Lernfeld 3. Auf dem Lkw kommt es darauf an, dass die Ladung bei einer Vollbremsung oder einem plötzlichen Ausweichen nicht verrutscht, umfällt, rollt oder herabfällt. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten (§ 22 Abs. 1 StVO), etwa die Richtlinie VDI 2700.
Wer verantwortlich ist.
- Verlader: Wer lädt, muss die Ladung so verstauen und sichern (§ 22 Abs. 1 StVO). Lädt das Lager von Velbrink, ist Velbrink verantwortlich.
- Fahrer: Er sorgt dafür, dass Fahrzeug und Ladung vorschriftsmäßig sind und die Verkehrssicherheit nicht leidet (§ 23 Abs. 1 StVO). Er kontrolliert die Sicherung vor der Abfahrt.
- Halter: Er darf die Fahrt nicht anordnen oder zulassen, wenn er weiß oder wissen muss, dass die Ladung nicht vorschriftsmäßig ist (§ 31 Abs. 2 StVZO).
- Absender im Frachtvertrag: Er verlädt beförderungssicher, wenn nichts anderes vereinbart ist (§ 412 Abs. 1 HGB), und sichert das Gut auf der Palette (§ 411 HGB).
Ladeeinheit bilden. Schon auf der Palette beginnt die Sicherung: schwere Kartons unten, leichte oben, nicht über den Palettenrand hinaus, Stretchfolie bis um die Palette herum, bei Bedarf Umreifung und Kantenschutz. So bleibt die Ladeeinheit auch beim Umschlag stabil.
Sicherungsarten auf dem Lkw.
| Sicherungsart | Prinzip | Beispiele |
|---|---|---|
| formschlüssig | Die Ladung kann sich nicht bewegen, weil sie ohne Lücken abgestützt oder über Zurrmittel formschlüssig am Fahrzeug gehalten wird. | a) Blockieren und Abstützen: lückenlos an die Stirnwand laden, Lücken mit Leerpaletten oder Luftsäcken füllen, Sperrbalken; b) Direktzurren: Schräg- oder Diagonalzurren einer schweren Maschine an den Zurrpunkten |
| kraftschlüssig | Die Ladung wird so stark auf die Ladefläche gedrückt oder die Reibung so erhöht, dass sie nicht rutscht. | Niederzurren mit Zurrgurten, Antirutschmatten |
Grundsätze. Schwere Ladung unten und mittig, damit der Schwerpunkt tief liegt und die Achsen nicht überladen werden. Gurte nur mit lesbarem Etikett verwenden, scharfe Kanten mit Kantenschutz entschärfen. Bei mehreren Abladestellen so laden, dass nach jedem Abladen nichts ungesichert bleibt; wird etwas entladen, ist die Restladung neu zu sichern.
Ein Lkw von Velbrink fährt eine Tour mit 4 Kunden. Das Lager lädt die Paletten in umgekehrter Reihenfolge der Abladestellen, lückenlos ab der Stirnwand, und legt Antirutschmatten unter. Die Paletten des letzten Kunden stehen vorn. Nach jedem Abladen schiebt der Fahrer die Restladung zusammen und zurrt sie neu.
Kapitel 8: Touren im Werkverkehr planen
Reihenfolge, Ladekapazität, Lenkzeiten und Kosten
Die 7 Lkw von Velbrink fahren jeden Werktag feste Tourgebiete in der Region an. Der Versand plant am Vortag, welche Aufträge auf welche Tour kommen. Ziel ist, alle Kunden im zugesagten Zeitfenster zu beliefern, mit möglichst wenig Kilometern, gut ausgelasteten Fahrzeugen und unter Einhaltung der Vorschriften.
Schritte der Tourenplanung.
- Aufträge bündeln: nach Tourgebiet und Liefertag, Eilaufträge gesondert.
- Kapazität prüfen: Gewicht gegen die Nutzlast, Paletten gegen die Stellplätze, Sonderbedarf wie Hebebühne. Reicht ein Fahrzeug nicht, wird die Tour geteilt oder ein Auftrag an eine Spedition gegeben.
- Reihenfolge festlegen: eine Rundtour mit kurzen Wegen, die die Zeitfenster der Kunden einhält.
- Ladefolge bestimmen: umgekehrt zur Abladefolge, damit beim ersten Kunden seine Ware hinten steht.
- Zeitplan rechnen: Fahrzeiten, Entladezeiten und Pausen ergeben die Rückkehrzeit.
Tourenplanungsprogramme schlagen Reihenfolgen vor; der Versand prüft sie, weil er Besonderheiten kennt, etwa eine Baustelle, die nur bis 9 Uhr anfahrbar ist.
Lenk- und Ruhezeiten. Für Lkw über 3,5 t gelten in der EU feste Grenzen (Verordnung (EG) Nr. 561/2006):
| Regel | Grenze |
|---|---|
| tägliche Lenkzeit | höchstens 9 Stunden, zweimal pro Woche 10 Stunden |
| wöchentliche Lenkzeit | höchstens 56 Stunden, in zwei Wochen zusammen höchstens 90 Stunden |
| Fahrtunterbrechung | nach höchstens 4,5 Stunden Lenkzeit mindestens 45 Minuten, auch geteilt in 15 und dann 30 Minuten |
| tägliche Ruhezeit | mindestens 11 Stunden, höchstens dreimal zwischen zwei wöchentlichen Ruhezeiten auf 9 Stunden verkürzt |
Be- und Entladen ist Arbeit und zählt nicht als Fahrtunterbrechung. Der digitale Fahrtenschreiber zeichnet Lenk- und Ruhezeiten auf.
Kosten einer Tour. Velbrink rechnet mit einem Satz je Kilometer für Kraftstoff, Maut, Reifen und Wartung und mit einem Satz je Stunde für Fahrer und Fahrzeug. So lässt sich vergleichen, ob eine Tour günstiger ist als die Vergabe an eine Spedition.
Ein Lkw hat 5.400 kg Nutzlast und 15 Palettenstellplätze. Für Dienstag sind 13 Paletten mit zusammen 5.650 kg geplant. Die Stellplätze reichen, die Nutzlast nicht. Der Versand nimmt eine Palette mit 420 kg von der Tour und gibt sie als Stückgut an eine Spedition; die Tour wiegt dann 5.230 kg.
Kapitel 9: Liefertermine zusagen und überwachen
Termin, Avis und Sendungsverfolgung
Für die Kunden von Velbrink ist der Liefertermin oft wichtiger als ein kleiner Preisvorteil: Ein Handwerker plant seine Baustelle, eine Fabrik ihre Wartung. Ein Termin, den Velbrink zusagt, muss deshalb halten.
Termin realistisch zusagen. Bevor der Innendienst einen Termin nennt, prüft er die Verfügbarkeit im Lager, die Zeit für Kommissionierung und Versand und die Laufzeit der Tour oder des Dienstleisters. Fehlt Ware, kommt die Lieferzeit des Herstellers hinzu.
Eindeutig formulieren. „Lieferung bis Freitag, 13.11.2026“ ist ein Termin nach dem Kalender. Ist er vereinbart, kommt Velbrink bei einer Verspätung, die es zu vertreten hat, ohne Mahnung in Verzug (§ 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB). Bei „Lieferung voraussichtlich Mitte November“ oder „so schnell wie möglich“ muss der Kunde erst mahnen (§ 286 Abs. 1 BGB). Wie der Käufer dann seine Rechte durchsetzt, steht in Lernfeld 5.
Termine überwachen. Das Warenwirtschaftssystem führt jeden Kundenauftrag mit Liefertermin. Eine Rückstandsliste zeigt jeden Morgen, welche Aufträge gefährdet sind, etwa weil Ware vom Hersteller fehlt. Der Innendienst informiert den Kunden dann, bevor der Termin verstrichen ist, und bietet eine Lösung an: Teillieferung, Ersatzartikel oder einen neuen Termin.
Avisierung. Ein Avis kündigt die Lieferung an: Tag, Zeitfenster, Zahl der Packstücke, Hinweise wie „Hebebühne vorhanden“. Der Kunde kann Personal und Platz zum Entladen bereithalten, und der Fahrer steht nicht vor verschlossenem Tor.
Sendungsverfolgung. Paketdienste und viele Speditionen melden über die Sendungsnummer jeden Status: abgeholt, im Umschlaglager, in Zustellung, zugestellt. Velbrink gibt die Nummer an den Kunden weiter. Die Fahrer der eigenen Lkw lassen den Empfang auf dem Scanner quittieren; der Ablieferungsnachweis mit Name, Uhrzeit und Unterschrift steht sofort im System. Kommt eine Reklamation „nie angekommen“, kann der Innendienst ihn vorlegen.
Kennzahlen.
Termintreue in % = termingerecht gelieferte Aufträge × 100 ÷ alle Aufträge
Liefertreue in % = termingerecht und vollständig gelieferte Aufträge × 100 ÷ alle Aufträge
Ein Industriekunde bestellt am Montag 40 Gitterboxen. Das Lager hat 32, der Hersteller liefert den Rest am Donnerstag. Der Innendienst sagt zu: „32 Gitterboxen am Dienstag, die übrigen 8 bis Freitag.“ Am Montagnachmittag geht das Avis für Dienstag hinaus, mit Zeitfenster 8 bis 10 Uhr.
Kapitel 10: Nachhaltig transportieren
Ökologische und soziale Kriterien abwägen
Velbrink hat sich vorgenommen, mit Stammkunden Mehrweg-Ladungsträger zu nutzen und in jeder Warengruppe nachhaltige Alternativen anzubieten. Auch der Transport gehört dazu: Er verursacht einen großen Teil der Emissionen eines Großhändlers. Eine gute Transportentscheidung wägt deshalb Kosten und Termin gegen ökologische und soziale Folgen ab.
Emissionen vergleichen. Die Emissionen eines Transports hängen vom Gewicht, von der Entfernung und vom Verkehrsträger ab. Dienstleister geben sie meist in Gramm CO₂-Äquivalente je Tonnenkilometer an, also für eine Tonne über einen Kilometer:
Emissionen = Gewicht in t × Entfernung in km × Emissionswert je Tonnenkilometer
Bahn und Binnenschiff liegen je Tonnenkilometer deutlich unter dem Lkw, das Flugzeug weit darüber.
Hebel im Transport.
- Vermeiden: Aufträge bündeln, Eilaufträge begrenzen, feste Liefertage mit Kunden vereinbaren.
- Verlagern: lange Strecken auf die Schiene oder den kombinierten Verkehr legen.
- Verbessern: Fahrzeuge gut auslasten, Leerfahrten vermeiden, Touren optimieren, emissionsarme Fahrzeuge einsetzen, Fahrer in spritsparender Fahrweise schulen.
- Verpacken: Mehrweg-Ladungsträger nutzen und Füllmaterial sparen; leichtere und kleinere Sendungen brauchen weniger Laderaum.
Soziale Kriterien. Nachhaltig ist ein Transport nur, wenn auch die Menschen gut behandelt werden. Dazu gehören Fahrer, die Lenk- und Ruhezeiten einhalten können und nicht durch zu knappe Zeitpläne gedrängt werden, kurze Wartezeiten an der Rampe durch Zeitfenster, saubere Sozialräume für fremde Fahrer, sichere Arbeitsplätze beim Be- und Entladen und Rücksicht auf Anwohner, etwa durch Anlieferung tagsüber. Bei der Auswahl einer Spedition fragt Velbrink nach Arbeitsbedingungen und nach Subunternehmern, die sie einsetzt.
Abwägen. Nicht jede ökologisch bessere Lösung passt: Der kombinierte Verkehr dauert länger, und eine Bündelung bedeutet, dass manche Kunden länger warten. Velbrink entscheidet nach den Anforderungen des Kunden und sucht die umweltfreundlichste Lösung, die sie erfüllt. Hilfreich ist eine Nutzwertanalyse mit Kriterien für Kosten, Termin, Umwelt und Soziales (Lernfeld 3).
Ein Kunde in Paderborn bekommt bisher viermal pro Woche kleine Lieferungen, jede Tour fährt dafür 120 km Umweg. Velbrink vereinbart mit ihm zwei feste Liefertage; die beiden Touren fahren je 130 km Umweg, weil die Ware mehr Platz braucht. Statt 480 km sind es 260 km pro Woche.
Nachschlagen
Fachbegriffe und Formeln zum Nachschlagen, jeweils auf einer Seite.