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Kapitel
14
Aufgaben
42
Ausbildungsjahr
2
Lernfeldstunden
80

Kapitel 1: Warenkonten und Umsatzsteuer abschließen

Kapitel 1 von 14

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Bevor Velbrink Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung aufstellt, werden die Warenkonten und die Umsatzsteuerkonten abgeschlossen. Im Großhandel steckt in diesen Konten der größte Teil des Erfolgs.

Die Warenkonten

Velbrink bucht Einkäufe auf dem Konto Wareneingang und Verkäufe auf dem Konto Warenverkauf, jeweils mit dem Rechnungsbetrag ohne Umsatzsteuer. Das Konto Warenbestand enthält während des Jahres nur den Anfangsbestand. Bezugskosten, Nachlässe von Lieferanten und Kundenskonti laufen auf Unterkonten.

Der Abschluss läuft in dieser Reihenfolge:

  1. Unterkonten abschließen: Bezugskosten und Nachlässe von Lieferanten über Wareneingang, Kundenskonti über Warenverkauf.
  2. Bestandsveränderung buchen: Den Schlussbestand liefert die Inventur. Ist er höher als der Anfangsbestand (Mehrbestand), wurde weniger verkauft als eingekauft: Warenbestand an Wareneingang. Bei einem Minderbestand: Wareneingang an Warenbestand. Danach zeigt Wareneingang den Wareneinsatz, also die verkaufte Ware zu Einstandspreisen.
  3. Erfolgskonten abschließen: GuV an Wareneingang (Wareneinsatz), Warenverkauf an GuV (Nettoumsatz).
  4. Warenbestand abschließen: Schlussbilanzkonto an Warenbestand.

Der Unterschied zwischen Nettoumsatz und Wareneinsatz ist der Rohgewinn. Er muss die Handlungskosten decken; was dann übrig bleibt, ist der Reingewinn.

Beispiel

Velbrink 2025: Anfangsbestand 4.900.000 €, Schlussbestand laut Inventur 5.400.000 €, also 500.000 € Mehrbestand. Wareneingang nach Abschluss der Unterkonten 31.300.000 € (Einkäufe 31.180.000 € + Bezugskosten 420.000 € − Nachlässe 300.000 €). Warenverkauf 41.880.000 €, Kundenskonti 280.000 €.

GrößeRechnungBetrag
Wareneinsatz31.300.000 € − 500.000 €30.800.000 €
Nettoumsatz41.880.000 € − 280.000 €41.600.000 €
Rohgewinn41.600.000 € − 30.800.000 €10.800.000 €

Umsatzsteuer abschließen

Am Jahresende wird die Vorsteuer mit der Umsatzsteuer verrechnet: Umsatzsteuer an Vorsteuer. Bleibt auf dem Konto Umsatzsteuer ein Saldo, ist das die Zahllast, eine Schuld gegenüber dem Finanzamt: Umsatzsteuer an Schlussbilanzkonto. Ist die Vorsteuer höher, entsteht ein Erstattungsanspruch: Schlussbilanzkonto an Vorsteuer.

Beispiel

Im Dezember 2025 stehen bei Velbrink 812.000 € Umsatzsteuer und 594.000 € Vorsteuer offen. Nach der Verrechnung bleibt eine Zahllast von 218.000 €, die als Verbindlichkeit in die Schlussbilanz geht und im neuen Jahr an das Finanzamt überwiesen wird.

Kapitel 2: Der Jahresabschluss der GmbH

Kapitel 2 von 14

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Jeder Kaufmann, der zur Buchführung verpflichtet ist, stellt zum Ende des Geschäftsjahres eine Bilanz und eine Gewinn- und Verlustrechnung auf; beide zusammen sind der Jahresabschluss (§ 242 HGB). Für eine GmbH wie Velbrink gelten zusätzliche Pflichten, weil die Gesellschafter nur mit ihrer Einlage haften. Gläubiger sollen sich deshalb ein Bild von der Lage des Unternehmens machen können.

Bestandteile und Größenklassen

Eine Kapitalgesellschaft erweitert den Jahresabschluss um einen Anhang, der die Zahlen erläutert, und stellt einen Lagebericht über Geschäftsverlauf, Lage und Risiken auf (§ 264 Abs. 1 HGB). Wie weit die Pflichten gehen, hängt von der Größe ab. Eine Klasse gilt, wenn mindestens zwei der drei Grenzen nicht überschritten werden, und zwar an zwei aufeinanderfolgenden Abschlussstichtagen (§ 267 Abs. 4 HGB). Bei den Arbeitnehmern zählt der Jahresdurchschnitt ohne Auszubildende.

GrößenklasseBilanzsumme höchstensUmsatzerlöse höchstensArbeitnehmer höchstens
Kleinstkapitalgesellschaft (§ 267a HGB)450.000 €900.000 €10
kleine Kapitalgesellschaft (§ 267 Abs. 1 HGB)7.500.000 €15.000.000 €50
mittelgroße Kapitalgesellschaft (§ 267 Abs. 2 HGB)25.000.000 €50.000.000 €250
große Kapitalgesellschaft (§ 267 Abs. 3 HGB)darüberdarüberdarüber

Fristen, Prüfung und Offenlegung

  • Aufstellen: in den ersten drei Monaten des neuen Geschäftsjahres; kleine Gesellschaften dürfen sich bis zu sechs Monate Zeit lassen und brauchen keinen Lagebericht (§ 264 Abs. 1 HGB).
  • Prüfen: Mittelgroße und große Gesellschaften lassen Abschluss und Lagebericht durch einen Abschlussprüfer prüfen (§ 316 Abs. 1 HGB).
  • Feststellen: Die Gesellschafter beschließen innerhalb von acht Monaten, bei kleinen Gesellschaften innerhalb von elf Monaten, über die Feststellung und die Verwendung des Gewinns (§ 42a Abs. 2 GmbHG).
  • Offenlegen: spätestens ein Jahr nach dem Stichtag elektronisch zum Unternehmensregister (§ 325 Abs. 1 und 1a HGB). Kleine Gesellschaften legen nur Bilanz und Anhang offen, Kleinstgesellschaften nur die Bilanz, die sie hinterlegen lassen können (§ 326 HGB).
Beispiel

Velbrink hatte Ende 2025 eine Bilanzsumme von 15,0 Mio. €, 41,6 Mio. € Umsatz und im Durchschnitt 88 Arbeitnehmer (ohne die 6 Auszubildenden und die beiden Geschäftsführer); Ende 2024 waren es 14,2 Mio. € und 39,8 Mio. €. In beiden Jahren überschreitet Velbrink alle drei Grenzen der kleinen, aber keine der mittelgroßen Gesellschaft. Velbrink ist deshalb mittelgroß: Abschluss mit Anhang und Lagebericht bis 31.03.2026 aufstellen, prüfen lassen, bis 31.08.2026 feststellen und bis 31.12.2026 offenlegen.

Handelsbilanz und Steuerbilanz

Für die Gewinnermittlung nach dem Steuerrecht gilt grundsätzlich, was die handelsrechtlichen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung verlangen (Maßgeblichkeit, § 5 Abs. 1 EStG). Das Steuerrecht hat aber eigene Regeln und Wahlrechte. So muss eine Rückstellung für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften in der Handelsbilanz gebildet werden (§ 249 Abs. 1 HGB), in der Steuerbilanz ist sie verboten (§ 5 Abs. 4a EStG). Viele Unternehmen stellen deshalb neben der Handelsbilanz eine Steuerbilanz auf oder leiten den steuerlichen Gewinn aus der Handelsbilanz über eine Überleitungsrechnung ab.

Kapitel 3: Bilanz und GuV nach HGB gliedern

Kapitel 3 von 14

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Mittelgroße und große Kapitalgesellschaften müssen Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung in einer festen Gliederung aufstellen. So lassen sich Abschlüsse verschiedener Unternehmen und Jahre vergleichen. Velbrink ist mittelgroß und hält sich deshalb an die Schemata der §§ 266 und 275 HGB.

Die Bilanz nach § 266 HGB

Die Bilanz steht in Kontoform. Gegliedert wird mit Buchstaben, römischen und arabischen Zahlen; kleine Gesellschaften brauchen nur die Posten mit Buchstaben und römischen Zahlen (§ 266 Abs. 1 HGB).

AktivseiteBeispiele bei Velbrink
A. Anlagevermögen: I. Immaterielle Vermögensgegenständegekaufte Software für Lager und Webshop
A. II. SachanlagenGrundstück und Lagergebäude; Regale, Stapler und Lkw als andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung
A. III. FinanzanlagenBeteiligungen, langfristige Ausleihungen
B. Umlaufvermögen: I. VorräteWaren
B. II. Forderungen und sonstige VermögensgegenständeForderungen aus Lieferungen und Leistungen, Vorsteuererstattung
B. III. Wertpapiere und B. IV. Kassenbestand, Guthaben bei KreditinstitutenBankguthaben, Kasse des Abholmarkts
C. Rechnungsabgrenzungspostenvorausbezahlte Versicherung
PassivseiteBeispiele bei Velbrink
A. Eigenkapital: I. Gezeichnetes Kapital bis V. JahresüberschussStammkapital 250.000 €, Gewinnrücklagen, Jahresüberschuss
B. RückstellungenSteuerrückstellungen, Rückstellung für die Abschlussprüfung
C. Verbindlichkeitengegenüber Kreditinstituten (Darlehen, Kontokorrentkredit), aus Lieferungen und Leistungen, sonstige
D. Rechnungsabgrenzungspostenim Voraus erhaltene Miete

Die Aktivseite ist nach der Bindungsdauer geordnet: oben, was lange im Unternehmen bleibt. Die Passivseite beginnt mit dem Eigenkapital; danach folgen Rückstellungen und Verbindlichkeiten.

Die Gewinn- und Verlustrechnung nach § 275 HGB

Die GuV steht in Staffelform: Erträge und Aufwendungen werden untereinander verrechnet, sodass Zwischenergebnisse sichtbar werden. Velbrink wendet das Gesamtkostenverfahren an (§ 275 Abs. 2 HGB).

Beispiel

GuV von Velbrink für 2025 in € (Auszug der belegten Posten):

Nr.PostenBetrag
1Umsatzerlöse41.600.000
4sonstige betriebliche Erträge120.000
5Materialaufwand (Aufwendungen für bezogene Waren)30.800.000
6Personalaufwand5.900.000
7Abschreibungen520.000
8sonstige betriebliche Aufwendungen2.950.000
13Zinsen und ähnliche Aufwendungen260.000
14Steuern vom Einkommen und vom Ertrag370.000
15Ergebnis nach Steuern920.000
16sonstige Steuern20.000
17Jahresüberschuss900.000

Die Posten 2 und 3 (Bestandsveränderungen an Erzeugnissen, aktivierte Eigenleistungen) betreffen Hersteller und bleiben im Großhandel meist leer. Kleine und mittelgroße Gesellschaften dürfen die Posten 1 bis 5 zum Rohergebnis zusammenfassen (§ 276 HGB): 41.600.000 € + 120.000 € − 30.800.000 € = 10.920.000 €. Die Kfz-Steuer für die Lkw gehört zu den sonstigen Steuern, die Gewerbe- und die Körperschaftsteuer zu den Steuern vom Einkommen und vom Ertrag.

Kapitel 4: Bewertungs­grundsätze im Jahresabschluss

Kapitel 4 von 14

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Wer einen Jahresabschluss liest, soll sich darauf verlassen können, dass die Zahlen nach festen Regeln entstanden sind. § 252 Abs. 1 HGB nennt die wichtigsten Bewertungsgrundsätze; von ihnen darf nur in begründeten Ausnahmefällen abgewichen werden.

Die allgemeinen Grundsätze

GrundsatzBedeutungFundstelle
BilanzidentitätDie Eröffnungsbilanz übernimmt die Werte der letzten Schlussbilanz unverändert.§ 252 Abs. 1 Nr. 1 HGB
UnternehmensfortführungBewertet wird so, als ob der Betrieb weiterläuft, nicht zu Zerschlagungswerten.§ 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB
EinzelbewertungJeder Vermögensgegenstand und jede Schuld wird für sich bewertet; Gewinne und Verluste verschiedener Posten werden nicht verrechnet.§ 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB
VorsichtErkennbare Risiken werden erfasst, Gewinne erst, wenn sie verwirklicht sind.§ 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB
PeriodenabgrenzungAufwand und Ertrag gehören in das Jahr, in dem sie wirtschaftlich entstehen, egal wann gezahlt wird.§ 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB
StetigkeitEinmal gewählte Bewertungsmethoden werden beibehalten.§ 252 Abs. 1 Nr. 6 HGB

Dazu kommt das Anschaffungskostenprinzip: Kein Vermögensgegenstand darf höher als mit seinen Anschaffungskosten angesetzt werden, auch wenn er inzwischen mehr wert ist (§ 253 Abs. 1 HGB).

Vorsicht: Realisation und Imparität

Aus dem Vorsichtsprinzip folgen zwei Regeln, die bewusst ungleich sind:

  • Realisationsprinzip: Ein Gewinn zählt erst, wenn er durch einen Umsatz entstanden ist, in der Regel mit der Lieferung.
  • Imparitätsprinzip: Ein Verlust, der am Stichtag droht, wird schon jetzt erfasst, auch wenn er noch nicht eingetreten ist.

Für die Bewertung heißt das: Vermögen wird mit dem niedrigeren, Schulden mit dem höheren von zwei möglichen Werten angesetzt. Im Umlaufvermögen gilt das strenge Niederstwertprinzip: Ein niedrigerer Stichtagswert ist immer anzusetzen. Im Anlagevermögen gilt das gemilderte: Abgeschrieben werden muss nur bei einer voraussichtlich dauernden Wertminderung (§ 253 Abs. 3 und 4 HGB). Für Schulden gilt das Höchstwertprinzip.

Beispiel

Hollerbrook hat im Dezember 2025 Werkzeuge für 20.000 USD an einen Händler in den USA verkauft; vereinbart ist ausnahmsweise ein langes Zahlungsziel bis März 2027, und die Forderung ist zu einem marktüblichen Zins verzinst. Beim Verkauf galt 1 € = 1,10 USD, die Forderung steht mit 18.181,82 € in den Büchern. Am Stichtag gilt 1 € = 1,05 USD; umgerechnet wären es 19.047,62 €. Weil die Restlaufzeit mehr als ein Jahr beträgt, bleibt es bei 18.181,82 €, denn der Kursgewinn ist noch nicht verwirklicht. Wäre der Kurs auf 1,16 USD gestiegen, müsste Hollerbrook auf 17.241,38 € abwerten und 940,44 € Verlust buchen.

So schützt das Vorsichtsprinzip die Gläubiger: Ein Gewinn, der nur auf dem Papier steht, wird nicht ausgeschüttet.

Kapitel 5: Anlagevermögen bewerten und abschreiben

Kapitel 5 von 14

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Velbrink investiert laufend in Lagertechnik, Fahrzeuge und Büroausstattung. Am Jahresende steht jeder dieser Gegenstände mit einem Wert in der Bilanz. Wie dieser Wert entsteht, regelt das Handelsgesetzbuch.

Anschaffungskosten als Ausgangswert

Ein Gegenstand des Anlagevermögens wird beim Kauf mit seinen Anschaffungskosten erfasst (§ 255 Abs. 1 HGB). Dazu gehören der Kaufpreis ohne abziehbare Vorsteuer und alle Kosten, die anfallen, bis der Gegenstand betriebsbereit ist, etwa Überführung, Montage oder Zulassung. Abgezogen werden Minderungen des Kaufpreises wie Rabatt und Skonto. Zinsen für einen Kredit, mit dem der Kauf bezahlt wird, gehören nicht dazu. Mehr als die Anschaffungskosten darf in der Bilanz nicht stehen (§ 253 Abs. 1 HGB).

Planmäßig abschreiben

Ein Gabelstapler oder ein Lkw nutzt sich ab. Deshalb werden die Anschaffungskosten nach einem Plan auf die Jahre der Nutzung verteilt (§ 253 Abs. 3 HGB). Bei der linearen Abschreibung ist jeder Jahresbetrag gleich hoch: Anschaffungskosten ÷ Nutzungsdauer. Im Jahr des Kaufs wird nur zeitanteilig abgeschrieben, und zwar monatsgenau. Der Monat der Anschaffung zählt voll mit (§ 7 Abs. 1 Satz 4 EStG). Was nach den bisherigen Abschreibungen übrig bleibt, ist der Restbuchwert. Ist ein Gegenstand voraussichtlich auf Dauer weniger wert als sein Restbuchwert, etwa nach einem Unfall, kommt eine außerplanmäßige Abschreibung hinzu.

Beispiel

Velbrink kauft am 14.08.2025 einen Elektro-Gabelstapler für das Hochregallager. Listenpreis 40.000 € ohne Umsatzsteuer, 5 % Rabatt, 2 % Skonto werden genutzt, Lieferung mit Einweisung 1.160 €. Nutzungsdauer 8 Jahre.

RechenschrittBetrag
Listenpreis40.000,00 €
− 5 % Rabatt2.000,00 €
− 2 % Skonto vom Zielpreis 38.000,00 €760,00 €
+ Lieferung und Einweisung1.160,00 €
= Anschaffungskosten38.400,00 €

Jährliche Abschreibung 38.400 € ÷ 8 = 4.800 €. Im Jahr 2025 zählen August bis Dezember, also 5 Monate: 4.800 € × 5 ÷ 12 = 2.000 €. Restbuchwert am 31.12.2025: 36.400 €, ein Jahr später 31.600 €.

Geringwertige Wirtschaftsgüter

Für bewegliche, abnutzbare Gegenstände, die selbstständig genutzt werden können, gibt es im Steuerrecht Vereinfachungen. Maßgeblich ist der Nettopreis ohne Vorsteuer. Bis 800 € darf der Betrag im Jahr der Anschaffung voll als Aufwand abgezogen werden (§ 6 Abs. 2 EStG). Stattdessen darf das Unternehmen alle Gegenstände eines Jahres von mehr als 250 € bis 1.000 € in einem Sammelposten zusammenfassen und diesen über fünf Jahre mit je einem Fünftel auflösen (§ 6 Abs. 2a EStG). Einen Akkuschrauber für die Werkstatt zu 420 € netto darf Velbrink deshalb im Jahr des Kaufs voll als Aufwand buchen.

Kapitel 6: Warenvorräte am Bilanzstichtag bewerten

Kapitel 6 von 14

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Im Großhandel ist der Warenbestand oft der größte Posten auf der Aktivseite. Zum 31.12.2025 liegen bei Velbrink Waren für rund 5,4 Mio. € im Lager. Schon kleine Fehler bei der Bewertung verändern deshalb den Gewinn deutlich.

Anschaffungskosten und Einzelbewertung

Jeder Artikel wird höchstens mit seinen Anschaffungskosten bewertet (§ 253 Abs. 1 HGB). Für Handelswaren ist das der Bezugspreis: Einkaufspreis abzüglich Rabatt und Skonto, zuzüglich Bezugskosten. Grundsätzlich wird jeder Vermögensgegenstand einzeln bewertet (§ 252 Abs. 1 Nr. 3 HGB). Bei gleichartiger Ware, die zu verschiedenen Preisen eingekauft wurde und im Regal nicht mehr zu unterscheiden ist, geht das nicht. Dann erlaubt das Gesetz Vereinfachungen:

  • Gewogener Durchschnitt: Alle Mengen und Werte des Jahres werden zusammengefasst, der Endbestand wird mit dem Durchschnittspreis bewertet (§ 240 Abs. 4, § 256 Satz 2 HGB).
  • Verbrauchsfolge: Man unterstellt, dass die zuerst gekaufte Ware zuerst verkauft wurde (Fifo) oder die zuletzt gekaufte (Lifo), § 256 Satz 1 HGB. Steuerlich ist als Verbrauchsfolge nur Lifo ausdrücklich zugelassen (§ 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG).

Niederstwertprinzip am Stichtag

Waren gehören zum Umlaufvermögen. Für sie gilt das strenge Niederstwertprinzip: Liegt der Börsen- oder Marktpreis am Abschlussstichtag unter den Anschaffungskosten, muss auf den niedrigeren Wert abgeschrieben werden (§ 253 Abs. 4 HGB). Bei Handelswaren ist das in der Regel der Wiederbeschaffungspreis, der Tageswert. Liegt der Tageswert höher, bleibt es bei den Anschaffungskosten, denn ein Gewinn gilt erst mit dem Verkauf als entstanden.

Beispiel

Nitril-Schutzhandschuhe, Karton zu 100 Stück, eingekauft bei Hollerbrook. Bestand am 01.01.2025 400 Kartons zu 18,00 €; Zugänge 600 zu 19,50 €, 500 zu 21,00 € und 300 zu 20,40 €. Inventurbestand am 31.12.2025: 450 Kartons; Tageswert 19,80 € je Karton, also 8.910,00 €.

VerfahrenAnschaffungskosten des EndbestandsBilanzwert
Gewogener Durchschnitt: 35.520 € ÷ 1.800 Kartons = 19,73 €8.880,00 €8.880,00 €
Fifo: 300 × 20,40 € + 150 × 21,00 €9.270,00 €8.910,00 €
Lifo: 400 × 18,00 € + 50 × 19,50 €8.175,00 €8.175,00 €

Nur bei Fifo liegen die Anschaffungskosten über dem Tageswert; deshalb wird auf 8.910,00 € abgeschrieben. Den Durchschnittswert rechnest du ungerundet: 450 × 35.520 € ÷ 1.800 = 8.880,00 €.

Bei steigenden Preisen ergibt Lifo den niedrigsten Bestandswert, weil die billigen alten Einkäufe im Bestand bleiben.

Kapitel 7: Verbindlichkeiten und Rückstellungen bewerten

Kapitel 7 von 14

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Auch die Passivseite muss zum Stichtag bewertet werden. Dabei gilt das Vorsichtsprinzip spiegelbildlich: Schulden lieber zu hoch als zu niedrig ansetzen.

Verbindlichkeiten

Verbindlichkeiten stehen mit ihrem Erfüllungsbetrag in der Bilanz, also mit dem Betrag, der zur Tilgung gezahlt werden muss (§ 253 Abs. 1 Satz 2 HGB). Nimmt Velbrink ein Darlehen über 200.000 € auf und bekommt wegen eines Abschlags (Disagio) nur 196.000 € ausgezahlt, wird die Verbindlichkeit mit 200.000 € angesetzt.

Bei Verbindlichkeiten in fremder Währung hängt der Erfüllungsbetrag vom Kurs ab. Umgerechnet wird zum Devisenkassamittelkurs am Stichtag (§ 256a HGB). Steigt der Euro-Betrag, wird der höhere Wert angesetzt (Höchstwertprinzip). Ein gesunkener Euro-Betrag wird nur bei einer Restlaufzeit von höchstens einem Jahr angesetzt.

Beispiel

Hollerbrook erhält am 17.11.2025 eine Rechnung über 50.000 USD, zahlbar im Februar 2026. Kurs bei Rechnungseingang 1 € = 1,1000 USD: 45.454,55 €. Kurs am 31.12.2025: 1 € = 1,0800 USD: 46.296,30 €. Hollerbrook bilanziert 46.296,30 € und bucht 841,75 € Aufwand aus der Kursdifferenz.

Rückstellungen

Eine Rückstellung ist eine Schuld, die dem Grunde oder der Höhe nach am Stichtag noch nicht feststeht. Sie muss gebildet werden für ungewisse Verbindlichkeiten, für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften, für Instandhaltung, die im Geschäftsjahr unterblieben ist und in den ersten drei Monaten des Folgejahres nachgeholt wird, und für Kulanzleistungen (§ 249 Abs. 1 HGB). Typische Fälle sind Kosten der Abschlussprüfung, ein laufender Rechtsstreit oder eine erwartete Steuernachzahlung. Angesetzt wird der Betrag, der nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung nötig ist (§ 253 Abs. 1 Satz 2 HGB).

Der Ablauf hat drei Schritte:

  1. Bilden am Stichtag: Aufwand an Rückstellungen. Der Aufwand gehört in das Jahr, in dem er verursacht wurde.
  2. Verwenden im Folgejahr, wenn die Rechnung kommt: Rückstellungen an Bank. War die Rückstellung zu hoch, entsteht ein Ertrag aus der Auflösung von Rückstellungen; war sie zu niedrig, wird der Rest als periodenfremder Aufwand gebucht.
  3. Auflösen, wenn der Grund ganz entfällt (§ 249 Abs. 2 Satz 2 HGB).
Beispiel

Velbrink ist als mittelgroße GmbH prüfungspflichtig und rechnet für die Prüfung des Abschlusses 2025 mit 18.000 €. Am 31.12.2025: Rechts- und Beratungskosten an Rückstellungen 18.000 €. Die Rechnung im April 2026 lautet auf 16.500 € zuzüglich 3.135 € Umsatzsteuer.

Buchungssatz
Rückstellungen 18.000,00
Vorsteuer 3.135,00
an Bank 19.635,00
an Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen 1.500,00

Kapitel 8: Forderungen bewerten

Kapitel 8 von 14

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Nicht jeder Kunde zahlt. Am Bilanzstichtag prüft Velbrink deshalb jede offene Forderung: Ist sie voraussichtlich sicher, zweifelhaft oder schon verloren? Nach dem Vorsichtsprinzip darf eine Forderung nicht höher in der Bilanz stehen, als Velbrink voraussichtlich erhält.

Drei Gruppen von Forderungen

  • Einwandfreie Forderungen bleiben mit ihrem Nennwert stehen.
  • Zweifelhafte Forderungen sind unsicher, etwa weil der Kunde Insolvenz beantragt hat oder trotz Mahnungen nicht zahlt. Velbrink bucht sie auf ein eigenes Konto um (Zweifelhafte Forderungen an Forderungen aus Lieferungen und Leistungen) und schätzt am Stichtag den wahrscheinlichen Ausfall.
  • Uneinbringliche Forderungen sind endgültig verloren, etwa wenn das Insolvenzverfahren ohne Zahlung endet. Sie werden ausgebucht.

Einzelwertberichtigung und Ausfall

Den geschätzten Ausfall einer zweifelhaften Forderung erfasst Velbrink in der Einzelwertberichtigung: Abschreibungen auf Forderungen an Einzelwertberichtigungen zu Forderungen. Berechnet wird sie vom Nettobetrag. Die Umsatzsteuer berichtigt Velbrink, sobald der Betrag uneinbringlich ist (§ 17 Abs. 2 Nr. 1 UStG); bis dahin bleibt sie in voller Höhe geschuldet.

Vereinfachung in diesem Lernfeld: Beispiele und Aufgaben berichtigen die Umsatzsteuer erst, wenn die Höhe des Ausfalls feststeht. Nach dem Steuerrecht gilt das Entgelt spätestens mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens als uneinbringlich; fließt danach noch eine Quote, wird die Umsatzsteuer erneut berichtigt. Insgesamt kommt dieselbe Summe heraus, nur der Zeitpunkt weicht ab.

Beispiel

Ein Malerbetrieb schuldet Velbrink 8.330 €, darin 1.330 € Umsatzsteuer. Im Dezember 2025 beantragt er Insolvenz. Velbrink rechnet mit 60 % Ausfall und bildet zum 31.12.2025 eine Einzelwertberichtigung von 7.000 € × 60 % = 4.200 €.

Im Herbst 2026 endet das Verfahren mit einer Quote von 30 %. Velbrink erhält 2.499 €; 70 % fallen endgültig aus, netto 4.900 € und 931 € Umsatzsteuer. Die Wertberichtigung deckt 4.200 €, die restlichen 700 € sind zusätzlicher Aufwand.

Buchungssatz
Bank 2.499,00
Einzelwertberichtigungen zu Forderungen 4.200,00
Abschreibungen auf Forderungen 700,00
Umsatzsteuer 931,00
an Zweifelhafte Forderungen 8.330,00

Pauschalwertberichtigung

Auch bei einwandfreien Forderungen fällt erfahrungsgemäß ein kleiner Teil aus. Für dieses allgemeine Risiko bildet Velbrink eine Pauschalwertberichtigung mit einem Prozentsatz auf die Nettobeträge der übrigen Forderungen, etwa nach den Ausfällen der letzten Jahre.

Kapitel 9: Vermögens- und Kapitalstruktur beurteilen

Kapitel 9 von 14

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Banken, Lieferanten und Gesellschafter lesen aus der Bilanz, wie solide ein Unternehmen aufgestellt ist. Dafür wird sie zuerst aufbereitet: Gleichartige Posten werden zusammengefasst, das Fremdkapital wird nach Fristen getrennt. Das Ergebnis heißt Strukturbilanz. Velbrink rechnet die Kennzahlen mit dem Eigenkapital einschließlich des Jahresüberschusses.

Beispiel

Aufbereitete Bilanz der Velbrink Technischer Großhandel GmbH (gerundete Werte):

Aktiva31.12.2025Passiva31.12.2025
Anlagevermögen4.500.000 €Eigenkapital5.100.000 €
Waren5.400.000 €langfristiges Fremdkapital3.600.000 €
Forderungen4.500.000 €kurzfristiges Fremdkapital6.300.000 €
flüssige Mittel600.000 €
Bilanzsumme15.000.000 €Bilanzsumme15.000.000 €

Zum langfristigen Fremdkapital zählen das Bankdarlehen (3.300.000 €) und langfristige Rückstellungen, zum kurzfristigen die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, der Kontokorrentkredit und kurzfristige Rückstellungen.

Vermögensstruktur

Die Aktivseite zeigt, wie das Kapital angelegt ist.

  • Anlagequote (Anlagenintensität) = Anlagevermögen × 100 ÷ Gesamtvermögen = 4.500.000 × 100 ÷ 15.000.000 = 30 %
  • Umlaufquote = Umlaufvermögen × 100 ÷ Gesamtvermögen = 10.500.000 × 100 ÷ 15.000.000 = 70 %

Für einen Großhandel ist ein hoher Anteil des Umlaufvermögens typisch: Waren und Forderungen machen den größten Teil aus. Eine niedrige Anlagequote bedeutet geringe Fixkosten aus Abschreibungen und eine schnelle Anpassung an weniger Umsatz. Sie kann aber auch heißen, dass Lager und Fuhrpark überaltert sind. Ein Urteil ist erst im Vergleich mit früheren Jahren oder mit anderen Großhändlern möglich.

Kapitalstruktur

Die Passivseite zeigt, woher das Kapital kommt.

  • Eigenkapitalquote = Eigenkapital × 100 ÷ Gesamtkapital = 5.100.000 × 100 ÷ 15.000.000 = 34 %
  • Fremdkapitalquote = Fremdkapital × 100 ÷ Gesamtkapital = 9.900.000 × 100 ÷ 15.000.000 = 66 %

Beide Quoten ergeben zusammen 100 %. Je höher die Eigenkapitalquote, desto unabhängiger ist das Unternehmen von Gläubigern und desto besser fängt es Verluste auf. Banken geben deshalb leichter und günstiger Kredit. Eigenkapital ist aber teuer, weil die Gesellschafter eine höhere Verzinsung erwarten als die Bank.

Kapitel 10: Finanzlage beurteilen: Anlagendeckung und Liquidität

Kapitel 10 von 14

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Die Kapitalstruktur zeigt, woher das Geld kommt. Für die Finanzlage zählt außerdem, ob die Fristen zusammenpassen: Kapital, das lange im Unternehmen gebunden ist, sollte auch lange zur Verfügung stehen. Velbrink rechnet mit den Werten der aufbereiteten Bilanz zum 31.12.2025 (Kapitel „Vermögens- und Kapitalstruktur beurteilen“): Anlagevermögen 4.500.000 €, Eigenkapital 5.100.000 €, langfristiges Fremdkapital 3.600.000 €, kurzfristiges Fremdkapital 6.300.000 €, Forderungen 4.500.000 €, flüssige Mittel 600.000 €.

Anlagendeckung und goldene Bilanzregel

Lager, Regale und Fahrzeuge werden über viele Jahre genutzt. Würden sie mit einem Kredit bezahlt, der in drei Monaten fällig ist, müsste Velbrink ständig neues Geld beschaffen. Die goldene Bilanzregel verlangt deshalb, dass langfristig gebundenes Vermögen langfristig finanziert ist.

  • Anlagendeckung I = Eigenkapital × 100 ÷ Anlagevermögen = 5.100.000 × 100 ÷ 4.500.000 = 113,33 %
  • Anlagendeckung II = (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) × 100 ÷ Anlagevermögen = 8.700.000 × 100 ÷ 4.500.000 = 193,33 %

Die enge Fassung ist erfüllt, wenn die Anlagendeckung I mindestens 100 % erreicht, die weite Fassung bei einer Anlagendeckung II ab 100 %. Velbrink erfüllt beide. Im Großhandel gehört zum langfristig gebundenen Vermögen auch der Mindestbestand an Waren, ohne den das Lager nicht lieferfähig wäre. Liegt die Anlagendeckung II deutlich über 100 %, ist auch dieser Bestand langfristig finanziert.

Liquidität

Die Liquiditätsgrade vergleichen am Stichtag die schnell verfügbaren Mittel mit den kurzfristigen Schulden.

  • Liquidität 1. Grades = flüssige Mittel × 100 ÷ kurzfristiges Fremdkapital = 600.000 × 100 ÷ 6.300.000 = 9,52 %
  • Liquidität 2. Grades = (flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen) × 100 ÷ kurzfristiges Fremdkapital = 5.100.000 × 100 ÷ 6.300.000 = 80,95 %

Als Richtwert gilt für die Liquidität 2. Grades etwa 100 %. Velbrink liegt darunter: Würden alle kurzfristigen Schulden sofort fällig, reichten Bankguthaben und Kundenzahlungen nicht aus. Ein Teil wäre aus dem Verkauf von Waren zu bezahlen oder aus der freien Kreditlinie von 300.000 €.

Beispiel

Velbrink wandelt den Kontokorrentkredit von 900.000 € in ein Darlehen mit fünf Jahren Laufzeit um. Das kurzfristige Fremdkapital sinkt auf 5.400.000 €, die Liquidität 2. Grades steigt auf 5.100.000 × 100 ÷ 5.400.000 = 94,44 %.

Kapitel 11: Erfolgslage beurteilen: Rentabilität

Kapitel 11 von 14

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Die Bilanzkennzahlen zeigen, wie solide Velbrink finanziert ist. Ob sich das eingesetzte Kapital lohnt, zeigt erst der Vergleich mit dem Gewinn. Rentabilitätskennzahlen setzen den Gewinn ins Verhältnis zu einer Bezugsgröße. Velbrink nimmt als Gewinn den Jahresüberschuss laut Gewinn- und Verlustrechnung und als Kapital die Werte der Schlussbilanz. Andere Betriebe rechnen mit dem Kapital am Jahresanfang oder mit dem Durchschnitt; in jeder Aufgabe steht deshalb, welche Größe gilt.

Beispiel

Velbrink 2025: Jahresüberschuss 900.000 €, Zinsaufwand 260.000 €, Umsatzerlöse 41.600.000 €. Bilanz zum 31.12.2025: Eigenkapital 5.100.000 €, Gesamtkapital 15.000.000 €, davon verzinsliche Kredite 4.200.000 € (Darlehen 3.300.000 €, Kontokorrentkredit 900.000 €).

Drei Kennzahlen

  • Eigenkapitalrentabilität = Gewinn × 100 ÷ Eigenkapital = 900.000 × 100 ÷ 5.100.000 = 17,65 %. Sie zeigt den Gesellschaftern, wie sich ihr Kapital verzinst hat. Zum Vergleich dient eine sichere Geldanlage zuzüglich eines Zuschlags für das Risiko, das sie als Unternehmer tragen.
  • Gesamtkapitalrentabilität = (Gewinn + Fremdkapitalzinsen) × 100 ÷ Gesamtkapital = (900.000 + 260.000) × 100 ÷ 15.000.000 = 7,73 %. Die Zinsen werden addiert, weil auch das Fremdkapital etwas erwirtschaftet hat, nämlich die Zinsen für die Bank. So zeigt die Kennzahl, wie rentabel das ganze Kapital eingesetzt ist, unabhängig von der Finanzierung.
  • Umsatzrentabilität = Gewinn × 100 ÷ Umsatzerlöse = 900.000 × 100 ÷ 41.600.000 = 2,16 %. Von jedem Euro Umsatz bleiben gut 2 Cent Gewinn. Im Großhandel ist dieser Wert niedrig, weil der größte Teil des Umsatzes für den Wareneinsatz gebraucht wird.

Mehr Fremdkapital, mehr Rendite?

Die verzinslichen Kredite kosten Velbrink im Durchschnitt 260.000 × 100 ÷ 4.200.000 = 6,19 %. Das Gesamtkapital bringt 7,73 %. Solange das so bleibt, erhöht jeder zusätzlich geliehene Euro die Eigenkapitalrentabilität, weil er mehr erwirtschaftet, als er kostet (Leverage-Effekt). Steigen die Zinsen über die Gesamtkapitalrentabilität oder bricht der Gewinn ein, kehrt sich die Wirkung um: Dann drückt das Fremdkapital die Eigenkapitalrentabilität.

Kapitel 12: Den Jahresabschluss auswerten und darstellen

Kapitel 12 von 14

Lesezeit etwa 2 Minuten

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Eine Kennzahl allein ist nur eine Zahl. Aussagekräftig wird sie erst im Vergleich. Velbrink wertet den Jahresabschluss deshalb jedes Jahr nach demselben Muster aus und legt das Ergebnis den Gesellschaftern und der Hausbank vor.

Drei Arten zu vergleichen

  • Zeitvergleich: dieselbe Kennzahl über mehrere Jahre. Er zeigt, ob sich etwas verbessert oder verschlechtert.
  • Betriebsvergleich: eigene Werte neben denen anderer Großhändler, etwa aus Branchenauswertungen von Verbänden oder Banken.
  • Soll-Ist-Vergleich: Ist-Werte neben den Zielen, die sich das Unternehmen gesetzt hat.
Beispiel

Kennzahlen von Velbrink mit den Zielen der Geschäftsführung:

Kennzahl20242025ZielZiel 2025 erreicht?
Eigenkapitalquote32,39 %34,00 %mindestens 35 %nein, 1 Prozentpunkt darunter
Anlagendeckung II180,85 %193,33 %mindestens 150 %ja
Liquidität 2. Grades80,70 %80,95 %mindestens 100 %nein
Eigenkapitalrentabilität15,22 %17,65 %mindestens 15 %ja
Umsatzrentabilität1,76 %2,16 %mindestens 2 %ja

Velbrink hat sich in allen Kennzahlen verbessert. Die Eigenkapitalquote nähert sich dem Ziel, weil ein Teil des Gewinns im Unternehmen bleibt. Bei der Liquidität 2. Grades hat sich fast nichts getan; hier braucht es Maßnahmen, etwa die Umschuldung des Kontokorrentkredits in ein langfristiges Darlehen. Bei der Bewertung zählt auch der Weg: Ein Wert, der knapp unter dem Ziel liegt, aber stetig steigt, ist anders zu beurteilen als einer, der fällt.

Ergebnisse darstellen

Die Wahl des Diagramms hängt davon ab, was es zeigen soll:

  • Säulendiagramm: wenige Werte nebeneinander vergleichen, etwa die Kennzahlen zweier Jahre.
  • Liniendiagramm: eine Entwicklung über viele Zeitpunkte, etwa die Liquidität zum Ende jedes Monats.
  • Kreisdiagramm: die Aufteilung eines Ganzen zu einem Zeitpunkt, etwa die Anteile der Warengruppen am Umsatz.
  • Gestapeltes Säulendiagramm: wie sich ein Ganzes über die Jahre zusammensetzt, etwa Eigen- und Fremdkapital.

In der Tabellenkalkulation markierst du den Datenbereich mit Beschriftungen und fügst das Diagramm ein. Bei Säulendiagrammen beginnt die Achse bei null; sonst wirken kleine Unterschiede riesig. Ziele lassen sich als waagerechte Linie einzeichnen, so sieht der Leser sofort, wo der Wert liegt. Jedes Diagramm braucht einen Titel, beschriftete Achsen mit Einheit und eine Quelle.

Kapitel 13: Leasing und Factoring beurteilen

Kapitel 13 von 14

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Die Kennzahlen zeigen, wo Velbrink besser werden will: Die Eigenkapitalquote soll steigen, die Liquidität ist knapp. Zwei Finanzierungsformen werden dafür oft genannt. Beide wirken aber nur auf bestimmte Kennzahlen, und beide kosten Geld.

Factoring

Beim Factoring verkauft Velbrink Forderungen an ein Factoringunternehmen (Factor). Der Factor zahlt sofort einen Großteil des Betrags aus, meist 80 bis 90 %; den Rest behält er als Sicherheit, bis der Kunde gezahlt hat. Übernimmt der Factor auch das Risiko, dass der Kunde nicht zahlt (Delkredere), spricht man von echtem Factoring, sonst von unechtem. Oft übernimmt der Factor zusätzlich Mahnwesen und Inkasso. Dafür berechnet er Gebühren und Zinsen.

Beispiel

Velbrink verkauft Forderungen über 1.500.000 € im echten Factoring. Der Factor zahlt 90 % sofort aus, also 1.350.000 €; 150.000 € erhält Velbrink später. Mit dem Geld tilgt Velbrink den Kontokorrentkredit von 900.000 € und zahlt 450.000 € Lieferantenrechnungen. Gebühren bleiben hier außer Betracht.

Kennzahlvorhernachher
Bilanzsumme15.000.000 €13.650.000 €
Eigenkapitalquote34,00 %37,36 %
Liquidität 1. Grades9,52 %12,12 %
Liquidität 2. Grades80,95 %75,76 %

Die Bilanz wird kürzer, die Eigenkapitalquote steigt. Die Liquidität 2. Grades sinkt aber: Forderungen und Schulden nehmen um denselben Betrag ab, und bei einem Wert unter 100 % drückt das die Kennzahl. Behält Velbrink das Geld auf dem Konto, steigt die Liquidität 1. Grades auf 30,95 %, die Liquidität 2. Grades bleibt bei 80,95 %. Der eigentliche Nutzen liegt im schnelleren Geldeingang: Velbrink kann Lieferanten mit Skonto bezahlen und trägt beim echten Factoring kein Ausfallrisiko.

Leasing

Beim Leasing mietet Velbrink ein Wirtschaftsgut, etwa einen Lkw, für eine feste Zeit gegen monatliche Raten. In der Regel bilanziert der Leasinggeber das Fahrzeug. Bei Velbrink erscheinen dann weder Anlagevermögen noch Kredit in der Bilanz, die Raten sind Aufwand.

Will Velbrink zwei Lkw zu je 120.000 € auf Kredit kaufen, steigt die Bilanzsumme auf 15.240.000 €, die Eigenkapitalquote sinkt auf 33,46 % und die Anlagendeckung I von 113,33 % auf 107,59 %. Beim Leasing bleiben diese Werte gleich, und es fließt kein großer Betrag auf einmal ab. Dafür bindet sich Velbrink an feste Raten über die ganze Laufzeit, die Gesamtkosten liegen meist über denen eines Kaufs, und das Fahrzeug gehört Velbrink nicht.

Kapitel 14: Zeitliche Abgrenzung zum Jahresabschluss

Kapitel 14 von 14

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Velbrink zahlt manche Rechnungen für einen Zeitraum, der über den Jahreswechsel reicht, etwa Versicherungen oder Wartungsverträge. Im Jahresabschluss darf aber nur der Aufwand stehen, der wirtschaftlich zum Geschäftsjahr gehört (§ 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB). Den Rest grenzt Velbrink am 31.12. ab.

Aktive und passive Rechnungsabgrenzung

  • Aktive Rechnungsabgrenzung: Velbrink hat vor dem Stichtag gezahlt, der Aufwand gehört aber ganz oder teilweise ins neue Jahr (§ 250 Abs. 1 HGB). Der Teil für das neue Jahr wird aktiviert.
  • Passive Rechnungsabgrenzung: Velbrink hat vor dem Stichtag Geld erhalten, der Ertrag gehört ganz oder teilweise ins neue Jahr (§ 250 Abs. 2 HGB). Der Teil für das neue Jahr wird passiviert.

Rechnungsabgrenzung gibt es nur, wenn die Zahlung im alten Jahr liegt und der Zeitraum fest bestimmt ist. Fließt das Geld erst im neuen Jahr, etwa Zinsen für Dezember, die im Januar gezahlt werden, entstehen sonstige Forderungen oder sonstige Verbindlichkeiten.

Gerechnet wird monatsgenau: Betrag ÷ Zahl der Monate des Zeitraums × Monate im neuen Jahr.

Beispiel

Velbrink überweist am 01.10.2025 die Kfz-Versicherung für die sieben Lkw für Oktober 2025 bis September 2026, insgesamt 8.400 €. Auf 2025 entfallen drei Monate, also 2.100 €, auf 2026 neun Monate, also 6.300 €.

Buchungssatz
Aktive Rechnungsabgrenzung 6.300,00 an Versicherungsbeiträge 6.300,00

Im neuen Jahr wird der Posten aufgelöst: Versicherungsbeiträge an Aktive Rechnungsabgrenzung 6.300 €. So steht der Aufwand in dem Jahr, für das die Versicherung gilt.

Beispiel

Velbrink vermietet eine nicht benötigte Lagerhalle für 4.000 € im Monat. Der Mieter zahlt am 01.12.2025 die Miete für Dezember 2025 bis Februar 2026 im Voraus, 12.000 €. Die Miete enthält keine Umsatzsteuer. Davon gehören 8.000 € ins Jahr 2026.

Buchungssatz
Mieterträge 8.000,00 an Passive Rechnungsabgrenzung 8.000,00

Nachschlagen

Fachbegriffe und Formeln zum Nachschlagen, jeweils auf einer Seite.

Fachbegriffe aus diesem Lernfeld

Bilanzidentität
Bewertungsgrundsatz: Die Werte der Eröffnungsbilanz eines Geschäftsjahres müssen mit denen der Schlussbilanz des Vorjahres übereinstimmen (§ 252 Abs. 1 Nr. 1 HGB).
Unternehmensfortführung
Bewertungsgrundsatz, nach dem Vermögen und Schulden so bewertet werden, als ob der Betrieb weiterläuft, solange keine tatsächlichen oder rechtlichen Gründe dagegen sprechen (§ 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB). Angesetzt werden deshalb keine Verkaufswerte bei einer Zerschlagung.

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