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Kapitel
11
Aufgaben
35
Fachrichtung
Außenhandel
Ausbildungsjahr
3
Lernfeldstunden
80

Kapitel 1: Fachgespräch: Internationaler Handel und Auslandsmärkte

Kapitel 1 von 11

Lesezeit etwa 4 Minuten

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Im Außenhandel ist Internationaler Handel und Auslandsmärkte eines der drei Gebiete des fallbezogenen Fachgesprächs (§ 21 Abs. 2 Nr. 1 GuAMKflAusbV). Der Ausschuss will sehen, dass du einen Auslandsmarkt einschätzen, Liefer- und Zahlungsbedingungen begründet wählen und ein Exportgeschäft rechtssicher abwickeln kannst. Wie das Gespräch abläuft, steht im Leitfaden zum Fachgespräch in Lernfeld 5.

Fallbeispiel: Ausgangslage und Fachaufgabe

Ausgangslage. Hollerbrook exportiert Hand- und Messwerkzeuge deutscher Hersteller, unter anderem der Kerzwald Werkzeugfabrik GmbH. In den Vereinigten Arabischen Emiraten hat Hollerbrook bisher zwei kleinere Kunden, die per Vorauszahlung kaufen. Nach einer Fachmesse fragt ein Importeur für Industriebedarf in Dubai, der erst seit drei Jahren am Markt ist, nach 1.200 Werkzeugsets für Wartungsbetriebe. Hollerbrook kann sie für 84.000 € anbieten, Lieferbedingung CIP Dubai (Incoterms 2020), Seefracht im Container ab Bremerhaven.

Was der Importeur verlangt. Er möchte in US-Dollar bezahlen, und zwar 60 Tage nach Erhalt der Ware auf offene Rechnung. Außerdem soll Hollerbrook „alles bis zu seinem Lager erledigen“, also DDP Dubai liefern. Er kündigt an, bei Zufriedenheit jedes Quartal zu bestellen.

Die Fachaufgabe. Can Demir, Leiter Export, hat dich beauftragt, die Anfrage zu prüfen, ein Angebot mit Liefer- und Zahlungsbedingungen vorzubereiten, das Hollerbrook absichert, und die Ausfuhr zu planen.

Was du vorher weißt. Die Emirate erheben auf eingeführte Waren Zoll und Umsatzsteuer, die der Importeur aus seinen bisherigen Geschäften kennt; Hollerbrook hat dort weder Niederlassung noch Vertreter. Banken und Behörden verlangen bei Einfuhren aus Deutschland häufig ein Ursprungszeugnis. Die 1.200 Sets wiegen zusammen rund 9 Tonnen und passen in einen 20-Fuß-Container. Kerzwald kann die Ware innerhalb von vier Wochen bereitstellen.

Beispiel

Erste Prüfung. Eine Wirtschaftsauskunft bestätigt Eintragung und Inhaber, nennt aber nur wenige Zahlungserfahrungen. Die Warenkreditversicherung von Hollerbrook deckt Kunden in den Emiraten nicht ab. Nach der Regel von Hollerbrook verkauft der Export dorthin nur gegen Akkreditiv oder Vorauszahlung. Ohne Sicherheit würde Hollerbrook dem Kunden 84.000 € Kredit geben, mehr als das Fünffache des Betrags von 15.000 €, den Can Demir neuen Exportkunden ohne Absicherung höchstens einräumt.

Dein Lösungsweg

  1. Markt und Kunde einschätzen: Wachsender Markt für Industriebedarf, Kunde mit Potenzial, aber jung und ohne Zahlungserfahrung. Länderinformationen der Außenwirtschaftsförderung und der Auslandshandelskammer zu Einfuhr und Gepflogenheiten auswerten.
  2. Lieferbedingung wählen: Bei DDP müsste Hollerbrook die Einfuhr in Dubai abwickeln und Zoll und Steuern dort tragen, ohne Erfahrung und Vertreter vor Ort. Hollerbrook bietet CIP Dubai an: Hollerbrook zahlt Transport und Versicherung bis Dubai, die Gefahr geht schon mit der Übergabe an den ersten Frachtführer in Bremen über. Die Einfuhr übernimmt der Importeur, der die Regeln vor Ort kennt.
  3. Zahlung absichern: unwiderrufliches Dokumentenakkreditiv, von der Hausbank bestätigt. Dann zahlt die Bank gegen ordnungsgemäße Dokumente, auch wenn die Bank des Käufers oder das Land ausfällt. Die Kosten von rund 0,6 % des Auftragswerts, also 504 €, sind im Preis kalkuliert.
  4. Währung: Hollerbrook fakturiert in Euro. Besteht der Kunde auf US-Dollar, sichert Hollerbrook den Kurs mit einem Devisentermingeschäft ab.
  5. Ausfuhr planen: Prüfen, ob die Werkzeuge in der Liste der Güter mit doppeltem Verwendungszweck stehen und ob der Kunde auf einer Sanktionsliste steht; Ausfuhranmeldung elektronisch über den Zolldienstleister; Ausgangsvermerk als Nachweis für die steuerfreie Ausfuhrlieferung aufbewahren.
  6. Kunde binden: Nach zwei bis drei pünktlich bezahlten Akkreditivgeschäften kann Hollerbrook auf ein unbestätigtes Akkreditiv mit geringeren Kosten umstellen oder bei der Geschäftsführung eine Ausnahme von der Regel beantragen, etwa für Dokumenteninkasso; den Kunden besucht Hollerbrook regelmäßig.
Beispiel

Ergebnis. Der Importeur akzeptiert CIP Dubai und das bestätigte Akkreditiv, verhandelt aber eine Zahlung in US-Dollar durch. Hollerbrook schließt daraufhin ein Devisentermingeschäft über den Gegenwert ab. Die Ware wird fristgerecht verladen, die Bank zahlt nach Prüfung der Dokumente.

Mit den Leitfragen üben. Die fünf Leitfragen stehen als Aufgaben in diesem Lernfeld, jeweils mit Musterantwort und Bewertungsraster. Leitfrage 5 verlangt eine kurze Antwort an den Importeur auf Englisch, wie sie im Gespräch als Nachfrage oder in der Prozessorientierten Organisation vorkommen kann. Nenne Zahlen aus dem Fall, eine verworfene Möglichkeit und die Folgen für Kunde, Kosten, Umwelt und Recht.

Kapitel 2: Kapitalbindung und Finanzierungs­kosten im Außenhandel

Kapitel 2 von 11

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Im Außenhandel liegen zwischen dem Geld, das an den Lieferanten geht, und dem Geld, das vom Kunden kommt, oft Monate. Ware ist wochenlang auf See, liegt im Lager und wird dann noch mit Zahlungsziel verkauft. In dieser Zeit muss Hollerbrook den Einkauf vorfinanzieren, meist über den Kontokorrentkredit. Welche Zahlungsbedingung Hollerbrook vereinbart, bestimmt, wie lange und wie viel Geld gebunden ist.

Die Zeitachse eines Geschäfts und ihre Kosten

Kapitalbindungsdauer. Sie reicht vom Tag, an dem Geld abfließt, bis zum Tag, an dem es über den Verkauf zurückkommt. Beim Import addieren sich typischerweise:

  • die Zeit vom Bezahlen bis zur Ankunft der Ware, je nach Zahlungsbedingung,
  • Verzollung und Nachlauf,
  • die Lagerdauer bis zum Verkauf,
  • das Zahlungsziel des Kunden.

Je später Hollerbrook selbst zahlt, desto kürzer ist die Bindung:

Zahlungsbedingung beim EinkaufZahlung durch Hollerbrook
Vorauszahlungbei Bestellung, Wochen vor der Verschiffung
Akkreditivwenn der Lieferant nach der Verschiffung die Dokumente vorlegt
Dokumenteninkasso, Kasse gegen Dokumentewenn die Dokumente in Bremen ankommen, meist kurz vor der Ware
Dokumente gegen Akzept oder ZahlungszielWochen nach der Ankunft

Finanzierungskosten. Hollerbrook rechnet sie mit der kaufmännischen Zinsformel und 360 Zinstagen:

Schema

Finanzierungskosten = gebundenes Kapital × Zinssatz × Tage ÷ (100 × 360)

Der Zinssatz ist der Satz, den das Geld tatsächlich kostet, bei Hollerbrook der Sollzins des Kontokorrentkredits von 9,5 %. Ist das Konto im Guthaben, entgehen Hollerbrook stattdessen Zinsen.

In der Kalkulation. Finanzierungskosten gehören zu den Kosten eines Auftrags und gehen in den Angebotspreis ein; vereinfachend werden sie in der Exportkalkulation (Kapitel „Vom Bezugspreis zum Angebotspreis in Fremdwährung“) hinter den Selbstkosten ab Lager addiert. Verlangt ein Kunde ein längeres Zahlungsziel, steigen sie, und Hollerbrook sollte sie im Preis berücksichtigen oder ein kürzeres Ziel aushandeln. Beim Einkauf kann es sich lohnen, für eine spätere Zahlung einen etwas höheren Preis zu akzeptieren, solange der Aufpreis unter den gesparten Zinsen liegt. Eine kurze Kapitalbindung schont außerdem die Kreditlinie: Was heute im Kontokorrent steckt, fehlt für den nächsten Einkauf.

Beispiel

Hollerbrook bezahlt Schutzhandschuhe im Wert von 50.000 € per Akkreditiv bei Verschiffung. Bis zum Zahlungseingang der Kunden vergehen 90 Tage. Die Finanzierung kostet 50.000 € × 9,5 × 90 ÷ (100 × 360) = 1.187,50 €, das sind 2,4 % des Warenwerts.

Kapitel 3: Zahlungs­bedingungen im Außenhandel abwägen

Kapitel 3 von 11

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Exporteur und Importeur wollen dasselbe, nur in umgekehrter Reihenfolge: Der eine möchte sein Geld, bevor die Ware das Haus verlässt, der andere die Ware, bevor er zahlt. Die Zahlungsbedingung legt fest, wer dabei das Risiko trägt, wer zwischenfinanziert und was die Absicherung kostet.

Sicherheit, Kosten und Liquidität im Vergleich

ZahlungsbedingungSicherheit für den ExporteurSicherheit für den ImporteurKosten und Liquidität
Vorauszahlungsehr hoch, das Geld ist dasehr gering, er trägt das LieferrisikoImporteur finanziert vor
Anzahlung, Rest gegen Dokumentehoch, ein Teil ist gesichertmittelgeteilte Vorfinanzierung
Akkreditiv, bestätigtsehr hoch, zwei Banken versprechen die Zahlunghoch, Zahlung nur gegen ordnungsgemäße Dokumentehohe Bankgebühren, Kreditlinie des Importeurs wird belastet
Akkreditiv, unbestätigthoch, solange die Bank des Importeurs zahlen kann und darfhochGebühren mittel bis hoch
Kasse gegen Dokumentemittel, der Importeur kann die Aufnahme verweigernmittel, er zahlt vor Prüfung der Waregeringe Gebühren
Dokumente gegen Akzeptgering, er hält nur einen Wechselhoch, er erhält Ware und ZahlungszielExporteur finanziert vor
offene Rechnung mit Zielgering, er liefert auf Vertrauensehr hochExporteur finanziert vor, kaum Gebühren

Worauf es ankommt.

  • Bonität und Beziehung: Bei langjährigen, zahlungsstarken Kunden genügt oft die offene Rechnung, bei neuen Kunden braucht es mehr Sicherheit.
  • Länderrisiko: Auch ein guter Kunde kann nicht zahlen, wenn sein Land den Devisentransfer stoppt oder politische Unruhen herrschen. Gegen dieses Risiko hilft ein Akkreditiv, das eine Bank im Land des Exporteurs bestätigt.
  • Auftragshöhe: Bei kleinen Beträgen fressen die Gebühren eines Akkreditivs den Gewinn auf.
  • Marktlage: Wer viele Wettbewerber hat, muss dem Kunden eher entgegenkommen, etwa mit Ziel und Warenkreditversicherung.
  • Absicherung: Offene Forderungen lassen sich über eine Warenkreditversicherung oder staatliche Exportkreditgarantien absichern; das kostet Prämie und meist einen Selbstbehalt.

Hollerbrook hat dafür Regeln: offene Rechnung mit Warenkreditversicherung in der EU, in der Schweiz, in Norwegen und im Vereinigten Königreich, offene Rechnung nach Bonitätsprüfung in den USA und in Kanada, Akkreditiv oder Vorauszahlung für Kunden in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Südafrika.

Beispiel

Ein langjähriger Kunde in Oslo bestellt für 12.000 €. Hollerbrook liefert auf offene Rechnung mit 30 Tagen Ziel, die Warenkreditversicherung deckt den Kunden ab. Ein Akkreditiv würde den Kunden verärgern und mehrere hundert Euro Gebühren kosten, ohne das Risiko spürbar zu senken.

Kapitel 4: Dokumenteninkasso und Akkreditiv abwickeln

Kapitel 4 von 11

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Bei beiden Verfahren laufen Ware und Dokumente getrennt: Die Ware reist mit dem Schiff, die Dokumente über die Banken. Wer die Dokumente hat, kann über die Ware verfügen. Deshalb hängt alles daran, dass Dokumente rechtzeitig, vollständig und fehlerfrei vorliegen.

Beteiligte, Ablauf, Dokumente und Fristen

Dokumenteninkasso. Der Exporteur beauftragt seine Bank (Einreicherbank), die Dokumente an eine Bank im Land des Importeurs (Inkassobank) zu schicken. Diese legt sie dem Importeur vor und gibt sie nur heraus, wenn er zahlt (Kasse gegen Dokumente) oder einen Wechsel akzeptiert (Dokumente gegen Akzept). Die Banken prüfen nur, ob die genannten Dokumente vorliegen, nicht ihren Inhalt, und sie zahlen nicht selbst. Grundlage sind meist die Einheitlichen Richtlinien der ICC für Inkassi.

Dokumentenakkreditiv. Hier verspricht eine Bank die Zahlung.

RolleWerAufgabe
AuftraggeberImporteurbeantragt das Akkreditiv bei seiner Bank
Eröffnende BankBank des Importeursgibt das Zahlungsversprechen ab
Avisierende BankBank im Land des Exporteursteilt dem Exporteur das Akkreditiv mit und prüft seine Echtheit
Bestätigende Bankmeist dieselbe Bankgibt ein zusätzliches eigenes Zahlungsversprechen ab
BegünstigterExporteurverlädt die Ware und reicht die Dokumente ein

Ablauf: Kaufvertrag mit Akkreditivklausel, Antrag des Importeurs, Eröffnung, Avisierung und gegebenenfalls Bestätigung, Prüfung durch den Exporteur, ob er alle Bedingungen erfüllen kann, Verladung, Einreichung der Dokumente, Prüfung durch die Bank, Zahlung, Weiterleitung der Dokumente und Belastung des Importeurs.

Dokumentenstrenge. Banken prüfen nur Papiere, nie die Ware. Gezahlt wird, wenn die Dokumente den Bedingungen des Akkreditivs entsprechen und einander nicht widersprechen. Das Akkreditiv ist vom Kaufvertrag unabhängig: Was dort steht, zählt für die Bank nur, soweit es im Akkreditiv steht. Grundlage sind meist die Einheitlichen Richtlinien und Gebräuche der ICC für Dokumenten-Akkreditive (ERA 600).

Typische Dokumente. Handelsrechnung, voller Satz reiner Bordkonnossemente, Packliste, Versicherungsdokument bei CIF oder CIP, Ursprungszeugnis und oft ein Inspektionszertifikat, mit dem eine unabhängige Prüfgesellschaft vor der Verladung Menge und Beschaffenheit bestätigt.

Fristen.

  • Spätester Verladetag: Bis dahin muss die Ware an Bord sein.
  • Vorlagefrist: Steht im Akkreditiv nichts anderes, müssen die Dokumente spätestens 21 Kalendertage nach der Verladung bei der Bank sein.
  • Verfalldatum: Danach nimmt die Bank keine Dokumente mehr an, auch nicht innerhalb der Vorlagefrist.
  • Prüfung: Die Bank hat dafür höchstens fünf Bankarbeitstage.
Beispiel

Ein Händler in Dubai lässt ein Akkreditiv zugunsten von Hollerbrook eröffnen, die Hausbank in Bremen bestätigt es. Hollerbrook prüft sofort, ob Verladetag, Dokumente und Lieferklausel zum Auftrag passen, und lässt eine Bedingung, die nicht erfüllbar ist, vor der Verladung ändern.

Kapitel 5: Währungsrisiko absichern

Kapitel 5 von 11

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Hollerbrook kauft in Asien in US-Dollar ein und verkauft in US-Dollar, Schweizer Franken, Norwegischen Kronen, Britischen Pfund und Kanadischen Dollar. Zwischen Vertrag und Zahlung liegen oft Wochen oder Monate. Ändert sich in dieser Zeit der Kurs, wird ein gutes Geschäft schnell zum Verlustgeschäft. Wie Kurse abgelesen und umgerechnet werden, steht in Lernfeld 3 im Kapitel „Wechselkurse und Importkalkulation“.

Kassa- und Termingeschäft, Option und Fakturierung in Euro

Kassa und Termin. Beim Kassageschäft werden Devisen sofort zum aktuellen Kurs getauscht, die Erfüllung folgt nach zwei Bankarbeitstagen. Beim Devisentermingeschäft vereinbart Hollerbrook heute mit der Bank Betrag, Kurs und Fälligkeitstag eines späteren Tauschs. Beide Seiten sind gebunden: Hollerbrook kennt den Eurobetrag schon heute, egal wie sich der Kurs bis dahin entwickelt.

Der Terminkurs weicht um einen Auf- oder Abschlag vom Kassakurs ab. Er ergibt sich vor allem aus dem Zinsunterschied der beiden Währungen für die Laufzeit, nicht aus einer Kursprognose. Sind die Zinsen in den USA höher als im Euroraum, liegt der Terminkurs in Mengennotierung über dem Kassakurs. Auch beim Termingeschäft gilt: Kauft Hollerbrook Devisen, rechnet die Bank mit dem Geldkurs, verkauft Hollerbrook Devisen, mit dem Briefkurs.

Devisenoption. Sie gibt das Recht, aber nicht die Pflicht, zu einem festgelegten Kurs zu tauschen. Entwickelt sich der Kurs günstig, lässt Hollerbrook die Option verfallen und tauscht am Markt. Dafür kostet die Option eine Prämie, die sofort zu zahlen ist.

Andere Wege.

  • Fakturierung in Euro: Kauft oder verkauft Hollerbrook in Euro, trägt der Partner das Risiko. Er rechnet dafür oft einen Aufschlag ein oder lehnt ab.
  • Natürliche Absicherung: Einnahmen und Ausgaben in derselben Währung gleichen sich aus. Hollerbrook kann Zahlungen aus den USA auf einem Dollarkonto sammeln und damit Lieferanten in Asien bezahlen; abgesichert wird nur der Rest.
  • Offenes Risiko: Bei kleinen Beträgen oder kurzer Laufzeit kann Hollerbrook bewusst auf eine Absicherung verzichten.

Abwägen. Das Termingeschäft schützt vor Verlusten, nimmt aber auch die Chance auf Kursgewinne. Es lohnt sich vor allem, wenn der Betrag groß ist, die Marge klein und der Preis schon fest vereinbart ist.

Beispiel

Ein Kunde in den USA zahlt in drei Monaten 120.000 USD. Hollerbrook verkauft den Betrag per Termin zum Briefkurs von 1,1340 und erhält sicher 105.820,11 €. Steigt der Euro bis dahin auf 1,1800, hätte Hollerbrook ohne Absicherung nur 101.694,92 € erhalten, also 4.125,19 € weniger.

Kapitel 6: Exportkalkulation mit Lieferklausel und Fremdwährung

Kapitel 6 von 11

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Im Export rechnet Hollerbrook vom eigenen Bezugspreis vorwärts bis zum Preis, der im Angebot an den Kunden steht. Gegenüber der Inlandskalkulation kommen drei Dinge dazu: die Kosten, die Hollerbrook nach der Lieferklausel übernimmt, die Kosten für Absicherung und Finanzierung und die Umrechnung in die Währung des Kunden.

Vom Bezugspreis zum Angebotspreis in Fremdwährung

Kalkulationsschema
RechenzeichenPosition
Bezugspreis der Ware ab Lager
+Handlungskosten (bei Hollerbrook 18 %)
=Selbstkosten ab Lager
+Gewinn (bei Hollerbrook 6 %)
=Barverkaufspreis ab Lager
+Kosten nach der Lieferklausel
+Absicherungs- und Finanzierungskosten
=Angebotspreis in Euro
×Kurs (Terminkurs, beim Verkauf von Devisen Briefkurs)
=Angebotspreis in Fremdwährung

Kosten nach der Lieferklausel. Welche Kosten Hollerbrook übernimmt, folgt aus der Klausel: bei FCA Bremen nur die Verpackung und die Ausfuhrabfertigung, bei CPT zusätzlich Vor- und Hauptlauf bis zum Bestimmungsort, bei CIP außerdem die Transportversicherung, bei DAP Transport und Gefahr bis zum Bestimmungsort, sodass Hollerbrook sich dann meist selbst versichert. Hollerbrook schlägt auf diese Kosten keinen Gewinn auf, weil sie an Dienstleister weitergehen.

Absicherung und Finanzierung. Dazu gehören Zinsen für das Zahlungsziel des Kunden, Gebühren für Akkreditiv oder Inkasso, die Prämie einer Warenkreditversicherung und gegebenenfalls eine Optionsprämie. Vereinfachend rechnet Hollerbrook die Zinsen nur auf den Bezugspreis; bei Lieferungen mit Fracht und Versicherung in der Klausel legt es auch dafür Geld aus. Ebenso wird der Gewinn vereinfachend nur auf die Selbstkosten ab Lager gerechnet und nicht auf die Kosten nach der Klausel oder die Finanzierung.

Umrechnung. Für ein Angebot in Fremdwährung nimmt Hollerbrook den Terminkurs zum erwarteten Zahlungstag. Dann ist der Eurobetrag nach Abschluss des Termingeschäfts sicher.

Mit dem Markt vergleichen. Liegt der Angebotspreis über dem, was Kunden im Zielland üblicherweise zahlen, prüft Hollerbrook zuerst eine andere Lieferklausel oder Zahlungsbedingung, bevor es am Gewinn spart.

Und im Import? Die Importkalkulation aus Lernfeld 3 wird auf dieselbe Weise ergänzt: Statt des Kassakurses steht der Terminkurs, Akkreditivgebühren und Zinsen für die Vorfinanzierung kommen zu den Bezugskosten. Die Einfuhrumsatzsteuer bleibt außen vor, weil Hollerbrook sie als Vorsteuer abzieht.

Beispiel

Für eine Lieferung „CPT Oslo“ beträgt der Bezugspreis 15.000 €. Mit 18 % Handlungskosten und 6 % Gewinn ergibt sich ein Barverkaufspreis ab Lager von 18.762 €. Dazu kommen 640 € für den Lkw bis Oslo, 60 € für die Ausfuhranmeldung und 118,75 € Zinsen für 30 Tage Ziel (15.000 € × 9,5 × 30 ÷ 36.000). Hollerbrook bietet 19.580,75 € an. Der Kunde zahlt in Euro, eine Umrechnung entfällt.

Kapitel 7: Exportdokumente auf Englisch erstellen und prüfen

Kapitel 7 von 11

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Angebot, Auftragsbestätigung und Handelsrechnung sind im Export dieselben Dokumente wie im Inland, nur auf Englisch und mit Angaben, die Zoll und Banken im Zielland brauchen. Fehlt eine Angabe oder widersprechen sich zwei Dokumente, bleibt die Ware beim Zoll liegen oder die Bank zahlt nicht.

Angebot, Auftragsbestätigung und Rechnung im Export

Drei Dokumente, eine Linie. Das Angebot (quotation) nennt Ware, Preis, Währung, Lieferklausel, Lieferzeit, Zahlungsbedingung und Gültigkeit. Die Auftragsbestätigung (order acknowledgement) wiederholt die vereinbarten Bedingungen; weicht sie von der Bestellung ab, muss Hollerbrook das deutlich sagen. Die Handelsrechnung (commercial invoice) folgt beiden. Für eine Vorauszahlung oder die Eröffnung eines Akkreditivs schickt Hollerbrook vorab eine Proformarechnung (pro forma invoice), die genauso aussieht, aber keine Zahlungspflicht begründet.

AngabeEnglisch
Rechnungsnummer und -datuminvoice number, invoice date
Verkäufer, Käufer, Empfängerseller, buyer, consignee
Warenbeschreibungdescription of goods
WarennummerHS code, commodity code
Menge, Einzelpreis, Gesamtbetragquantity, unit price, total amount
Lieferbedingungterms of delivery, z. B. CPT Leeds (Incoterms 2020)
Zahlungsbedingungterms of payment, z. B. 30 days net
Ursprungslandcountry of origin
Brutto- und Nettogewichtgross weight, net weight

Was das Zielland verlangt. Neben diesen Grundangaben haben viele Länder eigene Regeln:

  • Ursprung und Präferenz: Soll der Kunde Zollvorteile aus einem Handelsabkommen erhalten, gehört eine Erklärung zum Ursprung auf die Rechnung oder ein Präferenznachweis zur Sendung, im Handel mit dem Vereinigten Königreich zum Beispiel eine Erklärung zum Ursprung nach dem Handels- und Kooperationsabkommen.
  • Warenbeschreibung: Zollbehörden etwa in den USA verlangen eine genaue Beschreibung und das Ursprungsland jeder Position; allgemeine Angaben wie „tools“ reichen nicht.
  • Beglaubigung: Manche Länder verlangen, dass Rechnung oder Ursprungszeugnis von der IHK beglaubigt oder von ihrer Botschaft legalisiert werden.

Welche Regeln gerade gelten, steht in Nachschlagewerken zu Konsulats- und Mustervorschriften und bei den Industrie- und Handelskammern. Hollerbrook hinterlegt die Vorgaben je Land im ERP-System, damit jede Rechnung sie automatisch enthält.

Beispiel

Auf einer Rechnung an einen Händler in Leeds stehen: invoice no. EX-2026-0771, description of goods: torque wrenches 1/2 inch drive, 40 to 200 Nm, HS code, quantity 50, unit price GBP 286.00, terms of delivery CPT Leeds (Incoterms 2020), terms of payment 30 days net, country of origin Germany, dazu die Erklärung zum Ursprung für die Präferenz.

Kapitel 8: Bankgarantien und Exportkreditgarantien nutzen

Kapitel 8 von 11

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Absichern will sich im Außenhandel auch der Importeur: Leistet er eine Anzahlung, möchte er sicher sein, dass er sein Geld zurückbekommt, falls die Ware nie kommt. Umgekehrt braucht ein Exporteur, der auf Ziel liefert, Schutz gegen Zahlungsausfall, auch wenn im Land des Kunden ein Krieg ausbricht oder Devisen knapp werden. Dafür gibt es Bankgarantien und staatliche Exportkreditgarantien.

Garantien der Banken und des Staates

Bankgarantie. Die Bank des Auftraggebers verspricht dem Begünstigten, bis zu einem Höchstbetrag zu zahlen, wenn der Garantiefall eintritt. Im Außenhandel üblich ist die Garantie auf erstes Anfordern: Die Bank zahlt, sobald der Begünstigte den Garantiefall erklärt. Sie prüft nur, ob die Anforderung den Garantiebedingungen entspricht, nicht ob die Forderung berechtigt ist. Ob zu Recht gezahlt wurde, klären die Vertragspartner danach. Darin liegt der Unterschied zur Bürgschaft: Der Bürge haftet nur, soweit die Hauptschuld besteht (§ 767 Abs. 1 BGB).

GarantiesichertBegünstigter
Bietungsgarantiedass ein Bieter seinen Vertrag nach dem Zuschlag auch abschließtAusschreibender
Anzahlungsgarantiedie Rückzahlung einer Anzahlung, wenn der Exporteur nicht liefertImporteur
Liefer- oder VertragserfüllungsgarantieSchadensersatz, wenn der Exporteur nicht vertragsgemäß liefertImporteur
GewährleistungsgarantieAnsprüche wegen Mängeln während der GewährleistungszeitImporteur
Zahlungsgarantiedie Zahlung des KaufpreisesExporteur

Kosten. Die Bank berechnet eine Avalprovision, meist in Prozent des Garantiebetrags im Jahr. Außerdem belastet die Garantie die Kreditlinie des Auftraggebers, auch wenn kein Geld fließt (Avalkredit).

Staatliche Exportkreditgarantien. Der Bund sichert deutsche Exporteure und Banken gegen Forderungsausfälle ab, die private Kreditversicherer nicht oder nicht zu tragbaren Bedingungen decken, vor allem in Ländern mit erhöhtem Risiko und bei langen Laufzeiten. Gedeckt sind:

  • wirtschaftliche Risiken: Der Kunde wird zahlungsunfähig oder zahlt nicht,
  • politische Risiken: Krieg, Beschlagnahme, Zahlungsverbote oder Transferprobleme im Land des Kunden.

Der Exporteur zahlt ein Entgelt und trägt eine Selbstbeteiligung. Abgewickelt werden die Garantien über eine vom Bund beauftragte Gesellschaft. Für kurzfristige Forderungen gegen Kunden in der EU und in Ländern mit geringem Risiko ist meist die private Warenkreditversicherung der Weg, wie bei Hollerbrook.

Beispiel

Ein Händler in Kapstadt bestellt Messwerkzeuge für 240.000 € und leistet 30 % Anzahlung. Er verlangt eine Anzahlungsgarantie über 72.000 €. Die Hausbank von Hollerbrook stellt sie aus und berechnet 1,2 % Avalprovision im Jahr. Die Garantie ist auf 120 Tage befristet.

Kapitel 9: Liquiditätsstatus aufstellen und Zahlungen abgleichen

Kapitel 9 von 11

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Ein Außenhändler kann gute Gewinne machen und trotzdem in Zahlungsnot geraten, wenn ein Akkreditiv belastet wird, der Zoll fällig ist und ein großer Kunde später zahlt als erwartet. Deshalb prüft das Rechnungswesen von Hollerbrook laufend, ob die Mittel für die nächsten fälligen Zahlungen reichen.

Liquiditätsstatus und Abgleich mit dem Plan

Plan und Status. Der Liquiditätsplan schaut nach vorn: Er stellt die erwarteten Ein- und Auszahlungen der kommenden Wochen und Monate gegenüber. Der Liquiditätsstatus ist eine Momentaufnahme zu einem Stichtag. Er zeigt, ob die Mittel, die heute verfügbar sind, für die Zahlungen reichen, die heute oder in den nächsten Tagen fällig werden.

Schema

Verfügbare Mittel = Kasse + Bankguthaben + freie Kreditlinie

Freie Kreditlinie = Kreditlimit − in Anspruch genommener Kredit

Ergebnis = verfügbare Mittel + sichere Einzahlungen − fällige Auszahlungen

Ist das Ergebnis positiv, liegt eine Überdeckung vor, sonst eine Unterdeckung. Als sichere Einzahlungen zählen nur Beträge, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eingehen, etwa angekündigte Überweisungen oder Zahlungen aus einem bestätigten Akkreditiv.

Bei Unterdeckung muss Hollerbrook handeln, bevor Zahlungen platzen: offene Forderungen anmahnen, fällige Zahlungen mit Lieferanten verschieben, die Kreditlinie vorübergehend erhöhen lassen oder Zahlungen umschichten. Bei dauerhafter Überdeckung lohnt es sich, den Kontokorrentkredit zurückzuführen, weil jeder Euro darin 9,5 % Zinsen kostet.

Abgleich mit den tatsächlichen Zahlungen. Am Ende jeder Woche vergleicht das Rechnungswesen die geplanten mit den tatsächlichen Zahlungen:

  1. Abweichung feststellen: Ist minus Plan je Position.
  2. Ursache klären: Kunde hat später gezahlt, der Dollarkurs hat sich verändert, der Zoll war höher, eine Zahlung war vergessen.
  3. Reagieren: einmalige Abweichungen ausgleichen, wiederkehrende Ursachen im Plan berücksichtigen, etwa mit längeren Zahlungszielen für bestimmte Kunden.

So wird der Plan von Woche zu Woche genauer.

Beispiel

Am Stichtag hat Hollerbrook 234.800 € verfügbar, davon 188.000 € freie Kreditlinie. Fällig werden 261.600 €, sicher eingehen 90.800 €. Das ergibt eine Überdeckung von 64.000 €. Zahlt ein Kunde mit 52.400 € doch erst nächste Woche, schrumpft der Puffer auf 11.600 €, und das Rechnungswesen prüft, welche Auszahlung sich verschieben lässt.

Kapitel 10: Den Kontokorrentkredit beurteilen

Kapitel 10 von 11

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Hollerbrook finanziert Akkreditive, Zoll und Lagerware vor allem über den Kontokorrentkredit seiner Hausbank: Limit 800.000 €, Sollzins 9,5 % im Jahr. Wie dieser Kredit funktioniert, was er kostet und wann eine andere Finanzierung besser passt, zeigt dieser Abschnitt. Ob sich Skonto mit dem Kontokorrentkredit lohnt, steht in Lernfeld 3 im Kapitel „Skonto ausnutzen: Wann lohnt sich ein Kredit?“.

Merkmale, Kosten und Vergleich

Merkmale. Der Kontokorrentkredit ist ein kurzfristiger Kredit auf dem laufenden Geschäftskonto:

  • Die Bank räumt eine Kreditlinie ein. Bis dahin darf das Konto ins Soll gehen.
  • Die Inanspruchnahme schwankt täglich mit den Ein- und Auszahlungen.
  • Zinsen fallen nur auf den tatsächlich beanspruchten Betrag und nur für die Tage an, an denen das Konto im Soll steht.
  • Geht das Konto über das Limit hinaus, berechnet die Bank für den Betrag darüber einen höheren Satz, meist einige Prozentpunkte über dem Sollzins.
  • Die Bank rechnet die Zinsen in der Regel vierteljährlich ab und belastet sie dem Konto.
  • Die Linie ist meist bis auf Weiteres eingeräumt und kann gekündigt werden; Banken verlangen oft Sicherheiten, etwa die Abtretung von Forderungen.

Vergleich.

KreditartVorteilNachteilpasst für
Kontokorrentkreditflexibel, Zinsen nur auf die Inanspruchnahmehöherer Zinssatz, kündbarschwankende, kurzfristige Lücken
Darlehenniedrigerer Zinssatz, fester TilgungsplanZinsen auf den ganzen Betrag ab Auszahlunglängerfristiger, fester Bedarf
Lieferantenkreditohne Kreditantrag bei der Bank, Sicherheit meist nur der Eigentumsvorbehaltsehr teuer, wenn Skonto verfälltnur, wenn die Bank nicht mehr hilft

Rechnen mit wechselnden Salden. Für jeden Zeitraum mit gleichem Saldo werden die Zinsen getrennt berechnet und am Ende addiert:

Schema

Zinsen = Saldo × Zinssatz × Tage ÷ (100 × 360)

Beispiel

Hollerbrook braucht im Herbst für vier Monate zusätzliche Mittel, um Winterware zu importieren. Ein Darlehen über 300.000 € zu 6 % kostet für 120 Tage 6.000 €, weil die ganze Summe verzinst wird. Über den Kontokorrentkredit braucht Hollerbrook im Durchschnitt nur 180.000 €; bei 9,5 % kostet das für 120 Tage 5.700 €. Trotz des höheren Satzes ist der flexible Kredit hier günstiger.

Kapitel 11: Instrumente der Außenhandels­finanzierung

Kapitel 11 von 11

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Gewährt Hollerbrook einem Kunden in Übersee ein Zahlungsziel, fehlt das Geld bis zum Zahlungseingang in der eigenen Kasse. Dazu kommt das Risiko, dass es nie eingeht. Für beides gibt es Instrumente, die Finanzierung und Absicherung verbinden.

Exportkredite, Forfaitierung, Factoring und Sicherheiten

Lieferantenkredit des Exporteurs. Hollerbrook gewährt das Ziel selbst und finanziert es über den eigenen Kontokorrentkredit. Das Ausfallrisiko bleibt bei Hollerbrook, wenn es nicht abgesichert ist.

Bestellerkredit. Eine Bank im Land des Exporteurs gibt dem Importeur einen Kredit, mit dem er den Exporteur sofort bezahlt. Der Exporteur erhält sein Geld bei Lieferung, das Kreditrisiko trägt die Bank, meist abgesichert über eine Exportkreditgarantie. Üblich ist das bei großen Aufträgen und langen Laufzeiten, etwa für Maschinen.

Forfaitierung. Der Exporteur verkauft eine einzelne, meist mittel- oder langfristige Exportforderung an einen Forfaiteur und erhält sofort den Betrag abzüglich eines Abschlags für Zinsen und Risiko. Der Verkauf erfolgt ohne Rückgriff: Zahlt der Importeur nicht, trägt der Forfaiteur den Ausfall. Der Exporteur haftet nur dafür, dass die Forderung rechtlich besteht. Forfaiteure kaufen bevorzugt Forderungen, die durch ein Akkreditiv mit späterer Zahlung oder eine Bankgarantie gesichert sind.

Exportfactoring. Der Factor kauft laufend die kurzfristigen Forderungen gegen Kunden im Ausland, zahlt einen großen Teil sofort aus, übernimmt Buchhaltung und Mahnwesen und beim echten Factoring auch das Ausfallrisiko. Im Ausland arbeitet er oft mit einem Korrespondenzfactor zusammen, der den Kunden vor Ort kennt. Kosten sind eine Gebühr auf den Umsatz und Zinsen für die ausgezahlten Beträge.

Öffentliche Exportfinanzierung. Für große Vorhaben mit langer Laufzeit bieten Förderbanken des Bundes Exportkredite zu festen Zinsen an, oft zusammen mit einer Exportkreditgarantie.

Sicherheiten im Auslandsgeschäft.

SicherheitWirkung
AkkreditivZahlungsversprechen einer Bank gegen Dokumente
BankgarantieZahlung bei Garantiefall auf erstes Anfordern
ExportkreditgarantieAbsicherung wirtschaftlicher und politischer Risiken durch den Bund
Abtretung von Forderungendie Bank kann sich aus den Forderungen des Kreditnehmers bedienen
Eigentumsvorbehaltgilt nur, soweit das Recht des Landes, in dem die Ware liegt, ihn anerkennt
Beispiel

Ein Händler in Kapstadt bezahlt Hollerbrook per Akkreditiv mit Zahlung 180 Tage nach Verladung. Damit Hollerbrook nicht ein halbes Jahr wartet, verkauft es die Forderung an einen Forfaiteur. Hollerbrook erhält das Geld sofort, und der Kontokorrentkredit bleibt frei.

Nachschlagen

Fachbegriffe und Formeln zum Nachschlagen, jeweils auf einer Seite.

Fachbegriffe aus diesem Lernfeld

Bankgarantie
Zahlungsversprechen einer Bank an einen Begünstigten bis zu einem Höchstbetrag für den Fall, dass ihr Kunde eine Pflicht nicht erfüllt. Anders als die Bürgschaft hängt sie nicht vom Bestand der Hauptschuld ab.
Devisentermingeschäft
Vereinbarung mit der Bank, einen Devisenbetrag an einem späteren Tag zu einem heute festgelegten Kurs zu tauschen. Beide Seiten sind gebunden.
Dokumentenstrenge
Grundsatz beim Akkreditiv: Die Bank zahlt nur gegen Dokumente, die den Bedingungen genau entsprechen und einander nicht widersprechen; die Ware prüft sie nicht.
Forfaitierung
Verkauf einer einzelnen, meist mittel- oder langfristigen Exportforderung ohne Rückgriff. Der Käufer trägt den Ausfall, der Exporteur haftet nur für den Bestand der Forderung.
Inspektionszertifikat
Bescheinigung einer unabhängigen Prüfgesellschaft, die vor der Verladung Menge und Beschaffenheit der Ware bestätigt; oft im Akkreditiv verlangt.
Liquiditätsstatus
Gegenüberstellung der an einem Stichtag verfügbaren Mittel einschließlich freier Kreditlinie und der fälligen Zahlungen; zeigt eine Über- oder Unterdeckung.
Terminkurs
Kurs für einen Devisentausch an einem späteren Tag. Er weicht um einen Auf- oder Abschlag vom Kassakurs ab, der vor allem aus dem Zinsunterschied entsteht.

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